Kocht nicht nur für den Magen, sondern auch fürs Gemüt: Der Trubikon-Koch Stefan Seeliger (Bild: Laura Livers)
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Kocht nicht nur für den Magen, sondern auch fürs Gemüt: Der Trubikon-Koch Stefan Seeliger (Bild: Laura Livers)

Eine Badi als kulinarischer Geheimtipp

6min Lesezeit

Unauffällig kommt sie daher, die Badi Trubikon. Und obwohl etwas abseits vom ganzen Trubel, nehmen Bade- und Restaurantgäste den Weg ans Ende von Oberwil gerne auf sich. Denn hier ist man darauf bedacht, fürs Gemüt zu kochen. Auch wenn das für die neuen Pächter mehr Aufwand bedeutet.

Laura Livers

Folgt man der Hauptstrasse Richtung Arth, vorbei am Seeliken und dem Tellenörtli in Oberwil, findet man bei der Bushaltestelle Räbmatt, gut versteckt hinter einer Mauer, das Trubikon. Der einzige Hinweis, dass sich hinter der Holztüre eine Badi befindet, ist ein kleines Schild, welches verrät, dass der Kiosk geöffnet ist, und die unzähligen Fahrräder, die sich der Mauer entlang stapeln. Letzten Sommer noch als der ultimative Geheimtipp gehandelt, ist die Badi zwei Wochen nach Saisoneröffnung bereits gut frequentiert – nicht zuletzt dank dem neuen Pächter-Team.

Idealerweise kommt man mit dem Velo

Das Seebad Trubikon ist täglich geöffnet. Bei schönem Wetter ist der Kiosk Mittwoch bis Freitag ab 12.00 Uhr, am Wochenende ab 11.00 Uhr bis jeweils 23.00 Uhr geöffnet. Um Anfahrt mit Fahrrad oder ÖV (Bus Nr. 5 bis Räbmatt) wird gebeten, denn die Parkplatzzahl ist beschränkt.

Aus dem Stammgast wurde eine Pächterin

Fiona Hausherr und Monica Vanoli führen das Trubikon bereits seit letztem Jahr. «Mit ‹Pasta Monica› haben wir das Trubikon bereits früher schon beliefert und waren Mitglieder des Vereins Seebad Trubikon», erzählt Hausherr während eines kurzen Gesprächs auf der Terrasse. «Als die damaligen Pächter beschlossen, das Trubikon aus Zeitgründen nicht mehr weiterzuführen, haben wir nicht lange gezögert und die Pacht übernommen.» Hausherr, die eigentlich Kommunikation und Gesellschaftswissenschaften studiert, arbeitet seit Längerem bei Pasta Monica, der Teigwarenfirma von Monica Vanoli.

«Zudem war ich bereits seit Längerem Stammgast im Trubikon und hatte drum ein persönliches Interesse, dass uns das Trubikon erhalten bleibt», lacht sie und verschwindet wieder hinter dem Tresen, denn es ist heiss und die Badegäste brauchen dringend Glace-Nachschub. Es ist voll an diesem Sonntag. Badetuch an Badetuch gereiht braten die Zuger in der glühenden Nachmittagssonne. Im Vergleich zu den meisten Zuger Badis läuft hier aber keine Musik aus mitgebrachten Bluetooth-Boxen, überhaupt ist es eher ruhig im Trubikon. Nicht mal die Strasse ist zu hören.

«Es ist mir wichtig, dass unser Essen nicht nur gut für den Magen, sondern auch gut fürs Gemüt ist.»

Stefan Seeliger, Koch der Badi Trubikon

Wenige haben sich ins kalte Wasser gewagt, die meisten davon sind Kinder unter den wachsamen Augen ihrer Eltern. Einen Bademeister gibt es im Trubikon nicht, ebenso wenig eine separate Nichtschwimmerzone. Gleich bei der Terrasse ist das Ufer eher flach und ein paar Kleinkinder bauen abstrakte Figuren mit dem rumliegenden Steinen, während die grösseren sich auf dem Floss versammeln.

Das Trubikon bekommt sogar eine Extrawurst

Bekannt ist das Trubikon aber vor allem für seine Küche. Im letzten Jahr noch von Monica Vanoli alleine geführt, stiess für diesen Sommer Stefan Seeliger dazu: «Unsere Zutaten kommen zu einem Grossteil vom nahe gelegenen Biohof, die Pasta wird jeweils am Dienstag von uns handgemacht und das Fleisch kommt vom Ueli-Hof in Luzern.» Der gelernte Koch kennt Vanoli noch aus ihrer gemeinsamen Zeit im Rathauskeller. Er hat sich voll und ganz dem nachhaltigen Essen verschrieben. «Es ist mir wichtig, dass unser Essen nicht nur gut für den Magen, sondern auch gut fürs Gemüt ist. Darum wird es hier jeden Tag frisch zubereitet.» Dafür scheuen die Trubiker keinen Aufwand.

«Das Trubikon ist mehr als nur eine Badi mit Kiosk.»

Stefan Seeliger

«Die Salami auf dem Apéro-Plättli zum Beispiel ist eine Spezialanfertigung für uns. Wir kaufen das Fleisch direkt beim Schlachthof und lassen es dann zur Wurst verarbeiten. So wissen wir ganz genau, was drin ist und woher es kommt», erzählt Seeliger. «Das Trubikon ist mehr als nur eine Badi mit Kiosk. Mit unserer Arbeit hier kreieren wir eine Atmosphäre, die Leute anzieht, die unseren Aufwand zu schätzen wissen.»

Noch ein Geheimtipp: Die Terrasse des Kiosk im Trubikon.
Noch ein Geheimtipp: Die Terrasse des Kiosks im Trubikon.

Jeden Tag kommen neue Gäste

Gelohnt hat sich der Aufwand auf jeden Fall. «Jeden Tag kommen neue Leute ins Trubikon und entdecken diesen Ort. Sie wissen es zu schätzen, dass wir nicht einfach eine 0815-Badi mit Pommes frites und Cervelat sind», lacht Seeliger. «So was kommt bei mir nicht auf den Tisch.» Neu seit dieser Saison ist auch das Mittagsmenü. «Wir haben jeden Tag 10 bis 15 Gäste, die zum Mittagessen vorbeikommen. Ohne dass wir gross Werbung dafür gemacht hätten», schwärmt Seeliger.

«Wer alles Bio-zertifiziert haben will, braucht halt ein wenig Geduld.»

Stefan Seeliger

«Wir wurden auch schon oft gefragt, ob wir einen Sonntagsbrunch anbieten. Aber das müssen wir uns noch überlegen – da müssen wir zuerst einen Bäcker finden, der uns was Gutes anbietet. Wer alles Bio-zertifiziert haben will, braucht halt ein wenig Geduld.»

Hausgemacht wird hier grossgeschrieben

Auch ohne Brunch lohnt sich das Essen im Trubikon allemal. Am Sonntag stand ein Wassermelonen-Feta-Salat auf der Speisekarte, zusätzlich zum regulären Angebot von Alpen-Chili-Grillwürsten, Kartoffelsalat mit frischen Tomaten sowie Zitronen-Ravioli und Kuchen. Letztere drei natürlich selbst gemacht. Ein Vegi-Menü gibt’s für 12 Franken, mit Fleisch bezahlt man 14–16 Franken, das Getränkesortiment ist klein aber fein mit Schweizer Limonaden und lokalem Wein. Dafür, dass praktisch alles regional und bio ist, sind die Preise vergleichsweise moderat.

Wie ist es möglich, das Essen zu solchen Preisen anzubieten? «Wir kochen saisonal, verwerten alle Zutaten und bleiben erfinderisch und effizient bei der Planung der Menüs», antwortet Seeliger. «Bisher klappt das eigentlich ganz gut.» Dann muss er wieder in Küche, denn nach der Glace folgt der Heisshunger.

Abschliessend ist zu sagen: Wer an einem sonnigen Tag an einem ruhigen Ort einen Schwumm geniessen möchte, gefolgt von feinem Essen und einem Verdauungsspaziergang dem Seeufer entlang, dem sei das Trubikon aufs Wärmste empfohlen.

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