Pulsierender Begegnungsort: Das Blue Balls Festival ist eines der Sommer-Highlights im und vor dem KKL Luzern. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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Pulsierender Begegnungsort: Das Blue Balls Festival ist eines der Sommer-Highlights im und vor dem KKL Luzern. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Neun Tage, acht Nächte: unser Guide fürs Blue Balls

13min Lesezeit

Ab Freitag findet in Luzern wieder das Blue Balls statt. Das Gelände rund ums Luzerner Seebecken ist zwar überschaubar, doch bei über hundert Events in neun Tagen verliert auch der routinierte Festivalgänger schnell den Überblick. Wir haben die Höhepunkte des diesjährigen Festivals zusammengetragen.

Die Erfolgsformel aus Newcomern und Weltstars in einmaligem Ambiente am Vierwaldstättersee lockt jedes Jahr unzählige Besucher ins Herz der Schweiz. Ob für die jungen Wilden oder die, die’s lieber gemächlich mögen – das Festival am See bietet für jeden etwas. Bereit? Bereit!

Tag 1: Freitag, 21. Juli

Die gute Nachricht: Das freitagabendliche Einkaufsritual am Luzerner Bahnhof kann getrost ausgelassen werden, denn gegessen wird während der nächsten drei Tage auf dem Festivalgelände. Die obligate Festivalkost bestehend aus warmem Bier und Kartoffelchips – für die Elektrolyte – gibt’s beim Blue Balls nicht. Food- und Drinkstände rund ums Seebecken bieten Leckerbissen aus Griechenland, Sri Lanka und Narnia (naja, fast) und sorgen für zufriedene Kehlen und Mägen. Und da der eine oder andere Stand ein Wiederholungstäter sein dürfte: Hier gibt's unseren Food-Test vom letzten Jahr.

Xavier Naidoo eröffnet das neuntägige Festival um 20.00 Uhr im Konzertsaal des KKL (zentralplus berichtete). Wer den deutschen Soul- und R’n’B-Sänger in einem intimen Rahmen erleben möchte, hat nun die Gelegenheit: Allein mit Flügel präsentiert er die Songs seines neuen Albums «Nicht von dieser Welt 2».

Lust auf mehr? Der Londoner Samm Henshaw – das Gesicht des diesjährigen Blue-Balls-Posters (zentralplus berichtete) – hat eine Stimme wie dickflüssigen Honig und einen Beat, der sich in jeder Spotify-Playlist gut macht. Sein erstes Konzert in der Schweiz verspricht dank Henshaws stimmiger Fusion aus Motown und R’n’B mit Gospel-Einflüssen ein voller Erfolg zu werden. Begleitet wird er auf der Bühne von Jake Bugg, der das Publikum mit Retro-Folk und einer gehörigen Portion Country und Rockabilly entzückt.

Auf der Plaza-Bühne vor dem KKL Luzern findet täglich ein Konzert statt; heute ist's das der Australier Jamie MacDowell & Tom Thum. Im Pavillon gibt’s Musik vom französischen Folk-Rock Duo Catfish und von der Londoner Indie Psych Band Mono Club. Bei der Seebar vom KKL finden täglich «Young Talents»-Konzerte statt, hier erhalten Schweizer Jazz-Studenten eine Plattform. Am ersten Festivaltag gibt’s Avender – Despina Corazza und Jonas Künzli – zu hören. Auf der Schweizerhof-Plaza-Bühne finden täglich kleine Open-Air-Konzerte statt und auf der Club-Bühne vom Schweizerhof gibt’s Late-Night-Konzerte für alle, die das Tanzbein am liebsten im nächtlichen Luzern vor Sonnenaufgang schwingen.

Tag 2: Samstag, 22. Juli

Im Konzertsaal des KKL singt der Schwede José González seine bezaubernden Lieder, und im Luzerner Saal gibt’s Macy Gray zu hören. Ihr Markenzeichen, die rauchige Stimme, verhalf Gray in den 90ern zum Durchbruch. Auch gut 25 Jahre später zieht sie Zuhörer mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Funk, Pop, Hip Hop und Soul in ihren Bann. Jamie Lidell gilt als einer der besten Live-Performer der britischen Elektro-Funk-Szene und teilt sich die Bühne am Blue Balls mit Macy Gray.

Im Pavillon treten die Jungs von Dobré auf, gefolgt von der britischen Singer-Songwriterin Jo Harman und auf der Bühne des KKL Plaza gibt’s James Levaux & Co zu sehen.

Zusätzlich flimmert im KKL Auditorium täglich jeweils um 22.00 Uhr «Olé Olé Olé! A Trip Across Latin-America» über die Leinwald. Die Dokumentation handelt von der letztjährige Lateinamerika-Tour der Rolling Stones. Zutritt mit tagesgültigem Konzertticket oder Pin.

Tag 3: Sonntag, 23. Juli

Künstler, die beim Blue Balls mitwirken, werden in die täglich stattfindende Talkshow «Meet the Artists» eingeladen; dort fühlt ihnen Moderator Hannes Hug auf den Zahn. Wichtig: Tickets für die Talkshow werden nicht gekauft, sondern ab 16.00 Uhr vor dem Haupteingang an Interessierte verteilt. Viel Glück!

Das gibt’s nicht alle Tage: Die Blues-Legenden Taj Mahal und Keb’ Mo’ kehren zum Blue Balls zurück und präsentieren im Konzertsaal des KKL live ihr gemeinsames Album. Blues, Soul und Folk bis auf die Knochen. 

John Newman ist spätestens seit Hits wie «Feel The Love» und «Love Me Again» in aller Munde, am Blue Balls präsentiert der junge Soul-Artist dieses Jahr sein bald erscheinendes drittes Album. Eröffnet wird der Auftritt von L.A. Salami, der heute zum ersten Mal in der Schweiz auftritt. Lookman Adekunle Salami, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heisst, erzählt seine Geschichten so gekonnt, dass man ihm auch ohne Mikrofon und Gitarrenbegleitung stundenlang zuhören könnte.

Wer vor oder nach dem Konzert Lust auf einen Drink in gemütlicher Atmosphäre und mit Ausblick auf den Vierwaldstättersee hat, begibt sich auf die Dachterrasse des KKL. Dort befindet sich auch die Video-Lounge, wo Carla Chan ihre Videokunst präsentiert.

Tag 4: Montag, 24. Juli

Auroras Lieder hören sich an wie mystische Miniaturmärchen. Ab 20.00 Uhr steht sie heute auf der Bühne im KKL. Nebenan im Luzerner Saal sorgt Jeremy Loops für Stimmung: Sein mitreissender Mix aus Folk, Pop, Rap und Reggae bietet Konzert und Kurzurlaub in einem. Dafür verschieben wir auch gerne die zweite Episode der Westeros-Chroniken; dass er den Game-of-Thrones-Slot am Montagabend hat, dafür kann er schliesslich nichts. Er teilt sich die Bühne mit der englisch-baskischen Band Crystal Fighters, die für ihre energetischen Live-Auftritte bekannt ist.

Im KKL Plaza kriegt man um 18.00 Uhr den Luzerner Simon Borer zu hören. Long Tall Jefferson nennt sich sein Soloprojekt und verspricht sehnsüchtige Folk-Melodien und Gitarrenmusik zum Verweilen.

Die Mädels der Londoner Band Paradisia singen langsame, gefühlvolle Lieder auf der Pavillon-Bühne und für alle, die entweder flexible Arbeitszeiten oder nur wenig Bedarf an Schlaf haben, sorgen Belly Hole Freak und CC Smugglers im Schweizerhof für gute Stimmung bis in die Morgenstunden.

Tag 5: Dienstag, 25. Juli

Der Libertines- und Babyshambles-Frontmann Peter Doherty war bereits vor vier Jahren zu Gast am Blue Balls und kehrt nun mit seinem neuen Soloalbum «Hamburg Destinations» und seiner neuen Band The Puta Madres auf die KKL-Bühne zurück.

Die Iren Walking on Cars machen melancholischen Pop mit eingängigen Melodien und teilen sich die Bühne im Luzerner Saal mit The Strumbellas aus Toronto. Die sechs Kanadier mögen keine Schubladen und bedienen sich verschiedenster Genres und Kombinationen von Folk Pop über Rock Grass bis zu Gothic Folk. 

Im Pavillon gibt’s um 18.00 Uhr Rap der Luzerner Crew GeilerAsDu zu hören (zentralplus berichtete) und ein wenig später dann vom Bieler Rapper Nemo. Ein bisschen Abwechslung gefällig? Auf der Luzerner Terrasse des KKL stellt die Starfotografin Laetitia Negre eine Auswahl ihrer Werke aus.

Tag 6: Mittwoch, 26. Juli

David Gray muss man sich eigentlich bei Kerzenlicht und Unmengen Rotwein im eigenen Wohnzimmer anhören, ausser er spielt um die Ecke im KKL.

Mahalia dürfte inzwischen fast jedem ein Begriff sein; die junge Britin teilte sich bereits mit Grössen wie Emeli Sandé und Ed Sheeran die Bühne. Heute eröffnet sie um 20:30 Uhr den Abend für Morcheeba, die wohl weltweit bekannteste Trip-Hop-Band.

Vor dem KKL und auf der Pavillon-Bühne bemalen nationale und internationale Künstler Leinwände. An den neun Festivaltagen entstehen so 18 Werke von Künstlern wie Simon Mhanna, Diego Maia, Kidpirate und weiteren. Die Kreationen können am Blue Balls erworben werden.

Tag 7: Donnerstag, 27. Juli

Wer kennt Patti Smith nicht? Das Handy im Getümmel bitte nicht verlieren, denn: Ihre Show verspricht Instagram-Stories-würdige Momente en masse und das Mami, das in den 70ern aufwuchs, freut sich bestimmt über (wackliges, aber immerhin vorhandenes) Videomaterial.

Übrigens: Wer noch kein Ticket für den Auftritt der Ikone hat, kann hier mit ein bisschen Glück einen Eintritt gewinnen und sogar noch den musikbegeisterten Papi, die beste Freundin oder den Sohn, der in der hohen Schule des Rock’n’Roll ausgebildet werden soll, mitnehmen. So geht’s: Registrieren, wahlweise ein kurzes Gebet an die Rock- oder zentralplus-Götter aussprechen und absenden.

Im Luzerner Saal eröffnet Fantastic Negrito den Abend für Cody ChesnuTT. Auch wenn die Zentralschweiz nicht Kalifornien ist und das Blue Balls nicht Coachella: ChesnuTT macht grossformatige Musik für die grossen Bühnen dieser Welt. Nicht verpassen!

Tag 8: Freitag, 28. Juli

Die Uhr schlägt fünf, die Pendenzen sind erledigt und die letzte E-Mail hat den Postausgang verlassen – in anderen Worten: nichts wie raus aus dem Büro und ab ans Blue Balls.

Den Konzertabend eröffnet im KKL Gregor Meyle, der sein fünftes Studioalbum «Leichtigkeit des Seins» präsentiert. Sein weicher Gitarrenrock mit den poetischen Texten spricht eigentlich für sich, aber wer seinen Alben solche Namen gibt, der hat sein Vollblutmusiker-Herz sowieso am rechten Fleck. Im Luzerner Saal treten die englischen Wild Beasts auf die Bühne und bieten Indie Rock vom Feinsten. Eher ungewöhnlich ist dabei der Falsettgesang des Sängers Hayden Thorpe. Die Londoner White Lies machen eine Mischung aus Post-Punk, Pop und Darkwave, ihre neuen Songs sind jedoch ausgelassen und tanzbar.

Im Pavillon stellt der Kalifornier und Wahl-Berliner William McCarthy seine Qualitäten als Live-Performer unter Beweis und auf der Bühne des KKL Plaza spielen Me + Marie «lasziven Indie-Folk für melancholische Querdenker», wie sie selbst sagen.

Tag 9: Samstag, 29. Juli

Mal ehrlich: Die über Fünfundzwanzigjährigen unter uns werden spätestens heute langsam müde. Ein Tässchen Verveine-Tee, eine selbst gemachte Mahlzeit und der gesamte Inhalt der Netflix-Queue klingen da sehr verlockend; gemein ist nur, dass heute einer der coolsten Typen der momentanen Musiklandschaft im KKL performt. Benjamin Clementines Sound lässt sich nicht so recht einordnen – die einen vergleichen ihn mit Nina Simone, andere finden, er sei der Pavarotti unserer Generation. Sicher ist: Den jungen Briten mit den hohen Wangenknochen sollte man wirklich, wirklich nicht verpassen.

Die Londonerin Laurel ist gemäss Vogue die neue Vertreterin des British Alt-Pop. Ihr verträumt-melancholischer Sound passt wunderbar zu den Melodien der deutsch-schweizerischen Band BOY. Nach einer Pause von der Musik macht das Duo eine Ausnahme fürs Blue Balls und betritt am letzten Festivalabend die Bühne im Luzerner Saal mit Laurel und ein paar weiteren Freunden.

So schnell ging’s und bereits ist das Blue Balls wieder vorüber. Zeit für einen letzten Drink mit flackernden Festivallichtern im Hintergrund. Bis zum nächsten Mal.

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