Paul Langenegger und seine vierjährige Enkelin Romy zeigen stolz die Riesenzucchetti aus dem eigenen Garten, die im Kühlschrank im Gemüsefach liegt. (Bild: woz)
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Paul Langenegger und seine vierjährige Enkelin Romy zeigen stolz die Riesenzucchetti aus dem eigenen Garten, die im Kühlschrank im Gemüsefach liegt. (Bild: woz)

Mein Kühlschrank: «Nur das Baarer Bier fehlt hier»

5min Lesezeit

Er ist nicht nur ein Ur-Baarer. Sondern auch ein Ur-Inwiler. Wenn Paul Langenegger von seinem Balkon in die freie Landschaft blickt, kann er den elterlichen Hof und sein früheres Haus sehen. Jetzt geniesst der 65-jährige Bauchef mit Frau Doris die moderne Attikawohnung in der Huebweid. Ihr gemeinsamer Kühlschrank birgt viel Bodenständiges.

Wolfgang Holz

Paul Langenegger ist ein stolzer «Opi». Enkelin Romy klettert ihm auf den Schoss und lächelt ihn mit ihrer Zahnlücke an. Vier Jahre ist sie alt. Sie ist eine von sechs Grosskindern in der Familie des Baarer Bauchefs. Als der 65-jährige seinen Kühlschrank in der nigelnagelneuen Wohnküche öffnet und er auf die grosse Zucchetti aus dem eigenen Garten zeigt, ist Romy sofort zur Stelle, um ihrem Grosspapi beim Tragen zu helfen.

Die Kühlschrank-Reihe von zentralplus

Du bist, was du isst: In diesem Sinne steckt zentralplus seine neugierige Nase in die Kühlschränke von Zuger und Luzerner Persönlichkeiten. In einer losen Reihe fragen wir nach kulinarischen Vorlieben und Abgründen. Dabei ist Authentizität Ehrensache: Vor unserem Besuch ist Aufräumen tabu.

Auch sonst wirkt der Inhalt des Langeneggerschen Kühlschranks ganz bodenständig. Man könnte allerdings fast auf die Idee kommen, jemand sei gerade auf Diät. Denn so richtig üppig scheint er nicht gefüllt. Es scheint fast so, als ob hier nur die Zutaten zu Grösserem versammelt wären.

Süsser Senf

In den grossen Fächern tummeln sich Konfitüren, Knoblauch- und Kräuterbutter. Kaffeerahm. Käse. Joghurt und Joghurtdrinks. «Hier ist Anken», sagt Langenegger und zeigt auf die Butter. O.K. Es gibt auch Früchte, Eier vom Bauer, Milch und Gurken. Schinken, Cervelat, Schwarzwaldspeck. Salat, Bohnen, Rübli, Zitronen. Fondue. Sogar süssen Senf für ein zünftige bayerische Brotzeit à la Oktoberfest wäre vorhanden. Doch wo bloss ist die ganze Hardware? Aus diesem wird ja der gestandene Baarer Bauchef, der noch 15 Monate Amtszeit vor sich hat, nicht wirklich satt.

Auch süssen Senf hat Paul Langenegger in seinem Kühlschrank.
Auch süssen Senf hat Paul Langenegger in seinem Kühlschrank. (Bild: woz)

Ehefrau Doris (62), die einkauft und den Kühlschrank akkurat bestückt hat, klärt auf. «Ich habe natürlich noch vieles in der Tiefkühltruhe. Fleisch, zum Beispiel. Denn Ehegatte Paul liebt einen saftigen Braten. Oder ein gutes Steak. Auch weiteres Gemüse sei dort gelagert. «Sie ist die Chefin des Kühlschranks», attestiert er seiner Frau liebevoll. Dass sie offensichtlich auch sehr gut kochen kann, sieht man sofort an seinem zufriedenen Blick.

Auch Lebensmittel vom familieneigenen Hofladen dabei

Einige der Lebensmittel kaufen die Langeneggers auch im Hofladen ein, den sein Bruder einige Steinwürfe entfernt auf dem elterlichen Bauernhof betreibt. «Dort gibt es Gemüse, Konfitüre, Schnaps und Obst», beschreibt der Baarer das Angebot. «Früher, als die Kinder noch klein waren, haben wir dort auch unsere Milch geholt», erzählt Doris Langenegger. Doch jetzt, für einen Zwei-Personen-Haushalt, lohne sich das nicht mehr.

«Ich bin noch ein echter Inwiler.»

Paul Langenegger, Baarer Gemeinderat

An der Wand in der Wohnküche hängt ein grosses Foto von den Kindern der Langeneggers: Karin, Andrea und Guido lächeln einem sympathisch entgegen. Sie sind längst erwachsen und haben eigene Familien.

An der Grenze zu Zug wohnt Paul Langenegger seit zwei Jahren. Sein altes Inwiler Zuhause kann er vom Balkon aus sehen.
An der Grenze zu Zug wohnt Paul Langenegger seit zwei Jahren. Sein altes Inwiler Zuhause kann er vom Balkon aus sehen. (Bild: woz)

«Ich bin noch ein echter Inwiler», sagt Paul Langenegger stolz und denkt an seine eigene Kindheit zurück. Er sei in Inwil geboren, habe dort seine Jugend verbracht, und sei noch immer in den Vereinen. «Die echten Inwiler zählen vielleicht noch so 20 Personen», sagt der Baarer Bauchef. Irgendwie eine aussterbende Gattung angesichts einer Bevölkerung von rund 3500 Personen, die im «Schlafdorf», wie Langenegger selbst einräumt, inzwischen dort wohnen.

Der extra Kühlschrank auf der Terrasse

Wenn ihn seine Gemeinderatskollegen ärgerten, würde er ihnen immer im Scherz androhen: «Wartet nur, bis Inwil eine eigene Gemeinde wird, dann werden Baar die guten Steuerzahler fehlen.» Sagts und schmunzelt süffisant. Kein Wunder. 200 Meter Luftlinie von seiner Wohnung entfernt hat der Rohstoffkonzern Glencore seinen Sitz. Ein Inwiler Unternehmen, streng genommen.

Doch zurück zum Kühlschrank. Im untersten Seitenfach stehen auch noch eine Flasche Sekt und eine Weisswein. Auch das wirkt irgendwie karg. «Was hier natürlich im Kühlschrank fehlt, ist das Baarer Bier», sagt Paul Langenegger. Dies und einiges andere habe er in einem extra Kühlschrank auf der Terrasse gelagert.

Während es also in anderen ehelichen Gemeinschaften getrennte Schlafzimmer gibt, legen die Langeneggers Wert auf getrennte Kühlschränke. Cool.

Paul Langenegger und seine Enkelin Romy.
Paul Langenegger und seine Enkelin Romy. (Bild: zvg)

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