Ein Kreativer aus Sursee ist auf Bierwolke 7. (Bild: Fotomontage/zVg)
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Ein Kreativer aus Sursee ist auf Bierwolke 7. (Bild: Fotomontage/zVg)

Eine Stange (Geld) für ein Zentralschweizer Bierfest

7min Lesezeit

Bis zum neuen «Bierführer Zentralschweiz» und einem Bierfest im Raum Luzern fehlen noch wenige Tage und einige Tausend Franken. Nun werden mit Crowdfunding diverse Geldquellen «angezapft», erklärt uns der Gründer – standesgemäss an einem kleinen Bier schlürfend. Umso grösser ist dafür seine Vorfreude.

Die einen brauen das Bier zu Hause in der Badewanne, andere machen daraus ein Schulprojekt und wieder andere mussten sich nach Generationen ihren Platz im regionalen Bierregal hart erkämpfen. Jedes Bier hat eine andere Geschichte. Kleinbrauereien sind in der Schweizer Bierkultur eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die Grossindustrie geworden (zentralplus berichtete). Einer will David im Kampf gegen Goliath nun weiter unter die Arme greifen: Ein «Bierführer Zentralschweiz» soll her und für Orientierung im hiesigen Hopfendschungel sorgen. Noch fehlt jedoch eine rechte ‹Bier-Stange› Geld für die Realisierung des Projekts des Surseer Kreativen Andreas Troxler. Er ist mit seiner Ideenagentur Büro Troxler daran, das Fass mithilfe anderer Bierfans ins Rollen zu bringen.

«Fast jedes Dorf hat schon einen Ableger für kleine Brauereien.»

Andreas Troxler, Crowdfunder des Bierführers Zentralschweiz

50 Franken für eine «Stange», 150 für einen «Chöbu»

Noch bis Ende Oktober kann man den Bierführer und das geplante Bierfest mit Crowdfunding unterstützen. Für einen freien Betrag, eine symbolische «Bierstange» (50 Franken), einen «Chöbu» (150) oder einen «Pitcher» (300) können Bierbegeisterte auf der Projektseite den Bierführer unterstützen und so ganz nebenbei auch noch die Bierkultur in der Region fördern. Dabei soll Unterstützern nicht das Blaue vom Himmel versprochen werden: Rund 25’000 Personen sollen bei Erreichen von 40’000 Franken Gönnerbeiträgen in den Genuss des ‹Bier-Buches› kommen. So viel braucht es zur Realisierung des ganzen Projekts.

Bei der abschliessenden Bierfest-Vernissage könnten ausserdem alle Supporter in den Genuss einer Degustation der vorgestellten Biere kommen, hofft Troxler und ist auch um ein wirtschaftskulturelles Engagement nicht verlegen: «Für die Brauer wäre dies sicherlich eine spannende Plattform, um sich zu präsentieren und sich gegenseitig auszutauschen – Ratschläge rund um die Produktion, vielleicht sogar von Geheimrezepten.» Eine Vorgängeridee hatte der kreative Bierliebhaber mit wirtschaftlichem Hintergrund bereits erfolgreich mit den Erwerbswinzern Zentralschweiz zusammengebraut, oder vielmehr -gegoren, wie man im Falle des bereits erschienenen «Weinführers Zentralschweiz» sagen könnte. «Darauf bin ich wirklich stolz. Das Feedback fiel derart positiv aus, dass ein Bierführer die einzige logische Konsequenz war. Es geht ums Geniessen des aufkommenden Regionalen.»


Projekt-Video auf Funders.ch

Drei Wochen bis zum erwarteten Startschuss

Weil es beim Bier in der Zentralschweiz keine Vereinigung gäbe wie bei Weinbauern, sei das Bierprojekt online und mit Crowdfunding lanciert worden. So können möglichst viele interessierte Personen aus der Region angesprochen werden, die mit wenigen Klicks einen Beitrag sprechen können. Wenn alles gut geht, bekommen sie im Sommer 2017 ihren ersehnten Bierführer.

Troxler ist sich seiner Sache jedoch gewiss: «Ein emotionales Thema – etwas, das jeder gerne hat.» Der Bierführer stehe für das traditionelle, aber auch kreative, regionale Geniessen nach dem Feierabend. Es sei etwas sehr «Gemeinschaftliches», erklärt der junge Surseer seine Leidenschaft für das Getränk. Ebenso gemeinschaftlich ist die von ihm dafür gewählte Crowdfunding-Finanzierung, die drei Wochen vor Ende bei fast 3000 Franken Unterstützungskapital liegt.

‹Gelbes Gold› für alle

«Wer in den Führer investiert, soll sein Firmenporträt inhaltlich auch mitgestalten können», erklärt Andreas Troxler, wie er die Brauer miteinbeziehen will. Ausserdem werde man an einem grossen Bierfest sein selbst gebrautes Bier anbieten und das Biervolk die verschiedenen Gebräue degustieren können. «Das wäre ein gutes Pendant zum Oktoberfest, auch ohne Verkleidung. Wenn bei der Erstausgabe dann vielleicht 1000 Leute kommen, die Freude am hiesigen Bier haben, dann könnte auch ein eigenständiges Projekt daraus entstehen, wer weiss!»

Solothurn, Willisau oder etwa Chur warten schon mit Festen zu Ehren des ‹gelben Goldes› auf. Beim Zürcher Pendant gibt es während drei Tagen sage und schreibe 180 Craft-Biere (übersetzt ‹Handwerk›-Biere) – mehrheitlich aus der Schweiz – zu degustieren, aber auch Biergerichte sowie Workshops. Die Schweiz scheint ein kulturelles Mekka des Bieres zu sein. Auch in Luzern oder Zug haben sich Biere wie das «Baarer Bier» oder «Lozärner Bier» (zentralplus berichtete) mittlerweile etabliert und sogar Amerikaner brauen ihr Heimatbier hier nach (zentralplus berichtete).

Auch Troxler hat bierbrauende Freunde in Sursee, wo sich fast gleichzeitig nach einem Jahrhundert Biervakuum gleich zwei Brauereien formierten: «Bei der ‹Braustation› haben ein paar Jungs aus Freude am Bier angefangen, ihr eigenes zu brauen. Das sprach sich herum wie ein Lauffeuer.» Das zweite ist das «Soo. Soorser Bier», das nach erfolgreicher Aktienzeichnung in diesem Jahr gestartet ist.

Ein Schweizer Brauer stellt sein Können unter Beweis.

Biergeschichten aus der Region, für die Region

Dabei gibt es in der Schweiz regionale Biere, und das nicht zu knapp. Für seine regionalen Vertreter wäre ein gedruckter Führer eine willkommene Werbeplattform – wie auch für alle Biertrinker: Die Biervielfalt in der Region sei «mehr als beachtlich», findet Troxler und meint: «Die Leute hätten Freude daran, ein Bild zu bekommen, wer hinter all diesen Bieren in der Region steckt, und die verschiedenen Geschichten zu lesen. Fast jedes Dorf hat schon einen Ableger für kleine Brauereien.» Einige brauten jedoch nur im stillen Kämmerlein und für den Eigenbedarf.

Dass regionales Bier getrunken wird, sei natürlich eine Entscheidung, die der Konsument fällen muss. «Die Frage ist nur, wer macht den nächsten Schritt – die Gastronomie oder der Konsument?», so Troxler. Obschon er mit seiner Idee durchaus für regionale Brauereien das eine oder andere Fass ins Rollen bringen könnte.

Hinweis: zentralplus ist Medienpartner von Funders.ch.

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