Matthias Engel von Bücher Balmer in der English-Book-Sektion in Zug. (Bild: woz)
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Matthias Engel von Bücher Balmer in der English-Book-Sektion in Zug. (Bild: woz)

Warum Zuger mehr englische Bücher kaufen können als Luzerner

5min Lesezeit

So gut wie jeder Dritte in der Stadt Zug ist ein Ausländer. Die Briten machen knapp vor den Portugiesen die drittgrösste ausländische Bevölkerungsgruppe aus – nach den Deutschen und den Italienern. Kein Wunder, dass angelsächsische Expats auch englischsprachige Bücher lesen wollen. Aber nicht nur die.

Wolfgang Holz

Zug ist mega international. Das zeigt sich auch in der English-Book-Sektion bei Bücher Balmer. «Wir haben knapp 2’000 Bücher verfügbar», sagt Matthias Engel stolz und ist gleichzeitig selbst überrascht, wie viele englische Bücher am Lager sind. Wobei der Zuger Filialleiter darauf hinweist, dass bei den beiden Grosshändlern, über die Balmer, Lüthi und Stocker englische Bücher beziehen, bis zu sage und schreibe 250 bis 300’000 Bücher vorrätig sind.

In Zug ist Englisch quasi Alltag

In Zug wird sehr viel Englisch gesprochen – so viel, dass sie schon wie zu einer zweiten Verkehrssprache geworden ist, eine «Lingua Franca» quasi. In einer Serie versucht zentralplus zu zeigen, wie sehr Englisch den Zuger Alltag durchdringt. Im ersten Teil der Serie unterhielt sich zentralplus mit Bildungsdirektor Stephan Schleiss, der im Ausgang öfters auch mal in einen Smalltalk mit Angelsachsen verwickelt wird, über Bedeutung und Angebote des Englischen im Zuger Bildungssystem. Weitere Serienteile folgen.

«Die Nachfrage ist da»

Doch wer liest so viele English Books? Bei Bücher Balmer in Zug gibt es neben dem Fiction-Bereich mit populären Roman- und Krimiautoren wie Ken Follett, Jeffrey Archer, Dan Brown, aber auch mit Klassikern der englischen und amerikanischen Literatur auch eine Non-Fiction-Abteilung mit Biografien, Sachbüchern, Kinder- und Kochbüchern.

«Die Nachfrage ist auf jeden Fall da, sonst würden wir die Bücher nicht anbieten», sagt Engel. Schon als Balmer noch in der Zuger Neugasse ansässig gewesen sei, habe man einen Bestand von 250 bis 300 englischen Büchern gehabt. «Als wir dann in die neuen und grösseren Verkaufsräume in die Rigistrasse umgezogen sind, haben wir die English-Book-Section ausgebaut», sagt der gebürtige Dresdner. 

«Es gibt viele einheimische Zuger, die den internationalen Lebensstil in der Stadt geniessen.»

Matthias Engel, Filialleiter Bücher Balmer in Zug

Zu den Leseratten der English Books zählen aber nicht nur angelsächsische und andere Expats. «Es gibt viele einheimische Zuger, die den internationalen Lebensstil in der Stadt geniessen und gerne englische Bücher lesen – genauso wie es in Zug eben für viele selbstverständlich ist, dass man sich im Kino gerne viele Filme eben im Original ohne Untertitel anschaut.»

Matthias Balmer: «Luzern ist viel schweizerischer als Zug.»
Matthias Balmer: «Luzern ist viel schweizerischer als Zug.» (Bild: woz)

Aber müsste es denn im viel grösseren Luzern nicht noch viel mehr englische Bücher geben als in Zug? Denn wenn man sich in der Buchhandlung Lühthy+Stocker die English-Book-Section im ersten Stock anschaut, sticht einem sofort das kleinere Sortiment in die Augen.

Zwar 3’290 Bücher in Luzern, aber …

Zwar täuscht dieser erste Eindruck. Denn, wie die Buchhandlung Lüthi+Stocker auf Anfrage von zentralplus mitteilt, «haben wir momentan zirka 3’290 englische Buchexemplare an Lager», sagt Cornelia Fischer von der Buchhandlung. Der Lagerbestand ändere sich jedoch jeden Tag und jeden Monat.

Trotzdem gibt es für Zuger im Prinzip eine grössere Auswahl, bedenkt man, dass Zug nur 30’000 Einwohner hat, Luzern dagegen 80’000 Einwohner. Das heisst, für Zuger stehen proportional mehr englische Bücher zur Auswahl als für Luzerner.

«Ich denke, Luzern ist unterm Strich viel schweizerischer als Zug.»

Matthias Balmer

«Ich denke, Luzern ist unterm Strich viel schweizerischer als Zug.» Zwar gebe es in Luzern deutlich mehr ausländische Touristen als in Zug. «Aber die Ausländer in Zug leben und wohnen eben auch hier.» Sprich: In Luzern werden dafür mehr teure Uhren verkauft. An Chinesen etwa.

In Luzern leben deutlich weniger Ausländer

Und dieser Eindruck täuscht nicht. Denn die Stadt Luzern hat im Vergleich mit anderen Schweizer Städten mit 23,5 Prozent einen tiefen Ausländeranteil – laut LUSTAT Statistik Luzern. Einzig in Bern und Winterthur war er um 2011 tiefer (23,2 bzw. 23,1 Prozent). Und der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung ist in der Stadt Luzern während der letzten zehn Jahre geringfügig angestiegen.

«Es sind wohl 50 Prozent Expats und 50 Prozent Einheimische, die in Zug gerne englische Bücher lesen», schätzt Engel. Wobei es mehr Frauen als Männer seien – was eher wieder darauf hindeutet, dass es sich um die Ehefrauen von Expats handelt. «Es kommen aber auch Kantischüler bei uns vorbei, um sich mit englischer Literatur einzudecken.»

5539 englische Medien in der Zuger Kantonsbibliothek

Apropos. Man kann in Zug natürlich auch sehr viel Englisches in der Zuger Kantonsbibliothek lesen. Wie Bibliothekarin Susanne Manz mitteilt, verfügt die Bücherei über insgesamt 5539 an Büchern,  Hörbüchern und digitalen Medien «in English» – für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.

Wobei man dieses Angebot nicht mit dem der Luzerner Kantonsbibliothek vergleichen kann – weil diese ja integriert ist in die Zentral- und Hochschulbibliothek in Luzern. «Mit dem neuen Fachcode ab 1983 sind im Regelerwerb 2733 Titel in englischer Originalsprache erworben worden, und der Altbestand dürfte in der Belletristik etwa 5994 Titel betragen. Insgesamt haben wir also rund 7500 Titel in englischer Originalsprache», sagt Priska Gut vom Fachreferat Sprach- und Literaturwissenschaften, Belletristik, Bibliotheks- und Informationswissenschaften und neue Medien von der Zentral- und Hochschulbibliothek. Das ist denn im Vergleich zu Zug auch nicht sehr viel mehr.

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