Die Gemeinden San Damiano d'Asti und Kriens (v.l. Bürgermeister Mauro Caliendo und Gemeindepräsident Paul Winiker) pflegen den gesellschaftlichen Austausch. (Bild: Benedikt Anderes)
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Die Gemeinden San Damiano d'Asti und Kriens (v.l. Bürgermeister Mauro Caliendo und Gemeindepräsident Paul Winiker) pflegen den gesellschaftlichen Austausch. (Bild: Benedikt Anderes)

Internationale Diplomatie im Kleinen

11min Lesezeit

Was bringen offizielle Partnerschaften zwischen Städten oder Gemeinden? Wer jetzt an kulinarische Ausflüge und gegenseitige Festbesuche denkt, hat nicht Unrecht. Einzelne Partnerschaften gehen aber weit über den rein gesellschaftlichen Austausch hinaus. Triebfedern sind Einzelpersonen und Vereine.

Der Gemeinderat von Kriens reiste im letzten November für einen zweitägigen Besuch ins Piemont – nach San Damiano d’Asti. Die Stadt liegt rund 50 Kilometer südöstlich von Turin auf einem Plateau und ist bekannt für ihre städtebauliche Konstruktion als mittelalterliche Planstadt.

Der Besuch der Luzerner Gemeinde im Piemont hatte den Zweck, die Städtepartnerschaft zwischen Kriens und San Damiano d’Asti aufzufrischen. Gemäss dem Reisebericht ging es beim Treffen um einen «bereichernden Gedankenaustausch, um eine Horizonterweiterung eben und nie um finanzielle Verpflichtungen». 

Die Bilder zeigen die Delegation beim offiziellen Empfang im Rathaus, in Weinbergen wandernd, beim Besuch auf einem Landwirtschaftsgut, bei einem Glas Wein und beim eleganten Diner. Gemeindepräsident Paul Winiker sagt dazu: «Der gesellschaftlich-kulturelle Austausch stand im Vordergrund.» Da gehöre auch gutes Essen und Trinken dazu. Gemeinsame Projekte gäbe es im Moment aber keine. Sehen so gewöhnliche Städtepartnerschaften von Luzerner und Zuger Gemeinden aus?

Enge Verbindung zur Geschichte

Die Bewegung der Städtepartnerschaften entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Um ein vereintes und starkes Europa zu fördern, wurde in diesem Zusammenhang der Rat der Gemeinden und Regionen Europas gegründet. Neuen Schwung erhielt die Bewegung 1989 mit dem Ende der Sowjetunion. Das Ziel bestand jeweils darin, wirtschaftliche und politische Aufbauarbeit zu leisten.

Kommunale Partnerschaften bestehen auch innerhalb der Schweiz. Auslöser dafür waren der Austausch über Sprachgrenzen hinweg und die Patenschaften für Berggemeinden. Die Organisation setzt sich seit 1940 für solidarische Beziehungen zwischen Berg- und Talgemeinden ein.

Im Vordergrund der Patenschaft steht die projektbezogene Hilfe an finanzschwache Gemeinden. Unterstützt werden zum Beispiel Massnahmen zur Pflege und Erhaltung der Alpen, Schutzvorkehrungen gegen Naturgefahren und Aufräum- sowie Wiederaufbauarbeiten nach Naturkatastrophen.

Partnerschaften wenig verbreitet

Zehn Luzerner und sechs Zuger Gemeinden verfügen über Städtepartnerschaften (siehe Tabelle). Diese werden meist auf einer Tafel am Ortseingang der Gemeinde präsentiert. Hinter den Vereinbarungen stehen unterschiedliche Motive. Die Partnerschaften reichen von gegenseitigen Festbesuchen bis zu jährlichen finanziellen Unterstützungen.

Die Stadt Luzern verfügt alleine über sechs Partnerstädte. Damit zählt sie zusammen mit Chur und Yverdon zur nationalen Spitze. Vier davon werden hauptsächlich durch Vereine getragen. Der Luzerner Stadtrat ist der Meinung, dass erst die Einbindung von Schulen und Hochschulen, Vereinen, Verbänden und kulturellen Einrichtungen eine Städtepartnerschaft mit Leben fülle. Diesem Prinzip folgen mehrere weitere Partnerschaften in den Kantonen Luzern und Zug.

120'000 Franken budgetierte die Stadt Luzern seit 2011 jährlich für ihre Städtepartnerschaften, die von Tschechien über Polen nach Deutschland und bis in die USA reichen. Inhaltlich unterscheiden sich die Partnerschaften stark. Diejenigen mit Murbach/Guebwiller und Bournemouth werden in erster Linie durch den gesellschaftlichen und persönlichen Austausch geprägt. Bei den Partnerschaften der Stadt Luzern mit Olomouc und Cieszyn steht der Austausch von Wissen in den Bereichen Umweltschutz, Sozialwesen und Energie im Vordergrund. Am intensivsten werden die Verbindungen zu Potsdam und Chicago gepflegt. Mit diesen Städten werden grössere gemeinsame Projekte in den Bereichen Kunst, Musik und Bildung realisiert.

Die Stadt Luzern prüft zurzeit die verschiedenen Partnerschaften auf ihr Profil, den Mehrwert und das Potential für die Stadt. Darauf basierend soll in diesem Jahr entschieden werden, welche Partnerschaften weitergeführt und eventuell ausgebaut und welche beendet werden. Möglich ist, dass auch neue Städtepartnerschaften dazukommen.

Welchen Einfluss wirtschaftliche und marketingtechnische Überlegungen auf die entsprechenden Entscheidungen haben werden, ist nicht bekannt. Gemäss dem letzten Bericht des Stadtrates zu den Städtepartnerschaften von 2011 gibt es aber kaum Partnerschaftsprojekte unter Einbezug der Wirtschaft. Andreas Renggli von der Luzerner Kommunikationsagentur Polarstern meint ergänzend, dass Städtepartnerschaften im Standortmarketing «keinen Nutzen» hätten und auch touristisch «kaum nutzbar» seien. Im Bericht schreibt die Stadt, dass sie keine weiteren Partnerschaften anstrebe. Ob sie dennoch auf eine der jährlich eingehenden Anfragen, meist aus dem südostasiatischen Raum, zurückkommt, wird sich zeigen.

Eich und Eich, Cham und Cham

Besonders passend scheinen Städtepartnerschaften bei einem gleichen oder zumindest ähnlichen Ortsnamen. Dies ist bei der Luzerner Gemeinde Eich und Eich im deutschen Bundesland Sachsen der Fall. Diese Partnerschaft existiert seit 1992. Die offiziellen Kontakte – in erster Linie gegenseitige Festbesuche – sind inzwischen abgeflacht. Mehrere private Kontakte würden aber nach wie vor regelmässig gepflegt.

Die Gemeinde Cham gibt es ebenfalls zwei Mal, in der Schweiz und in Deutschland. Gemeinsame Beziehungen bestanden bereits lange vor dem Vertragsschluss im Jahr 1981. Gemäss dem Schweizerischen Cham «geht heute kein grosses Fest über die Bühne, ohne dass jeweils eine Delegation des andern Cham daran teilnimmt. Grund genug, immer wieder auf die Städtepartnerschaft anzustossen.»

Schenkon suchte 1986 anlässlich der Einweihung des neuen Gemeindezentrums eine Partnergemeinde mit dem gleichen Namen im deutschsprachigen Raum. Eine solche Gemeinde gibt es aber nicht. Ausgewählt wurde schliesslich die deutsche Gemeinde Schenkenzell. Die Beziehungen – primär ein freundschaftlicher Austausch – besiegelten die Gemeinden 1990/91 mit einer Partnerschaftsurkunde.

Partnerschaft mit solidarischem Hintergedanke

Dass die befragten Gemeinden gerne bei einem Glas Wein auf die Partnerschaft anstossen, ist nichts Skandalöses. Es gibt jedoch Partnerschaften, die weit über die gesellschaftliche Kontaktpflege hinausgehen.

Dies ist bei der Partnerschaft zwischen der Zuger Gemeinde Risch-Rotkreuz und dem italienischen Amaroni der Fall. Die Partnerschaft entstand über Einwohner aus Risch, die in den 70er- und 80er-Jahren von Italien in die Schweiz zogen, um hier zu arbeiten. Um die intensive Partnerschaft kümmert sich der Verein «Amici di Amaroni». Dieser erhält von der Gemeinde jährlich 5'000 Franken und finanziert damit verschiedene Projekte. Zuletzt baute der Verein in Amaroni eine Spitex auf. Zudem finden gegenseitig Klassenlager in den Partnergemeinden statt.

Der Musikverein Rotkreuz bei seinem Auftritt am Partnerschaftsfest in Amaroni 2013. (Bild: zvg)
Der Musikverein Rotkreuz bei seinem Auftritt am Partnerschaftsfest in Amaroni 2013. (Bild: zvg)

Eine entsprechende Partnerschaft führt auch die Stadt Zug. «Kalesija ist noch immer vom Bosnienkrieg gezeichnet. Die Wirtschaft kommt nicht in Gang», sagt Stadtschreiber Arthur Cantieni. Er hat die Städtepartnerschaft mitbegründet. «In den letzten fünf Jahren war der Austausch intensiv», fügt Cantieni an. Die Stadt Zug lieferte mehrmals Hilfsgüter ins bosnische Dorf. Dazu gehörten Schneepflüge und Feuerwehrmaterial. Der letzte Transport kostete rund 3’000 Franken und beinhaltete ausrangierte Schulbänke und Stühle.

«Die Partnerschaft kostet uns nicht viel. Wichtiger ist die ideelle Hilfe», sagt Arthur Cantieni. «Es ist eine aufwändige Partnerschaft, weil es aus politischen Gründen sehr schwierig ist, vor Ort etwas zu bewirken», fügt er an. Für Cantieni ist die Partnerschaft auch ein Integrationsprojekt. Heute lebten über 1000 Personen aus Kalesija in Zug, die sich im Verein «Zug - Kalesija», der die Partnerschaft trägt, für ihre alte Heimat engagierten. Die Städtepartnerschaft und der Verein leisteten einen wichtigen Beitrag zu den in ganz Bosnien immer noch nicht gelösten Fragen des Zusammenlebens verschiedener Ethnien, so Cantieni.

Persönliche Beziehung als Ursprung

Die Städtepartnerschaft zwischen Zug und Kalesija zeigt: Oft hängt die Intensität des Austausches vom Einsatz einer einzelnen Person ab. Manchmal kommen Partnerschaften denn auch aufgrund persönlicher Beziehungen zustande. So haben beispielsweise Nottwil und die deutsche Gemeinde Schwaigern zusammen gefunden.

Die Partnerschaft der beiden Gemeinden kam über Blasmusikliebhaber zustande, die sich in Schwaigern kennenlernten. Die Feldmusik Nottwil und die Stadtkapelle Schwaigern trafen sich 1973 zum ersten Mal. Ab 2005 wurde der gesellschaftliche und musikalische Austausch auch auf der politischen Ebene der Gemeinden gefördert und 2009 schliesslich offiziell vereinbart.

Schweizer Entwicklungspartnerschaften

Es gibt aber auch Partnerschaften zwischen Schweizer Gemeinden, die ihren Fokus auf Entwicklung richten. Ebikon zahlt im Rahmen der Patenschaft für Berggemeinden jährlich 10'000 Franken an die Walliser Gemeinde Embd. Dieser Betrag wird von Embd im kulturellen Bereich eingesetzt, teilt Gemeindeschreiberin Franziska Lengen gegenüber zentral+ mit. «Die Verwendung ist jeweils aus der Jahresrechnung ersichtlich, die wir der Partnergemeinde zustellen», sagt sie.

Neben gegenseitigen Besuchen finden in regelmässigen Abständen Klassenlager in Embd statt. Wegbereiter für die Gemeindepartnerschaft, die seit 1986 besteht, war ebenfalls die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden. Für die Partnerschaft zwischen Horw und der Gemeinde Bratsch, heute Gampel-Bratsch, war ebenfalls die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden Wegbereiter. Seit der Fusion sind die Kontakte aber «nur noch sporadisch» vorhanden, informiert der Horwer Gemeindeschreiber Daniel Hunn.

Einzelne Gemeinden pflegen die Partnerschaften sehr intensiv, bei anderen steht der gelegentliche gegenseitige Besuch von Festen und der gesellschaftliche Austausch im Vordergrund.

Zuger und Luzerner Partnerschaften    

Kanton Luzern: 

Kanton Zug: 

Ebikon

Embd

Cham

Cham (Deutschland)

Sursee

Highland (USA)

Martigny

Hünenberg

Banska Stiavnica (Slowakei)

Marly

Eschenbach

Eschenbach (Deutschland)

Menzingen

Oberägeri

Kraichtal (Deutschland)

Horw

Gampel-Bratsch

Risch-Rotkreuz

Amaroni (Italien)

Eich

Eich (Deutschland)

Zug

Fürstenfeld (Österreich)

Kalesija (Bosnien & Herzegowina)

Luzern

Bournemouth (England)

Chicago (USA)

Cieszyn (Polen)

Murbach/Guebwiller (Frankreich)

Olomouc (Tschechien)

Potsdam (Deutschland)

   

Kriens

San Damiano d'Asti (Italien)

   

Menznau

Osthofen (Deutschland)

   

Nottwil

Schwaigern (Deutschland)

   

Schenkon

Schenkenzell (Deutschland)

   
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