So sieht das Formular zur Umfrage aus. (Bild: Screenshot zentral+)
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So sieht das Formular zur Umfrage aus. (Bild: Screenshot zentral+)

3min Lesezeit

Die Regierung des Kantons Luzern sucht fieberhaft nach Sparmöglichkeiten. Jetzt sind die Mitarbeiter gefragt. Im Bildungs- und Kulturdepartement können sie über ein Online-Formular ihre «persönlichen Sparvorschläge» an die Regierung senden. Der «interne» Link gelangte nun unfreiwillig an die Öffentlichkeit. Die Regierung lässt es geschehen – eine verpasste Chance?

Der Kanton Luzern spart an allen Ecken und Enden. Besonders unter Druck steht das Bildungs- und Kulturdepartement. Verzweifelt sucht dieses nach Sparmöglichkeiten. Wie hoffnungslos die Situation mittlerweile ist, zeigt eine interne Panne. Die Departementsleitung fordert seine Mitarbeiter auf, bis Mitte März im Internet per Formular «persönliche Sparvorschläge» einzubringen. Versehentlich gelangte dieser Link nun aber an die Öffentlichkeit.

Der Aufruf sei eine interne Massnahme, die für die Mitarbeitenden des Bildungs- und Kulturdepartements gedacht gewesen wäre, sagt Regierungsrat Reto Wyss auf Anfrage von zentral+. «Die Mitarbeitenden haben einen detaillierten Einblick ins Departement und können deshalb gute Vorschläge einbringen», so Reto Wyss. Wie die Umfrage an die Öffentlichkeit gelangt sei, wisse er nicht.

«Crowdsourcing» beim Kanton?

Das sogenannte Crowdsourcing sei eine Marketingstrategie, die besonders Unternehmen im Konsumgüterbereich anwenden, so Treichel. Dabei werden eigentlich interne Aufgaben eines Unternehmens an eine Gruppe Freiwilliger ausgelagert, zum Beispiel über das Internet. Auf die Frage, ob denn eine öffentliche Institution diese Strategie anwenden sollte, sagt Treichel: «Die heisst ja schliesslich schon ‹öffentlich›, wieso soll sie es denn nicht auch sein?»

Nun kann jeder Einwohner im Kanton Luzern – eigentlich die ganze Welt – Vorschläge machen, wie und in welchem Departement der Kanton sparen könnte. «Kein grosses Unglück», sagt der Luzerner Regierungsrat zur Panne. Man werde «selbstverständlich» alle eingehenden Vorschläge prüfen, egal von wem sie kommen. Entscheidend sei die Qualität der Sparvorschläge und die Frage, ob sie umsetzbar seien oder nicht.

Die Bearbeitung der eingegangenen Sparvorschläge dürfte jetzt nach Bekanntwerden einen erheblich grösseren Aufwand verursachen. Manch einer kann sich nun einen Spass daraus machen, weil die Sparvorschläge anonym eingebracht werden können. Dennoch plant der Kanton auch jetzt nicht, die Bürger aktiv zur Teilnahme an der Umfrage aufzufordern. Diese vom Netz zu nehmen, ist aber auch kein Thema.

«Die Panne zu verschleiern wäre falsch»

Die interne Panne ist zwar ärgerlich, wichtig ist aber, wie der Kanton jetzt damit umgeht. Dietmar Treichel, Studienleiter am Institut für Kommunikation & Führung in Luzern, sagt: «Die Verantwortlichen sollten nicht zu lange nach den Gründen fragen. Vielmehr sollte der Zwischenfall genutzt werden, um etwas Positives daraus zu schaffen.»

Das Vorgefallene jetzt zu verschleiern, findet Treichel falsch. Besser wäre es, so zu tun, als wäre es gewollt gewesen, die ganze Bevölkerung bei der Erarbeitung von Sparvorschlägen mit einzubeziehen. So könne man den Prozess auch viel besser steuern als ihn weiterhin dem Zufall zu überlassen. 

Die Idee, die Bevölkerung nach Sparideen zu befragen, findet Treichel an sich nicht negativ: «Das hört sich ziemlich schweizerisch an, nach Basisdemokratie.» In Marketingkreisen bezeichnet man dieses Phänomen als «Crowdsourcing» (siehe Box). «Aufgrund der Brisanz des Spar-Themas wäre es natürlich besser, wenn die Aktion etwas anders rüberkäme», sagt Treichel. In etwa so: «Wir kennen die Lösung eigentlich schon, beziehen aber die Leute jetzt aktiv noch mit ein.»

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