Blickt auf eine schöne und interessante Zeit zurück: der abtretende Emmer Gemeindepräsident Rolf Born. (Bild: jal)
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Blickt auf eine schöne und interessante Zeit zurück: der abtretende Emmer Gemeindepräsident Rolf Born. (Bild: jal)

Rolf Born: «Ich hätte nicht bis zur Rente im Gemeinderat sitzen können»

7min Lesezeit

Rolf Born tritt als Emmer Gemeindepräsident zurück. Damit überraschte er das politische Luzern. Doch für ihn selber sei der Schritt logisch gewesen, sagt Born. Nun sind diejenigen Leute gefordert, die eine Nachfolge für seine verschiedenen Ämter finden müssen. 

Die Rücktrittsankündigung des Emmer Gemeindepräsidenten Rolf Born überraschte am Montagmorgen die Luzerner Politik. Nach gut 15 Jahren im Gemeinderat und rund 23 Jahren in der Gemeindepolitik will sich der FDP-Politiker ab Herbst neu orientieren. Er wird Leiter der Luzerner IV-Stelle (zentralplus berichtete).

Mit seiner Demission reisst Born einige Lücken in die Luzerner Politlandschaft. Denn neben seinem Amt als Gemeinderat ist er auch Präsident des Verbandes der Luzerner Gemeinden (VLG) und sitzt für seine Partei im Kantonsrat. Entsprechend viel Wehmut schwingt beim 57-Jährigen mit. 

FDP will Sitz verteidigen

Bei Borns Partei, der FDP Emmen, habe man dessen Entscheidung mit grossem Bedauern zur Kenntnis genommen, sagt Parteipräsident Martin Birrer. «Rolf Born war nicht nur für die Partei, sondern für die ganze Gemeinde eine sehr wichtige Persönlichkeit. Entsprechend gross wiegt jetzt natürlich der Verlust», so Birrer. Trotz der Enttäuschung gelte es, den Entscheid aber zu akzeptieren. «Es zeigt Rolf Borns Klasse, dass er unermüdlich an sich arbeitet und immer noch einen nächsten Schritt wagt», so Birrer.

Wer Born beerben soll, kann Birrer noch nicht sagen. Die nächsten Schritte würden am Montagabend an einer Parteileitungssitzung diskutiert. «Wir haben die eine oder andere Person auf dem Radar. Einen Beschluss werden wir wohl aber noch nicht fassen können», sagt Birrer. Denn der Entscheid hänge letztlich auch davon ab, wann die Ersatzwahl stattfinden wird. Oder anders gesagt: Man wird herausfinden müssen, wer sich in der nur kurzen Zeit bis zum allfälligen Amtsantritt beruflich und privat wird organisieren können.

«Wir haben bereits zwei Vakanzen im Vorstand und die Herausforderung wird nun natürlich noch grösser.»

Ludwig Peyer, VLG-Geschäftsführer

Dass man Borns Sitz im Gemeinderat verteidigen will, steht für Birrer jedoch ausser Frage. «Es ist fast sicher, dass sich die Parteileitung entsprechend positionieren wird. Denn die FDP war bei den Kantonsratswahlen vor zwei Wochen die stärkste Partei in Emmen.» 

Sein drittes Amt als Kantonsrat wird er aber weiterhin wahrnehmen. «Abklärungen haben ergeben, dass das Mandat mit meinem neuen Job vereinbar ist», so Born. Zudem könne es von Vorteil sein, wenn er als Leiter der IV-Stelle einen direkten Draht in die Politik hat. «Sollte sich aber zeigen, dass es schwierig vereinbar sein könnte, werde ich selbstverständlich aus dem Kantonsrat austreten», erklärt Born.

VLG wird in turbulenter Zeit erwischt

Genauso überrascht wie die Emmer FDP zeigt sich der VLG, wie Geschäftsführer und CVP-Kantonsrat Ludwig Peyer auf Anfrage sagt. «Wir haben bereits zwei Vakanzen im Vorstand und die Herausforderung wird nun natürlich noch grösser.» Mit dem gewählten Regierungsrat Fabian Peter (FDP) und Kantonsrat Armin Hartmann (SVP) treten sowohl der Verantwortliche für den Bereich Bau und Umwelt sowie für die Finanzen zurück.

«Jeder ist ersetzbar und das Amt ist nicht sehr personifiziert.»

Rolf Born zu seinem Ausscheiden aus dem VLG

Mit Hartmann und Born verlassen die beiden Vorstandsmitglieder den Verband, die als «die beiden Architekten der Aufgaben- und Finanzreform 2018» bezeichnet werden könnten, liess der Verband in einer Mitteilung verlauten. «Sie gehören zur formellen AFR18-Projekt-Steuerung und haben letztlich die Vorlage mit dem Regierungsrat zu Ende verhandelt», so der VLG.

Kaum Zeit für Nachfolgersuche

Doch nun drängt die Zeit. Denn schon am 19. Juni muss der neue VLG-Vorstand an der Generalversammlung gewählt werden. «Wir werden nun unsere Fühler nach geeigneten Personen ausstrecken und an die Gemeinden gelangen», sagt Peyer.

Die Schwierigkeit sei insbesondere, die Mandate ausgewogen an die unterschiedlichen politischen Richtungen und verschiedenen Regionen zu verteilen. Hinzu kommen die fachliche Kompetenz sowie die zeitlichen Ressourcen, die eine Kandidatur mitbringen muss. «Diesbezüglich kann es aber auch ein Vorteil sein, dass gleich drei Chargen zu vergeben sind», erklärt Peyer. So könnten in einem Schritt allenfalls drei Personen aus drei unterschiedlichen Parteien ausgewählt werden.

«Ich will kein Sesselkleber sein.»

Rolf Born

Und auch der knappen Frist kann Peyer etwas Gutes abgewinnen: «Manchmal verleiht zeitliche Dringlichkeit auch zusätzlichen Schub seitens möglicher Kandidaten.» Eine Shortlist von möglichen Personen habe man jedenfalls bereits in der Hinterhand. «Es wird letztlich aber einen partizipativen Prozess mit den Gemeinden geben», sagt Peyer.

Und was sagt Born zu seinem Ausscheiden aus dem VLG? «Ich bin überzeugt, dass der Verband rasch eine Nachfolgelösung präsentieren kann. Jeder ist ersetzbar und das Amt ist nicht sehr personifiziert.»

Der Abschied fällt schwer

«Der Entscheid ist mir nicht leicht gefallen», sagt Born. «Ich durfte eine tolle Zeit als Gemeinderat und Gemeindepräsident erleben und es gibt deshalb vieles, das ich vermissen werde.» Dazu gehöre insbesondere der direkte Kontakt zu den unzähligen Organisationen und Vereinen, die viel für das öffentliche Leben in der Gemeinde leisten und sie stets voranbringen würden. «Die Boccia-Gruppe für Senioren kommen mir dabei ebenso in den Sinn wie die vielen Initiativen für und von Jugendlichen», sagt Born.

Aber auch sein Team in der Verwaltung verlasse er nur schweren Herzens. «Es war ein Privileg, mit derart motivierten Mitarbeitern zusammenarbeiten zu können», bedankt sich Born bei den Angestellten der Gemeinde. Seine Arbeit sei sehr spannend und abwechslungsreich gewesen. Denn auch wenn man noch so gut plane, passierten in einer Gemeinde wie Emmen jeden Tag einige unerwartete Dinge.

Als normaler Kandidat beworben

Dennoch habe er sich nach reiflicher Überlegung zu diesem Schritt entschieden. «Es sind noch acht Jahre bis zu meiner Pensionierung und ich musste mir Gedanken machen, was noch kommen soll. Ich war der Ansicht, dass ich nicht bis zur Rente im Gemeinderat werde sitzen können», schildert Born die Beweggründe. Denn weil er nach Ende der Legislatur bereits 16 Jahre Gemeindepolitik gemacht haben wird, könnte er es verstehen, wenn Stimmen aufkämen, die eine erneute Amtszeit kritisch betrachteten. «Ich will kein Sesselkleber sein», betont Born.

Auf die Ausschreibung seiner neuen Stelle sei er von einem Bekannten aufmerksam gemacht worden. «Ich habe mich dann auf dem üblichen Weg beworben und letztlich den Zuschlag erhalten. Das ganze geschah aber ohne jeglichen Druck», erzählt Born. Gereizt hätten ihn vor allem die Verbindung zwischen einer Führungsposition und seinem angestammten Beruf als Jurist.

Auf was er sich am meisten freut und wovor er am meisten Respekt hat, kann Born noch nicht sagen. «Das wird sich zeigen, wenn ich mich ab meinem Stellenantritt konkret mit den neuen Herausforderungen befassen werde», so der Politiker.

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