Andrin Renz vor seinem «Foodtruck», in dem er kocht. Die Küchengeräte im Inneren beziehen den Strom von einem Diesel-Generator. (Bild: mbe.)
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Andrin Renz vor seinem «Foodtruck», in dem er kocht. Die Küchengeräte im Inneren beziehen den Strom von einem Diesel-Generator. (Bild: mbe.)

Foodtruck vor seiner letzten Fahrt mit Andrin Renz

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Ein junger Koch aus Zug verpflegt mit seiner Küche auf vier Rädern seit einigen Jahren Hunderte von Berufstätigen. Doch bald hängt er den Kochlöffel an den Nagel. Ist dies das Ende des beliebten «Foodtrucks»?

Die Leute stehen Schlange, wenn der «Foodtruck» in Cham, Baar oder Sihlbrugg aufkreuzt. In seinem umgebauten weissen Renault-Master-Lieferwagen, den er auf Firmenparkplätzen parkiert, kocht Andrin Renz klassische nationale und internationale Gerichte. Die fahrende Restaurantküche ist mittlerweile weit herum bekannt.

Renz bietet jede Woche wechselnde Menüs an. Einmal mexikanische Burritos, an einem anderen Tag Älplermagronen mit Apfelmus oder auch oft ein japanisches Chicken-Katsu. Als Alternative gibt’s immer den Caesar’s Salad. «Mit Pouletfleisch, lauwarm angerichtet», so der Koch. Eine warme Mahlzeit verkauft er für 15 Franken.

Kundenbindung mit Push-Nachrichten

Das Marketing hat er im Griff: Mit Push-Nachrichten kündigt der 27-Jährige jeweils an, wenn es die beliebten Burger gibt. Wenn’s Burger gibt, habe er bis zu 400 Bestellungen pro Woche und alle Hände voll zu tun, sagt er. Für die Kundenbindung publiziert er ausserdem auf seiner Webseite regelmässig «News aus dem Foodtruck» – und fragt seine Kunden, was sie sich wünschen.

Seine Gäste sind zumeist Angestellte aus den Firmen im jeweiligen Industriegebiet. An der Hinterbergstrasse im Chamer Industriegebiet befindet sich einer der Standplätze des Foodtrucks.

«Weil das Essen frisch zubereitet ist, bin ich auch bereit, mehr zu zahlen als für einen Snack.»
Tatjana Bachmann, Kundin des «Foodtrucks»

Kunden des Foodtrucks im Chamer Industriegebieet Sennweid an der Hinterbergstrasse.
Kunden des «Foodtrucks» im Chamer Industriegebiet Sennweid an der Hinterbergstrasse warten aufs Menü. (Bild: mbe.)

Frisches Menü statt Fastfood

Tatjana Bachmann arbeitet in einem Büro der Umgebung. «Ich schätze das Angebot einer warmen Mahlzeit, die man schnell holen und essen kann», sagt sie. «Weil das Essen frisch zubereitet ist, bin ich auch bereit, mehr zu zahlen als für einen Snack.»

Andrin Renz ist aber nicht einfach einer, der Hamburger brät. Er hat auch den Esprit eines Jungunternehmers, das spürt man rasch im Gespräch. Vor rund fünf Jahren hat er mit 22 sein erstes eigenes Unternehmen gegründet, namens «Secret Switzerland». «Ursprünglich wolle ich die Geheimnisse der Schweizer Küche wieder zurück zu den Leuten bringen, daher der spezielle Name.»

 

«Dank der mobilen Küche können wir die Teller in zirka 15 Minuten wunderschön ausgarniert wieder überreichen.»
Andrin Renz über seine Geschäftsidee

Lieferservice-Markt revolutionieren

«Meine Idee ist es, den Lieferservice-Markt beim Essen zu revolutionieren», sagt Andrin Renz, «hier sehe ich eine riesige Marktlücke, vor allem im mittleren und hohen Preissegment.» Sein Traum ist ein Lieferservice, der morgens und mittags Mahlzeiten über die Gasse anbietet und abends zu den Leuten nach Hause fährt – und direkt vor ihrer Haustüre kocht. «Ich bringe das Restaurant heim», sagt er.

Der Koch kommt bis an die Haustür, berät bei der Wahl und nimmt die privaten Teller der Kunden entgegen. «Dank der mobilen Küche können wir die Teller in zirka 15 Minuten wunderschön ausgarniert wieder überreichen.» So könne man ein Essen in Restaurantqualität in den eigenen vier Wänden oder im Garten geniessen.

Gepflegter Service als Plus

Dass er dieses Liefersystem profitabel betreiben kann, davon ist er überzeugt: «Ist das vorbereitete Essen einmal im Truck geladen, müssen wir nicht mehr zurück zur stationären Küche, um Nachschub zu holen, sondern können von einem Kunde direkt zu nächsten.»

«Ein gutes Stück Fleisch oder auch frittierte Pommes sterben nach 15 Minuten Transportzeit im Fahrzeug.»
Andrin Renz

In anderen Worten: Je mehr Trucks in einer Stadt herumfahren, desto kürzer werden die jeweiligen Fahrten zum Kunden. «Diese Skaleneffekte sowie höhere Verkaufspreise für die bessere Qualität sehe ich als Schlüssel zum Erfolg», fügt er an. Klassische Kuriere wendeten derzeit folgende Methode an: «Kochen, abpacken, liefern.»

Cleveres Marketing: Am jeweiligen Wochentag macht ein Schild an der Strasse darauf aufmerksam, dass der Foodtruck da ist.
Cleveres Marketing: Am jeweiligen Wochentag macht ein Schild an der Strasse darauf aufmerksam, dass der Foodtruck da ist. (Bild: mbe.)

Renz hingegen möchte «kochen, anrichten, servieren». «Ich persönlich wäre als Kunde bereit, für diesen Service und die höhere Qualität mehr zu bezahlen. Ein gutes Stück Fleisch oder auch frittierte Pommes sterben nach 15 Minuten Transportzeit im Fahrzeug. Hier könnten wir wirklich einen neuen Service bieten.»

Wenn’s in Zug hinhaut, funktioniert es überall

Die Idee war, diesen Lieferservice im Kanton Zug mit mehreren mobilen Foodtrucks zu betreiben. Der gelernte Koch, der in der Ostschweiz aufgewachsen ist, lebt seit einigen Jahren in Zug und hat hier ein gutes Experimentierfeld für diese Geschäftsidee gefunden. «Zug hat die ideale Grösse, fand ich, Zürich war mir etwas zu gross für den Anfang. Wenn mein Konzept in Zug funktioniert, sollte es eigentlich überall funktionieren.»

Die grösste Lektion, die er gelernt habe, sei, dass gerade für solche Ideen ein gutes Team absolut elementar sei. Man müsse versuchen, sich mit Leuten zu umgeben, welche über eine positive Grundeinstellung verfügen und die bei Problemen proaktiv Lösungen suchen. Auch um den nächsten Geschäftsausbau zu finanzieren, müssten potenzielle Investoren sehen, dass nicht alles von einer Person abhänge.

«Es hat lange gedauert, bis wir das Vertrauen der Kunden gewinnen konnten.»
Andrin Renz

Vertrauen der Kunden gewonnen

Für einige Monate, während der stärksten Wachstumsphase, half Renz ein Kollege aus seiner Koch-Lehrzeit. Mittlerweile macht er den Job aber wieder alleine. Sein Kollege ist unterdessen Geschäftsführer eines Restaurants einer grossen Gastronomiekette.

Auch sonst war das Geschäft ein hartes Pflaster: «Es hat lange gedauert, bis wir das Vertrauen der Kunden gewinnen konnten», erklärt der Foodtruck-Betreiber. Heute hat er seine Stammgäste und verkauft im Schnitt 200 bis 250 Essen pro Woche. «Meine Gäste sind toll und wirklich immer fröhlich», sagt Renz und strahlt, «vom Lehrling bis zu den älteren Leuten kommen viele zu mir.»

Das Geschäft läuft also rund. Dennoch kann er mangels Kapazitäten nur die Hälfte seines Grundkonzepts realisieren, den abendlichen Lieferservice kann er nicht stemmen. Obwohl das Bedürfnis besteht. «Ich habe einige Tests mit Bekannten gemacht, die fanden das alle super. Aber um den Abendservice profitabel zu betrieben, braucht es viel Zeit und nochmals einiges an Investitionskosten. Dieses Kapital besitze ich nicht.»

Keinen Partner gefunden

Der Jungunternehmer suchte ausserdem lange einen Gastronomiebetrieb, der mit ihm zusammenarbeiten wollte. Die angefragten Restaurants und Hotels fanden die Idee alle gut, wollten aber kein Risiko eingehen.

«Inzwischen kann ich ganz gut davon leben, da das Mittagsgeschäft super läuft», sagt Andrin Renz. «Da ich aber noch viele andere Ideen habe und Startups in anderen Branchen gründen möchte, suche ich nun seit einigen Wochen einen Käufer für meinen Foodtruck.»

Er will nächstes Startup gründen

Das Vehikel ist von verschiedenen Küchenbauern umgebaut worden und eine Spezialanfertigung. Ein Diesel-Generator erzeugt den Strom für die Küchengeräte, sodass der Truck keine Stromsteckdose braucht und überall stehen kann. Er habe bereits mehrere Interessenten. Ebenfalls Köche wie er, die sich selbstständig machen wollen. Mit seinem Foodtruck können diese auch die Standplätze übernehmen.

Mit dem Verkaufspreis des Trucks will er das nächste Startup gründen, erklärt Renz. Ihm schwebt eine Firma im Tech-Sektor oder dem Wertschriftenhandel vor.

Sie testete den Abendservice.
Sie testete den Abendservice.

Andrin Renz (links) und sein Kollege Gabriel Eigenmann aus der Koch-Lehrzeit, der ihm in der Anfangszeit bei der Arbeit half.
Andrin Renz (links) und sein Kollege Gabriel Eigenmann aus der Koch-Lehrzeit, der ihm in der Anfangszeit bei der Arbeit half.

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