Die Cordon-Bleu-Produktion im Restaurant Kränzlin an der Bruchstrasse stösst gewissen Nachbarn sauer auf. (Bild: gwa / Bildmontage)
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Die Cordon-Bleu-Produktion im Restaurant Kränzlin an der Bruchstrasse stösst gewissen Nachbarn sauer auf. (Bild: gwa / Bildmontage)

Diese Stille ... Cordon-Bleu-Beizer Kränzlin lenkt ein

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Über ein Jahr plagten die Anwohner des Restaurant Kränzlin im Bruchquartier die Klopfgeräusche aus der Küche – oft bis spätabends. Vom einen auf den anderen Tag herrscht nun urplötzlich Ruhe. Doch damit der Wirt Hand für eine Lösung bot, reichte der alleinige Protest der Nachbarschaft nicht aus.

Einige Anwohner konnten kaum mehr ausspannen am Abend, seit das Restaurant Kränzlin vor mehr als einem Jahr eröffnet wurde – die Spezialität der Beiz: Cordon-Bleus. Das Klopfen des dafür verwendeten Fleisches liess die Wände der Altbauten im und um das Restaurant erzittern – sogar an der benachbarten Dufourstrasse. Persönliche Gespräche, Briefe, mehrere Medienberichte, Drohungen und sogar eine spezielle Cordon-Bleu-Maschine reichten nicht aus (zentralplus berichtete): Es dauerte Monate, bis Kränzlin-Wirt Müslüm Karakoc eine aus der Perspektive der Anwohnerschaft respektable Lösung gegen das penetrante Gehämmer aus seiner Restaurantküche fand.

«Man hat das Gespräch gesucht mit Herrn Karakoc und gefragt, wo genau das Problem liegt.»

Urs Renggli, Chef Gastgewerbe und Gewerbepolizei

Inzwischen hat sich der Wirbel zu Jahresbeginn gelegt. Denn seit einigen Wochen sind die Klopfgeräusche an der Dufourstrasse kaum mehr wahrnehmbar: Grund für die eingekehrte Ruhe sind einfache Vibrationsdämpfer als Unterlage, wie sie etwa bei einer Waschmaschine zum Einsatz kommen: «Den hat mir ein Kollege empfohlen», sagt Karakoc.

Quartierbewohner ärgert sich

Doch das Einlenken kam offenbar nicht ohne Druck der Behörden: «Nach einem Anruf der Gewerbepolizei Anfang März war plötzlich Ruhe», sagt ein Anwohner. Urs Renggli, Chef Gastgewerbe und Gewerbepolizei, bestätigt, dass sich seine Abteilung beim Kränzlin gemeldet hat: «Wir sind aufgrund von Hinweisen aus der Nachbarschaft und den Medienberichten auf den Konflikt aufmerksam geworden.» Dabei habe man nichts verfügt, sondern lediglich Vorabklärungen getätigt: «Man hat das Gespräch gesucht mit Herrn Karakoc und nach möglichen Lösungsansätzen für das Problem gesucht», so Renggli.

Weshalb wird eigentlich Fleisch geklopft?

Der Ursprung der Zankerei an der Bruchstrasse geht auf das Klopfen des Kalbs- oder Schweinefleisches im Restaurant zurück. Doch weshalb wird das überhaupt gemacht? Es gibt zwei Gründe, Fleisch zu klopfen: einerseits, damit es flach und gleichmässig dick wird. Man kann dabei auch von «Fleisch plattieren» sprechen. Andererseits, weil durch das Klopfen die Faserstruktur teilweise zerstört wird, was das Fleisch noch etwas zarter macht.

Dass es so lange dauerte, bis das Kränzlin einlenkte, ärgert einen Quartierbewohner: «Die Anwohner der Dufour- und der Bruchstrasse haben ein Jahr lang gekämpft für eine Lösung – am Ende reichte ein zehnminütiger Telefonanruf der Polizei.»

Wirt möchte Geschichte abschliessen

Karakoc möchte das Thema am liebsten ruhen lassen: «Ich will den Konflikt nicht wieder gross thematisieren, sonst denken die Leute nur, ich würde damit Werbung für mein Restaurant machen.» Der Wirt bestätigt, dass sich die Gewerbepolizei Anfang März gemeldet habe bei ihm – jedoch sei das nicht der Grund dafür, dass er nun Vibrationsdämpfer bei der Klopfunterlage anbrachte: «Es besteht kein Zusammenhang.» Warum die Polizei sich bei ihm meldete, wollte Karakoc nicht verraten.

Wirt Müslüm Karakoc bedient seine Gäste im Restaurant Kränzlin.
Wirt Müslüm Karakoc bedient seine Gäste im Restaurant Kränzlin. (Bild: giw)

Aber weshalb eskalierte der Konflikt überhaupt – hätte der Wirt nicht früher auf die Beschwerden der Nachbarn eingehen können? «Bis auf die eine Frau hat im letzten Jahr niemand protestiert wegen der Klopfgeräusche», rechtfertigt sich Karakoc. Er ist jedoch froh, dass nun Ruhe ist: «Es hat sich niemand mehr gemeldet oder sich beschwert bei mir. Ich bin froh, nun kann ich einfach wieder meine Arbeit machen als Restaurantbetreiber.»

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