Auf der Burgerstrasse in der Kleinstadt werden derzeit die neuen Abfluss-Rohre platziert. (Bild: gwi)
Regionales Leben Gesamtsanierung

Auf der Burgerstrasse in der Kleinstadt werden derzeit die neuen Abfluss-Rohre platziert. (Bild: gwi)

Die Stadt wird am offenen Herzen operiert

5min Lesezeit

Mitten im Zentrum der Stadt wird seit letztem Oktober der Boden aufgebrochen und der Untergrund erneuert. Mit Nebenwirkungen für die Anwohner. Die Gesamtsanierung lässt tief blicken und offenbart vieles aus der Luzerner Geschichte, wie eine Baustellen-Besichtigung an den Tag bringt.

Es wird eifrig gebohrt, Rohre werden verlegt und Stahlträger montiert. Ganz ungewohnt befahren Bagger die sonst so ruhige Kleinstadt. Die Gesamtsanierung sorgt derzeit für regen Betrieb im historischen Zentrum Luzerns, doch die untergründigen Arbeiten dienen einem langfristigen Zweck: «Die  Lebenserwartung der neu eingebauten Rohre beträgt 80 Jahre», erklärt Urs Widmer, Leiter Abwasserwirtschaft bei Recycling, Entsorgung, Abwasser Luzern (real). So lange dürften die glasfaserverstärkten Kunststoffröhren, durch die das Abwasser aus Kriens zur Abwasserreinigungsanlage Buholz in Emmen fliesst, ihren Dienst zuverlässig tun.

Die Gesamtsanierung Kleinstadt wird Ende 2018 abgeschlossen sein, wenn alles nach Plan läuft.
Die Gesamtsanierung Kleinstadt wird Ende 2018 abgeschlossen sein, wenn alles nach Plan läuft. (Bild: gwi)

Bis im Herbst 2018 alle Arbeiten abgeschlossen sind, wird noch kräftig gebaut in einem der ältesten Stadtteile Luzerns. «Die Bauarbeiten laufen nach Plan», sagt Projektleiter Angelo Garofalo. Seit 1880 der Krienbach-Kanal vom Hirschengraben bis hin zum Reusswehr abgedeckt wurde, konnte man nicht mehr so tief in den Kleinstadt-Untergrund blicken (zentralplus berichtete).

«Die Leute beklagen sich kaum.»

Die Arbeiten faszinieren Passanten und Anwohner zugleich: «Wir finden es toll, dass sich die Leute für die Sanierungsarbeiten interessieren», erklärt Garofalo. Für die Anwohnenden und Geschäfte wurde im Rahmen des Gesamtprojektes Kleinstadt eigens eine Hotline eingerichtet: «Sie wird genutzt, aber weniger, als ich das gedacht habe.» Man stehe in Kontakt mit den Anwohnern, die derzeit den werktäglichen Baulärm über sich ergehen lassen müssen. «Die Leute beklagen sich kaum.» Auch weil man zu den üblichen Arbeitszeiten von 7 bis 12 Uhr und 13.30 bis 18 Uhr saniere.

Einige Geschäftsinhaber beklagten sich über Umsatzeinbussen infolge der Sanierungsarbeiten. Der Projektleiter hat gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen gesucht. In einigen Fällen konnte die Situation verbessert werden.

Neues Verfahren kommt zur Anwendung

Die Unterhaltsarbeiten beim Krienbach vergegenwärtigen wieder einmal, wie selbstverständlich die sanitäre Infrastruktur scheint. Das war früher nicht so: «Kläranlagen und gedeckte Abwasserkanäle führen zu weniger Krankheiten und Seuchen in urbanen Gebieten», hält Urs Widmer fest. Durch den 1880 abgedeckten Krienbachkanal unter der Oberfläche der heutigen Burgerstrasse flossen Bach- und verschmutztes Abwasser noch bis 1990 gemischt.

Der Blick in die Vergangenheit: Der alte Kreinbachkanal aus dem späten 19. Jahrhundert.
Der Blick in die Vergangenheit: Der alte Kreinbachkanal aus dem späten 19. Jahrhundert. (Bild: gwi)

Neun Bauarbeiter sind derzeit mit der rund 12 Millionen teuren Gesamtsanierung beschäftigt. Beim Verlegen der Kunststoffröhren kommt ein relativ neues Verfahren zur Anwendung, wie Garofalo erklärt: «Die neuen Rohre wurden auf der Höhe des Krienbrüggli-Platzes bis zum Reusswehr in den alten Kanal geschoben.» Bisher sei man nur in Basel mit der gleichen Methode vorgegangen, in Deutschland habe sich das System bereits etabliert. Der Vorteil: «Der bisherige Untergrund mit den alten Kanalmauern muss nicht aufgebrochen und neu betoniert werden», klärt uns der Projektleiter auf. «Dadurch verkürzt sich die Bauzeit und damit die Belastung für die Anwohner deutlich.»

Tempo-20-Begegungszone wird geprüft

Während zum Reusswehr hin laufend die neuen Rohre eingesetzt, mit Stahlträgern befestigt und anschliessend zubetoniert werden, wird in Richtung Pilatusplatz die alte Kanaldecke laufend aufgebrochen. Der Blick in die Vergangenheit führt in die Dunkelheit. In der Mitte des Tunnels fallen provisorisch eingebaute Stützpfeiler auf: «Die wurden 2012 eingesetzt, um die Tragfähigkeit vorübergehend zu sichern», so Widmer.

Stahlträger werden über den neuen Rohren angebracht.
Stahlträger werden über den neuen Rohren angebracht. (Bild: gwi)

Nachdem unten die Dinge in Ordnung gebracht wurden, folgt oben eine Pflästerung aus einheimischem Naturstein. Die Anpassung erfolgt auch aufgrund der Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes. Ausserdem wird das bestehende Trottoir aufgehoben. Geprüft wird eine Tempo-20-Begegnungszone. Auf den neu gestalteten Flächen werden 38 zusätzliche Velo-Abstellplätze erstellt und die Moto-Abstellplätze mit einem Parkfeld von 6 Metern Länge beibehalten.

Philipp-Anton-von-Segesser-Platz mit Bahnhofstrasse, wie er ab 2018 aussehen soll (Symbolbild).
Philipp-Anton-von-Segesser-Platz mit Bahnhofstrasse, wie er ab 2018 aussehen soll (Symbolbild). (Bild: zvg)
 

Und wo befindet sich eigentlich der Krienbrügglibrunnen, der üblicherweise auf dem Philipp-Anton-von-Segesser-Platz steht? Der befindet sich zurzeit in Sursee. Dort wird er vom Bildhauer und Steinrestaurator Vitus Wey aufpoliert und in Stand gesetzt. 2018 wird er an gewohnter Stelle platziert (zentralplus berichtete).

Weitere Eindrücke von der Baustelle in der Kleinstadt.

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