Gerhard Pfister (links) und Jo Lang sind sich uneinig, inwiefern das Zuger Attentat in einer Abstimmungsdebatte Platz haben soll. (Bild: Montage zentralplus)
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Gerhard Pfister (links) und Jo Lang sind sich uneinig, inwiefern das Zuger Attentat in einer Abstimmungsdebatte Platz haben soll. (Bild: Montage zentralplus)

Josef Lang lässt Gerhard Pfister mit Twitter-Attacke auflaufen

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CVP-Präsident Gerhard Pfister stiess sauer auf, dass der Zuger alt Nationalrat Josef Lang auf Twitter in der Debatte rund um die kommende Abstimmung zum Waffenrecht das Zuger Attentat von 2001 ins Spiel brachte. Der Vorwurf der Instrumentalisierung steht im Raum. Doch ist dieser gerechtfertigt?

Der Abstimmungskampf rund um eine Anpassung des Waffenrechts an EU-Richtlinie wird aktuell äusserst hitzig geführt. Nicht selten gehen in den Kommentarspalten der sozialen Medien die Wogen hoch. Involviert sind nun auch zwei Zuger Politiker: alt Nationalrat Josef «Jo» Lang (Grüne) und CVP-Präsident und Nationalrat Gerhard Pfister.

Auslöser war eine Antwort von Lang auf einen Tweet rund um die Waffenrechts-Debatte. Thema: die Magazingrösse. Lang nahm dabei Bezug auf das Zuger Attentat 2001.

Attacken unter der Gürtellinie

Er schrieb in diesem Zusammenhang, dass wenn «der Mörder im Zuger Kantonsratssaal ein 10er- statt ein 30er-Magazin gehabt hätte, er es für 91 Schüsse nicht zweimal, sondern achtmal hätte wechseln müssen». Abgesehen von der Verzögerung sei der Magazin-Wechsel die einzige Chance, einen Täter zu überwältigen.

«Wenn ich für etwas eine Verschärfung oder ein Verbot fordere, muss ich dies doch mit einem konkreten Fall begründen können.»

Josef Lang, Zuger alt Nationalrat

Dies kam nicht überall gut an. Das offizielle Gegenkomitee platzierte Attacken unter der Gürtellinie. Und der Zürcher SVP-Nationalrat und auf Twitter als Scharfmacher bekannte Claudio Zanetti argumentierte, dass wenn die Zuger Behörden den Attentäter Friedrich Leibacher nicht wie Dreck behandelt hätten, es vielleicht anders gekommen wäre.

Gerhard Pfister seinerseits kritisierte sowohl Lang als Zanetti. Lang warf er eine «Instrumentalisierung des Attentats» vor. Und von Zanetti forderte der Pfister, den Tweet aus Respekt vor den Opfern zu löschen. Zudem sei es völlig abwegig und falsch, mit dem Zuger Attentat zur Änderung des Waffenrechts zu argumentieren – egal ob pro oder contra.

Zuger Attentat war immer wieder Thema

Josef Lang widerspricht dem CVP-Präsidenten vehement. «Wenn ich für etwas eine Verschärfung oder ein Verbot fordere, muss ich dies doch mit einem konkreten Fall begründen können», so der 64-Jährige.

Seit 2001 sei das Attentat immer wieder Thema gewesen, wenn es um das Waffenrecht in der Schweiz ging. «Zahlreiche Verschärfungen haben mit dem Attentat zu tun. Beispielsweise die Erwerbsscheinpflicht auch beim Privatkauf oder die Verknüpfung der Register», so Lang. «Leibacher besorgte sich zwei Wochen vor dem Attentat legal eine Pump Action – dies wäre heute nicht mehr möglich», fügt er an.

«Er musste auch noch einen Seitenhieb gegen Links landen.»

Josef Lang

Lang reichte zudem 2007 als Nationalrat eine Motion ein mit der Forderung eines zentralen Waffenregisters – dies auf Ansinnen der Zuger Regierung. 2009 wurde sie in der grossen Kammer mit 92 zu 90 Stimmen denkbar knapp angenommen. Im Ständerat hingegen stiess die Motion auf Ablehnung. Später wurde eine gemässigte Variante umgesetzt.

Doppeltes Spiel der CVP?

Pfisters Vorwurf der Instrumentalisierung kann Lang ebenso wenig verstehen. Denn: Vergangenen Donnerstag hat die CVP auf ihrer Website eine Stellungnahme zur Waffenrechts-Abstimmung veröffentlicht, verfasst von der Zürcher Nationalrätin Kathy Riklin.

Darin schreibt Riklin, wie die Anpassung der geltenden EU-Waffenrichtlinie eine Reaktion auf die Terroranschläge um das Stade de France und im Bataclan in Paris im November 2015 sei. «Dann müsste die CVP der EU ja vorwerfen, sie instrumentalisiere die Anschläge in Paris ebenfalls», so Lang dazu. Er zitiert in diesem Zusammenhang ein lateinisches Sprichwort: «Was Zeus darf, darf Ochs lange nicht?»

Der alt Nationalrat glaubt jedoch auch nicht, dass es Pfister bei seiner Kritik einzig um die Sache an sich gehe. «Tatsache ist, dass er Claudio Zanetti völlig zu Recht scharf kritisierte, obwohl ihm die SVP politisch grundsätzlich näher steht als die Grünen. Deswegen musste er auch noch einen Seitenhieb gegen Links landen», sagt Josef Lang. Dies sei in der Politik nichts Ungewöhnliches. Mit Gerhard Pfister streiten wolle er sich in diesem Zusammenhang jedoch nicht.

Pfister selbst will sich nicht weiter zum Twitter-Zwist mit Josef Lang äussern.

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