Impression vom Festival 2016: Schweizer Spitzenköche «in Action» im Zelt. (Bild: zVg)
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Impression vom Festival 2016: Schweizer Spitzenköche «in Action» im Zelt. (Bild: zVg)

Wo Spitzenköche mit Zugern auf Tuchfühlung gehen

11min Lesezeit

Köche als Stars, begleitet von Filmen zu kulinarischen Themen: Die Kombination aus Essen und Film geht am Zuger Genuss-Film-Festival in die dritte Runde. Mit der «Köchin des Jahres 2015» aus Luzern und einem gemeinsamen Abend von Jacky Donatz und Stefan Meier ist neben nationaler auch die regionale Kochprominenz gut vertreten.

Der Mix von Film und Essen kommt gut an in Zug. Das Festival erfreut sich immer grösserer Beliebtheit: «Wir durften im letzten Jahr 720 zahlende Gäste begrüssen», sagt Matthias Luchsinger, einer der Initianten. Er freut sich auf die dritte Austragung vom 4. bis 11. Mai.

Zur Erklärung: Am Genuss-Film-Festival sind die Köche die Stars. Es werden lauter Filme zu kulinarischen Themen gezeigt. An buchbaren Diners werden die Filmzuschauer anschliessend von Spitzenköchen live bekocht. Man kann also am Festival einen Film besuchen, nur dinieren – oder beides kombinieren.

Die regionale Kochprominenz 2017

Dieses Jahr kocht an regionaler Prominenz Stefan Meier («Rathauskeller», Zug), 15-Punkte-Koch Daniel Kühne («Hirschen», Oberägeri), die Luzernerin und 16-Punkte-Köchin Bernadette Lisibach («Neue Blumenau», Lömmenschwil SG) sowie Beat Stofer, ebenfalls 16 Punkte im «Gault-Millau» (Landgasthof Balm, Meggen).

Was ist die Motivation der Besucher? Norina Schmuki (24) aus Walchwil gefällt die kulinarische Seite des Festivals. «Ich gehe gerne mit Kollegen gut essen», sagt sie zentralplus. Sie sei bereit, für ein gutes Essen einen gehörigen Batzen Geld – manchmal 200 bis 250 Franken – auszugeben und leiste sich das. 2016 hat sie das Festival kennengelernt. «Ich fand es extrem cool», sagt die Controllerin, «das gibt es sonst nicht in Zug, dass man verschiedene Köche aus der ganzen Schweiz testen kann.» Sie ist neu dem Gönnerverein beigetreten, den Jahresbeitrag von stolzen 1400 Franken teilt sie sich mit ihrer Begleitperson.

«Ich gebe gerne einen Batzen Geld aus für ein gutes Essen»: Die 24-jährige Norina Schmuki ist neu dem Gönnerverein beigetreten. Sie wird mit ihrem Bekannten Marco Zimmermann einige Anlässe besuchen.
«Ich gebe gerne einen Batzen Geld aus für ein gutes Essen»: Die 24-jährige Norina Schmuki ist neu dem Gönnerverein beigetreten. Sie wird mit ihrem Bekannten Marco Zimmermann einige Anlässe besuchen.

Ein anderer Festivalbesucher stieg über den Film ein. «Ich bin ein absoluter Cineast», sagt Fredy Rickenbacher (71), «jede Woche gehe ich zwei bis bis drei Mal ins Kino.» An der ersten Austragung des Genuss-Filmfestivals habe er sich jedoch nur den Film «Burnt» angeschaut, bei dem es um einen Koch ging, der «verheizt» wird.

Mit Spitzenköchen ins Gespräch kommen

Beim zweiten Mal genoss er ein Dîner der Spitzenköchin Tanja Grandits («Stucki’s», Basel). «Ich war auch schon bei ihr essen. Aber im Restaurant konnte man sich nicht so gut mit ihr unterhalten wie am Festival», sagt Rickenbacher. Am Festival gibt es jeweils nach dem Essen eine Talkrunde mit den Köchen. Dieses Jahr kann sich Rickenbacher exklusiv den Film «Der Koch» anschauen, denn seine Frau hat ihm eine Vereinsmitgliedschaft geschenkt.

Wer jetzt neugierig geworden ist: Am 4. Mai beginnt das dritte Genuss-Filmfestival (Programm siehe Kasten unten). Im Kino Seehof werden Spiel- oder Dokumentarfilme rund ums Thema Genuss dargeboten. Anschliessend kann man im Genuss-Zelt an der Seepromenade einen Mehrgänger renommierter Küchenchefs geniessen.

Fredy Rickenbacher ist ein grosser Kinofan und zugleich ein Geniesser.
Fredy Rickenbacher ist ein grosser Kinofan und zugleich ein Geniesser. (Bild: mbe.)

Mehr Platz im Zelt

Auch in diesem Jahr wird im weissen Zelt unterhalb der Rössli-Wiese diniert. Neu gibt es mehr Plätze im Zelt. Die Lounge wurde aufgehoben, was das Platzangebot von 120 auf 144 Plätze ansteigen lässt und mehr Luft schafft. «Auch die Geräuschkulisse wird dadurch hoffentlich angenehmer sein», sagt Matthias Luchsinger.

Neu sind auch die Rahmenveranstaltungen «Villiger Fiesta del Sabor» am Samstagabend für Zigarren- und Whisky-Liebhaber und der «Wine & Crime»-Event am Sonntag.

Das Festival wird dieses Jahr zudem um eine fotografische Dimension erweitert: Der Produzent der «photo17», der Zuger Michel Pernet, hat fürs Genuss-Filmfestival mit Zuger Fotografen eine thematisch passende Fotoausstellung auf die Beine gestellt. Im Rathauskeller zeigen Usha Fath, Fabian Häfeli, Sandro Croci Maspoli, Sylvan Müller und Tina Sturzenegger ihre Werke zum Thema «Essen, Trinken, Genuss». Die öffentliche Vernissage findet am 29. April um 15 Uhr im Restaurant Rathauskeller statt.

Die Initianten des Festivals Matthias Luchsinger (l.) und Ueli Straub (r.), mit dem Präsidenten des Gönnervereins, Roli Wismer. Der dritte Initiant, Stefan Meier vom Rathauskeller, war verhindert.
Die Initianten des Festivals Matthias Luchsinger (l.) und Ueli Straub (r.), mit dem Präsidenten des Gönnervereins, Roli Wismer. Der dritte Initiant, Stefan Meier vom Rathauskeller, war verhindert. (Bild: mbe.)

Am Opening-Anlass wird ausserdem zum zweiten Mal der «Genuss-Award» verliehen. Diese Auszeichnung erhält jeweils eine Person, die sich durch ihre Arbeit in den Bereichen Film, Literatur und Medien rund ums Thema Genuss verdient gemacht hat.

Erwähnenswert ist ausserdem das Kochen von Spitzenköchen mit Kindern im Rahmen eines Gesundheitsförderungs-Programms. Die Aktion vermittelt an vier Vormittagen Zuger Schulklasse Freude an gesunden Lebensmitteln, am Kochen und an der Bewegung.

«Gluscht» gleich im Anschluss ans Festival

Nach dem Ende des Festivals am 11. Mai geht’s übrigens weiter mit Genusserlebnissen: Das Streetfood-Festival «Gluscht 17» findet dieses Jahr vom 12. bis 14. Mai statt. Die Daten der beiden voneinander unabhängigen Veranstaltungen wurden so aufeinander abgestimmt, dass sie sich nicht mehr überschneiden. 50 Stände bieten auf der Flaniermeile am Zugerseeufer 500 verschiedene Gerichte an.

Das Programm des Genuss-Filmfestivals 2017

4. Mai: Den Auftakt macht der Schweizer Spielfilm «Der Koch» (mit Jessica Schwarz, Hamza Jeeetooa und Hanspeter Müller-Drossaart). Die Zutaten, aus denen die Verfilmung von Martin Suters Bestseller gemixt wurde, sind vielseitig – «Love Food», gepaart mit politischer Gegenwart, eine Prise Liebesgeschichte, Exotik und Sinnlichkeit.
Der Opening-Anlass ist reserviert für Sponsoren, Vereinsmitglieder und geladene Gäste.
Der Koch
des Menüs: Daniel Kühne vom Restaurant Hirschen in Oberägeri

5. Mai: Der erste öffentlich zugängliche Film ist die Komödie «Comme un Chef» aus Frankreich. Das Schicksal führt den unkonventionell begnadeten, aber undisziplinierten Jacky Bonnot (Michaël Youn) und den berühmten Drei-Sterne-Koch Alexandre Lagard (Jean Reno) in die gleiche Küche. Man kann sich ausmalen, was passiert.
Koch
: Martin Dalsass, Restaurant Talvo by Dalsass in St. Moritz-Champfèr

James Baron vom Hotel Tannenhof in St. Anton am Arlberg arbeitete unter Andreas Caminada.
James Baron vom Hotel Tannenhof in St. Anton am Arlberg arbeitete unter Andreas Caminada.

6. Mai: Der zweite Film ist eine Doku namens «Noma, my perfect storm». Eine Reise in das einzigartige kulinarische Universum von René Redzepi in Kopenhagen, dessen Restaurant Noma in den letzten sechs Jahren viermal zum besten der Welt gekürt wurde.
Koch:
James Baron vom Hotel Tannenhof in St. Anton am Arlberg in Österreich; er lernte sein Handwerk in renommierten Schweizer Hotels und war Sous-Chef unter Andreas Caminada.

7. Mai: «Entre les Bras» ist ein Dokumentarfilm über das Drei-Sterne-Restaurant von Michel Bras im französischen Aubrac. Der Film porträtiert sensibel eine komplexe Beziehung zwischen Vater und Sohn Bras sowie den kreativen Ansatz ihrer Küche, die eng mit der Region verwurzelt ist.
Koch:
Roger Kalberer und Seppi Kalberer (Sohn und Vater) vom «Schlüssel» in Mels

8. Mai: Die Komödie «Toast» (mit Helena Bonham Carter und Freddie Higmore). Toast ist alles, was Nigels Mutter in der Küche zustande bringt. Alle anderen Kochversuche enden mit Verbranntem oder Verkochtem, bis die neue Putzfee auftaucht.
Köchin
: Bernadette Lisibach vom Restaurant Neue Blumenau in Lömmenschwil SG; die Luzernerin war «Köchin des Jahres 2015» beim Gastroführer Gault-Millau.

Die Luzernerin Bernadette Lisibach.
Die Luzernerin Bernadette Lisibach. (Bild: Tobias Siebrecht)

9. Mai: An diesem Tag läuft die Komödie «No Reservations» (mit Catherine Zeta-Jones). Zeta-Jones spielt die Starköchin Kate Armstrong in einem Edelrestaurant in New York City. Ihre Karriere in der Küche hat Priorität – dementsprechend kommt ihr Privatleben zu kurz, was sich aber bald ändern soll.
Koch:
Philipp Audolensky vom Restaurant Rosmarin in Lenzburg

10. Mai: Die Komödie «A good year» (mit Russell Corwe und Marion Cotillard) handelt vom Londoner Investment-Banker Max Skinner, der in die Provence reist, um ein kleines Weingut zu verkaufen. Er entdeckt die französische Leichtigkeit des Seins – und die wahre Liebe.
Köche:
Jacky Donatz aus Zürich und Stefan Meier vom Rathauskeller Zug verwöhnen die Gäste gemeinsam. Zu Gast ist ausserdem der französische Winzer Baron Patrick de Ladoucette.

11. Mai: Das Festival endet mit dem ebenfalls bereits reservierten Closing-Anlass und dem Film «Soul Kitchen».
Der Koch
: Beat Stofer vom Restaurant Balm in Meggen

Einige dieser Filme laufen auch am Folgetag zur Mittagszeit im «Lunch-Kino». Tickets unter genussfilm.ch

Hinweis: zentralplus ist Medienpartner des Genuss-Filmfestivals

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