Alla Yampolskaya hat vor wenigen Tagen den slawischen Spezialitätenladen Pelmen eröffnet.
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Alla Yampolskaya hat vor wenigen Tagen den slawischen Spezialitätenladen Pelmen eröffnet.

Nicht nur für Expats: Eingelegte Heringe als Fernweh-Killer

5min Lesezeit

Immer mehr Russen finden den Weg nach Zug. Die meisten für wenige Jahre als Expats, einige jedoch für länger. So etwa Alla Yampolskaya. Die Russin hat gerade einen Laden eröffnet in Baar. Einerseits, um der Nostalgie zu frönen, aber auch, um Schweizern einen Einblick in die slawische Küche zu geben. Ganz ohne «Wodka-Balalayka-Bär»-Klischees.

Subtil kommt er daher, der neue Laden an der Bahnhofstrasse in Baar. Achtet man sich nicht darauf, fährt man glatt am Shop vorbei. Doch wir achten uns und stoppen rechtzeitig. Denn wir möchten einen Blick erhaschen in den ersten russischen Laden im Kanton Zug, der vor rund einer Woche eröffnet wurde. «Pelmen» heisst er, und wir denken gleich an Palmen. Und finden, das passt nun so gar nicht nach Russland.

Eingelegte Pilze machen einige Ladenmeter aus.
Eingelegte Pilze machen einige Ladenmeter aus.

Fernab vom Wodka-Balalayka-Bär-Klischee

Alla Yampolskaya, die Besitzerin des Ladens, belehrt uns eines Besseren: «Pelmeni, das sind so eine Art russische Ravioli.» Und sie führt uns zur Tiefkühltruhe im Laden, wo unterschiedliche Versionen dieser Teigtaschen auf ihre Käufer warten. Daneben gibt es verschiedene gefrorene, «typisch slawische» Torten und auch Schokoriegel und Glace. «Bei vielen Lebensmitteln, die wir hier verkaufen, geht es nicht um ein Grundbedürfnis. Viele Russen freuen sich einfach über den Geschmack ihrer Heimat, den sie hier wiederfinden können.»

Eine Konkurrenz für herkömmliche Ravioli? Russische Pelmeni.
Eine Konkurrenz für herkömmliche Ravioli? Russische Pelmeni.

Wir blicken uns um. Der Laden ist sehr ordentlich und hat noch den Touch von Neuem. Dennoch findet man nur in einer Ecke, ziemlich unscheinbar, ein paar typisch russische Holzschalen, Löffel und Matrjoschkas, die in den klassisch russischen Farben bemalt sind. «Wir möchten ein gutes Angebot ohne Wodka-Balalayka-Bär-Klischees führen.»

Kefir, Malztrunk und Kissel

Und tatsächlich, im Laden findet man zwar sehr wohl eingelegten Hering, Pilze, allerhand Süssigkeiten und sogar typische weissrussische Bettwäsche, doch der Wodka fehlt komplett. Eine Alkohollizenz zu bekommen, wäre kein Problem, erklärt Yampolskaya. «Aber wir wollen keinen Alkohol verkaufen. Uns geht es darum, gutes Essen und alkoholfreie, typisch slawische Getränke wie Kefir, spezielle Limonaden, Malztrunk und Kissel an die Leute zu bringen.»

«Während diesem Jahr haben wir herausgefunden, dass vielen Leuten hier gutes Essen aus ihrer Kindheit fehlt. Wir Slawen sind diesbezüglich sehr nostalgisch.»

Alla Yampolskaya, Geschäftsführerin von Pelmen

Seit 2010 wohnt Yampolskaya mit ihrem Mann und mittlerweile zwei Kindern in der Schweiz. Zuerst in Luzern, später in Zug. «Wir waren überrascht, zu sehen, wie viele Menschen aus Russland, der Ukraine, Weissrussland, Kasachstan und den ehemaligen Ostblockstaaten im Kanton Zug leben.» So hat das Ehepaar angefangen nachzuforschen. «Während diesem Jahr haben wir herausgefunden, dass vielen Leuten hier gutes Essen aus ihrer Kindheit fehlt. Wir Slawen sind diesbezüglich sehr nostalgisch.»

Süssigkeiten findet man hier zur Genüge.
Süssigkeiten findet man hier zur Genüge.

Der Quark, der Kinderaugen zum Glänzen bringt

Ein Beispiel dafür? Die Russin führt uns gleich vors Kühlregal und zeigt auf eine eingepackte weisse Masse, die wie Hüttenkäse aussieht. «Das hier ist Tworog, eine Art russischer Quark. Damit backen wir typisch russische Pfannkuchen, die wir den Kindern zum Frühstück servieren.»

Tworog: Eine Art russischer Quark, der mitunter in Pfannkuchen verwendet wird.
Tworog: Eine Art russischer Quark, der mitunter in Pfannkuchen verwendet wird. (Bild: wia)

Ein Jahr hat das Ehepaar dafür gebraucht, ein Konzept zu erarbeiten, wobei man sich auch an russischen Läden in Deutschland orientiert habe. «Schnell haben wir gemerkt, dass ein Onlineshop keine gute Lösung ist, und darum beschlossen, ein hochwertiges Geschäft zu schaffen.»

«Pelmeni könnten direkt eine Konkurrenz darstellen für die italienischen Ravioli.»

Alla Yampolskaya, Geschäftsführerin von Pelmen

Ein Laden ausschliesslich für Heimweh-Slawen also? «Nein. Gar nicht. Wir haben zwar erst seit eineinhalb Wochen offen, doch gibt es bereits der eine oder andere Schweizer, der bei uns Lebensmittel gefunden hat, die er mag», erklärt Yampolskaya lächelnd. Gerade die Pelmeni seien sehr beliebt, ergänzt sie. «Die könnten direkt eine Konkurrenz darstellen für die italienischen Ravioli.»

Dass die Ladenbetreiber nicht mit Klischees spielen mögen, sieht man auch ihrer Werbung an.
Dass die Ladenbetreiber nicht mit Klischees spielen mögen, sieht man auch ihrer Werbung an. (Bild: zVg)

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