Bereits heute werden Führungen angeboten. (Bild: zvg)
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Bereits heute werden Führungen angeboten. (Bild: zvg)

Viel mehr als nur kleine Gips-Häuschen

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Eine Architekturfachgruppe will ein Stadtmodell realisieren. Darin kann man nicht nur sein eigenes Haus in Miniature bewundern, sondern auch beispielsweise Verkehrsflüsse sichtbar machen. Mittels Crowdfunding soll ein Teil des Budgets aufgebracht werden. Es läuft noch gut drei Wochen.

Tokio hat eins, Zürich hat eins, ja sogar Stans und Sursee besitzen ein Stadtmodell. Nur Luzern nicht. Zur Zeit sammelt die Architekturfachgruppe des SIA Zentralschweiz auf der Crowdfunding-Plattform Funders Geld für einen Teil des Budgets für so ein Stadtmodell. «Das Bedürfnis wurde bereits in der Vergangenheit von den zwei Stadtarchitekten erkannt, die Realisierung eines Stadtmodells scheiterte schlussendlich immer wieder an den finanziellen Mitteln », erklärt Daniel Scheuner vom SIA-Vorstand.

Unübliche Finanzierung

«Wir verfahren etwas unschweizerisch: Normalerweise folgt auf eine lange Planung eine lange Zeit, in der man versucht, die Finanzierung zu organisieren und erst dann realisiert man ein Projekt. Wir wollen schneller loslegen und sind bereits mitten in der Realisierung, bevor die ganze Finanzierung sichergestellt ist», betont Szenograf Ralph Eichenberger, der für das Marketing zuständig ist.

Daniel Scheuner (links) und Ralph Eichenberger stehen zusammen mit dem SIA hinter dem Millionenprojekt.
Daniel Scheuner (links) und Ralph Eichenberger stehen zusammen mit dem SIA hinter dem Millionenprojekt. (Bild: neh)

Vor einem Jahr hat die Fachgruppe, die aus lauter Freiwilligen besteht, ihre Arbeit aufgenommen. Inzwischen hat man den Raum – das Dachgeschoss des alten Zeughauses – gratis zur Verfügung gestellt bekommen und die Zusammenarbeit mit dem Kanton hat begonnen. «Das Stadtmodell, das den ganzen Stadtraum der Region Luzern zeigen wird, wird aus über 1'000 Kacheln auf 8x12 Meter im Massstab 1:1'000 entstehen. Das Modell basiert einerseits auf dem grossen Luftbild wie auch auf den teilweise bereits vorhandenen digitalen 3-D-Daten des Kantons», erklärt Daniel Scheuner. Die Kacheln ermöglichen es, das Modell konstant zu aktualisieren. «Das Modell wird ausserdem auf speziellen Rollen liegen, so dass man Gänge erzeugen kann und in das Modell hineingehen kann», erzählt er.

Vom Seetalplatz bis zum Bürgenstock

Das gesamte Budget für das Projekt beläuft sich auf etwa 2 Millionen Franken. «Mit dem Crowdfunding, das wir bis jetzt zu etwa 70 Prozent erreicht haben, decken wir nur einen kleinen Teil ab. Die Idee ist, durch das Crowdfunding ein grösseres Publikum für unser Projekt zu finden und mit der Zeit auch die verschiedenen Institutionen an Bord zu holen», so Scheuner. «Ein weiterer wichtiger Punkt ist, unsere Partner und potentielle zukünftige Nutzer des Modells einzubinden», erklärt Eichenberger.

Denn das Modell wird viel mehr sein, als einfach ein paar Miniatur-Häuschen. Es soll mit Licht und Videoprojektionen bespielt werden. «Das ist bei den wenigstens Modellen möglich. Doch damit können zum Beispiel Hochwasser oder Verkehrsflüsse dargestellt werden. Das ist nicht nur für Architekten und Städteplaner interessant. Auch Kulturschaffende, verschiedene Vereine und Verbände, die Tourismusbranche, Gemeinden und Kanton, aber auch die Bevölkerung können vom Modell profitieren», betont Daniel Scheuner. Interessant und innovativ ist das Projekt auch aus anderen Gründen: «Es hört nicht an der Stadtgrenze auf, sondern geht bis zum Bürgenstock und zum Seetalplatz. Wir haben darauf geachtet, dass aktuelle und zukünftige Hot-Spots inkludiert sind», erläutert der Szenograf.

Plattform für gesellschaftliche und soziokulturelle Themen

Zur Zeit ist die Gruppe daran, die 3D-Daten aufzubereiten und zu entscheiden, ob die ganzen Kacheln auf einem 3D-Drucker geplottet werden sollen, oder nur die Häuschen. «Bereits jetzt bieten wir auf Wunsch Führungen an. In einem zweiten Schritt soll das Modell zu spezifischen Zeiten offen sein und danach können wir uns vorstellen, dass eine interaktive Ausstellung realisiert wird.», verrät Ralph Eichenberger. Doch neben dem Modell ist der Dachstock auch noch ein Begegnungsort, wo städtebauliche, aber auch gesellschaftliche und soziokulturelle Themen wie die Altersstrukturen in der Region, die Einkommensverteilung oder die geografische Verteilung der Geburtenraten diskutiert werden können.

Hinweis: zentralplus ist Medienpartner von Funders.

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