Die Luzerner Regierung bleibt männlich (von links): Paul Winiker, Reto Wyss, Guido Graf, Fabian Peter, Marcel Schwerzmann. (Bild: jal)
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Die Luzerner Regierung bleibt männlich (von links): Paul Winiker, Reto Wyss, Guido Graf, Fabian Peter, Marcel Schwerzmann. (Bild: jal)

Luzern hat gewählt: Das sagen die beiden Gewinner

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Einer war angespannt, der andere hatte gut geschlafen: Erleichtert waren am Sonntagnachmittag sowohl Paul Winiker als auch Marcel Schwerzmann. Die beiden bisherigen Luzerner Regierungsräte haben die Wiederwahl geschafft. Dass weiterhin keine Frau in der Regierung vertreten ist, erachten sie nicht als Manko. Trotzdem dürfte sich etwas ändern.

Das Resultat war am Ende klar: Die beiden bisherigen Regierungsräte Marcel Schwerzmann (parteilos) und Paul Winiker (SVP) schaffen die Wiederwahl diesen Sonntag im zweiten Wahlgang (zentralplus berichtete).

Die beiden Bürgerlichen konnten mit 59’746 und 65’887 Stimmen einen letztlich deutlich höheren Anteil der Bevölkerung überzeugen als die Kandidatin der Grünen. Korintha Bärtsch erhielt zwar im Vergleich zum ersten Wahlgang auch nochmals mehr Stimmen, doch unterlag sie am Ende mit 51’640 Stimmen.

Schwerzmann erleichtert

Allerdings glaubten viele vor diesem 19. Mai, dass die Überraschung für die Grünen in Reichweite liege. Denn die Kritik der Linken an der bürgerlichen Politik war ein allgegenwärtiges Thema in den letzten vier Jahren. Zudem gab es bis in die bürgerlichen Reihen hinein Stimmen, die nicht weiterhin ein reines Männergremium wollten.

«Der Ausgang war wirklich offen», sagte Marcel Schwerzmann am Sonntag nach der Wahl. Schlecht geschlafen habe er deswegen zwar nicht. Aber er zeigte sich sehr erfreut über das letztlich klare Ergebnis. «Ich bin sehr motiviert, so weiterschaffen zu können.» Der Krienser hat von allen drei Kandidaten seit dem 31. März am stärksten zugelegt. Damals hat ihm die Stimmbevölkerung einen Denkzettel verpasst, er landete nur auf dem siebten Rang.

Schwerzmann: «Nun können wir gestalten»

Im Vergleich zum ersten Wahlgang steigerte sich der Parteilose um rund 20’000 Stimmen. «Dem Kanton Luzern geht es so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr, das muss man sagen», analysierte Schwerzmann. Mit dem Ja der Stimmbevölkerung diesen Sonntag zur AHV-Steuervorlage auf nationaler und der Aufgaben- und Finanzreform 18 auf kantonaler Ebene sei eine solide Grundlage geschaffen worden. «Nun können wir gestalten.»

Marcel Schwerzmann hat mit Paul Winiker gemeinsam Wahlkampf gemacht. «In der festen Überzeugung, dass eine Regierung ein Team ist», begründete der Krienser. 

Wieso Winiker nervös war

Erfreut zeigte sich auch Paul Winiker, der im ersten Wahlgang nur wegen wenigen hundert Stimmen die Wahlhürde verpasste. Im zweiten Wahlgang hingegen schnitt er in 79 der 83 Luzerner Gemeinden am besten ab. Dennoch räumte er nach dem Bekanntwerden des Resultats ein: «Ich war sehr angespannt an diesem Sonntagmorgen.» Nicht nur wegen der Wahlen, sondern auch wegen den Vorlagen auf nationaler und kantonaler Ebene, konkret wegen der STAF und der AFR18.

Dass das Ergebnis an der Urne in all diesen drei Punkten nach seinem Geschmack ausfiel, erfüllte den Krienser mit Genugtuung. «Ich fühle mich durch diese Entscheide sehr bestätigt, dass wir das Vertrauen der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in die bisherige Regierung, aber auch in unsere Politik geniessen», sagte der Justiz- und Sicherheitsdirektor. 

Ohne Frau – kein Problem

Dass die Luzerner Regierung weitere vier Jahre ohne weibliche Vertretung auskommt, erachtet das bürgerliche Duo nicht als Manko. «Selbstverständlich machen fünf Regierungsräte nicht einfach Politik für 200’000 Männer, sondern für den ganzen Kanton, da gehören Frauen, Männer und Kinder dazu», sagte Schwerzmann. Er könne sich an keinen einzigen Entscheid erinnern, der explizit nur für die Männer gefällt worden sei. «Es ist falsch zu sagen, dass Männer nur für Männer regieren.»

Ähnlich äusserte sich auch Paul Winiker: «Die Stimmbürger hatten es in der Hand, über die Vertretung in der Regierung zu bestimmen.» Er relativierte zudem, dass nicht nur das Geschlecht, sondern auch andere Aspekte, wie etwa die Herkunft, jeweils eine Rolle spielten. Mit dem Blick nach vorne sagte er zudem: «Ich bin überzeugt, dass es in vier Jahren wieder anders aussieht.»

Was sich ändern könnte

Obwohl die Regierung also bürgerlich bleibt: Der Kantonsrat ist Ende März deutlich nach links gerutscht (zentralplus berichtete). Dass dies Folgen für die Luzerner Politik hat, ist auch dem Finanzdirektor Marcel Schwerzmann bewusst. «Die Regierung wird selbstverständlich auf die Zusammensetzung des Parlaments Rücksicht nehmen wollen», sagt er. Denn es gelte zu gewährleisten, dass die Regierung Vorlagen bringe, die im Kantonsrat durchkommen. «Wir haben kein Interesse, im Parlament regelmässig aufzulaufen.»

Wird die Regierung die linken Anliegen in Zukunft also mehr einbeziehen? «Wir werden weiterhin auch für linke Anliegen wie zum Beispiel Klima- und Umweltschutz arbeiten und unsere Vorlagen auf Mehrheiten ausrichten», verspricht Schwerzmann und fügt an: «Aber zugleich versuchen wir, die Ziele der Regierung durchzubringen.»

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