Im Mittelpunkt die Röstmaschine: Manolo Gonzalez (links) und Nik Staub richten sich in ihrem neuen Cafe Tacuba ein. (Bild: Luca Wolf)
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Im Mittelpunkt die Röstmaschine: Manolo Gonzalez (links) und Nik Staub richten sich in ihrem neuen Cafe Tacuba ein. (Bild: Luca Wolf)

Schon wieder: Aus Coiffeurladen wird Café – samt Rösterei

7min Lesezeit

Ein junger Student aus Thun und ein Kaffee-Experte aus El Salvador eröffnen am Stadtrand von Luzern eine Rösterei samt Café. Mit ihrem Spezialkaffee wollen sie die Schweiz erobern, ihren Produzenten in Mittelamerika ein sicheres Einkommen garantieren – und die Herzen der Zentralbahn-Weg-Velofahrer gewinnen.

Luca Wolf

«Ob wir mit dem Projekt ein finanzielles Risiko eingehen?» Nik Staub lächelt und räumt unumwunden ein: «Ja. Aber wir haben es uns gut überlegt und wissen, worauf es ankommt.»

Sammelaktion mit Gegenleistung

Um Geld für ihr Projekt zu sammeln, starten Nik Staub und Manolo Gonzalez auf wemakeit.com eine Crowdfunding-Aktion. Wer etwas spendet, erhält laut Staub «attraktive Dienstleistungen als Gegenleistung». Dazu gehören Röstkurse, Baristakurse und Kaffee-Abos, bei denen einem während eines halben Jahrs Kaffee nach Wahl nach Hause geschickt wird.

Der 24-jährige Thuner studiert im letzten Jahr Wirtschaft an der Hochschule in Luzern, wo er derzeit auch wohnt. Wir treffen ihn und seinen Geschäftspartner Manolo Gonzalez (41) an der Eichwaldstrasse 10, nahe der Bushaltestelle Eichhof.

Gonzalez stammt aus dem kleinen mittelamerikanischen Land El Salvador. Seit drei Jahren lebt er mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter in der Schweiz. Zusammen mit Freunden haben die beiden den ehemaligen Coiffeurladen in eine schmucke kleine Rösterei samt Café umgebaut. Der Name: Cafe Tacuba. Noch ist nicht alles fixfertig eingerichtet, es fehlen Bilder, Stühle etc. «Aber für den Start diesen Montag, 10. Oktober, wird’s reichen», ist Staub zuversichtlich.

Manolo Gonzalez und Nik Staub richten ihr neues Cafe Tacuba ein (Bild: Luca Wolf).
Manolo Gonzalez und Nik Staub richten ihr neues Cafe Tacuba ein (Bild: Luca Wolf).

Zufall oder nicht: Erst kürzlich berichtete zentralplus von einem Coiffeurladen an der Pilatusstrasse, der (zumindest teilweise) zu einem Café umgebaut wird (hier geht’s zum Artikel).

Marktanteil bloss 1,5 Prozent

Staub und Gonzalez wollen sich aber vom Gros der hiesigen Kaffeebranche absetzen. Deshalb setzen sie voll auf die Karte Spezialkaffee. «Spezialkaffee wird von der Ernte bis zur Röstung sorgfältig und aufwendig hergestellt», erklärt Staub. Dieser unterscheide sich durch seine vielseitigen und ausgeprägten Geschmacksnoten stark von kommerziellem Kaffee. Spezialkaffee hat gleich viel Koffein wie normaler Kaffee, wird aber aufwendiger zubereitet. Zudem kostet er etwas mehr. «In der Schweiz macht der Anteil an Spezialkaffee bloss etwa 1,5 Prozent aus», weiss Gonzalez.

Um von Spezialkaffee sprechen zu können, muss der Kaffee ein gewisses Qualitätsniveau haben. Um dieses zu erreichen, werden spezielle Prozesse angewendet. Dazu gehören etwa die handverlesene Ernte, die gleichmässige und langsame Trocknung und die schonende Röstung. «Um vollständige Transparenz gewährleisten zu können, begleiten wir unseren Kaffee über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg», sagt Manolo Gonzalez, der auch über die notwendigen Diplome verfügt.

Manolo Gonzalez zeigt seine in El Salvador gelagerte Ernte (Bild: Jianca Lazarus).
Manolo Gonzalez zeigt seine in El Salvador gelagerte Ernte (Bild: Jianca Lazarus).

Preisschwankungen setzt Produzenten zu

Die Kontrolle der Wertschöpfungskette wird vereinfacht, weil Gonzalez mit seinen Eltern und Verwandten in El Salvador zusammenarbeitet. Diese betreiben dort verschiedene Kaffeeplantagen. Gonzalez sagt: «Zu unseren Kaffeeproduzenten pflegen wir eine enge Beziehung und streben eine langjährige Partnerschaft an. Dies bedeutet, dass wir ihnen in guten wie auch in schlechten Jahren Kaffee abkaufen, um eine gewisse Stabilität in dem stark schwankenden Kaffeemarkt bieten zu können.» Das sei für die Hersteller sehr wichtig. Wegen der fehlenden Preisstabilität haben laut Staub viele Kaffeeproduzenten auf einen sichereren Job gewechselt – «viele Plantagen mussten schliessen».

Die Vision der beiden Geschäftspartner sei es auch, die Kaffeeproduzenten aus El Salvador und die Kaffeekonsumenten aus Europa zusammenzuführen. Deshalb biete Experte Gonzalez vor Ort eine umfassende Beratung an. Die acht im Sortiment stehenden Kaffeebohnen können anschliessend in der schmucken Röstmaschine je nach Geschmack geröstet werden.

Kurze Schnaufpause bevor das Einrichten weiter geht: Manolo Gonzalez und Nik Staub gönnen sich einen Spezialkaffee (Bild: Luca Wolf).
Kurze Verschnaufpause, bevor das Einrichten weitergeht: Manolo Gonzalez und Nik Staub gönnen sich einen Spezialkaffee (Bild: Luca Wolf).

Schweizweiter Export geplant

Für die Zubereitung des Kaffees braucht es entweder eine gute Espressomaschine oder ein geeignetes Gerät, um Filterkaffee herzustellen. Der Kaffee kann dann entweder in verschiedenen Varianten im Cafe Tacuba getrunken werden – 15 bis 20 Plätze hat es dafür, zum Essen stehen Gipfeli oder Sandwiches im Angebot. Oder er wird in Portionen von 250 Gramm bis zu einem Kilo gekauft. Das Kilo kostet zwischen 25 und 35 Franken. «Weil wir keine Zwischenhändler benötigen, können wir unseren Spezialkaffee günstiger anbieten als andere Verkäufer», versichert Gonzalez. Ein normaler Kaffee vor Ort zum Trinken wird vier bis fünf Franken kosten.

Das Hauptgeschäft soll der schweizweite Verkauf der Kaffeebohnen an Private, Firmen und kleinere Cafés werden. Wobei Staub und Gonzalez Auflagen machen. «Wir geben unseren Kaffee nur an Kunden, die sich für eine Einführung Zeit nehmen. Auch müssen Cafés bereit sein, ihren Kunden das Produkt ein, zwei Minuten zu erklären.»

Impression von der Kaffeeplantage in El Salvador (Bild: Jianca Lazarus).
Impression von der Kaffeeplantage in El Salvador (Bild: Jianca Lazarus).

Wissen aus Studium in Praxis umsetzen

Nikolaj Staub, wie er richtig heisst, hat zusammen mit seinem Partner sowie einem weiteren Investor einen schönen Batzen ins Projekt investiert. Wie viel genau, möchten sie nicht kommunizieren. Staub sagt: «Ich konnte viel Wissen aus meinem Studium in den Aufbau dieser Rösterei einbringen. So gesehen ist das Ganze auch ein tolles Praxisprojekt. Sollte es nicht funktionieren, bin ich immerhin um eine Erfahrung reicher.» Um aber auf Nummer sicher zu gehen, starten sie diesen Freitag eine Crowdfunding-Aktion (siehe Box).

Hoffnung auf Erfolg verleiht dem ungewöhnlichen Duo aber auch der neue Velo- und Fussgängerweg auf dem alten Zentralbahn-Trassee. Dieser wird im Dezember oder Frühling eröffnet und führt direkt neben dem Cafe Tacuba vorbei (zentralplus hat die Strecke bereits getestet). «Wir glauben, dass viele Velofahrer und Fussgänger mal bei uns vorbeischauen, wenn sie uns erblicken.» Diesbezüglich hilft sicher, wenn im Frühling draussen eine kleine Terrasse eröffnet werden kann.

In diesem Haus, vorne an der Ecke, ist die neue Rösterei einquartiert. Gleich rechts davon geht der neue Velo- und Fussgängerweg auf dem alten Zentralbahn-Trassee vorbei (Bild: lwo).
In diesem Haus, vorne an der Ecke, ist die neue Rösterei einquartiert. Gleich rechts davon geht der neue Velo- und Fussgängerweg auf dem alten Zentralbahn-Trassee vorbei (Bild: lwo).

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