Gruppenbild der Zuger Klima-Jugend mit Zuger Kantonsratspäsidentin: Monika Barmet steht leicht links der Mitte über dem Transparent. (Bild: mam)
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Gruppenbild der Zuger Klima-Jugend mit Zuger Kantonsratspäsidentin: Monika Barmet steht leicht links der Mitte über dem Transparent. (Bild: mam)

Zwei neue Anläufe zur Ausrufung des Klimanotstands in Zug

5min Lesezeit

Die Erderwärmung soll dauernd ein Thema bleiben: Die Organisatoren des letzten Zuger Klimastreiks haben am Donnerstag ein Transparent übergeben. 350 Leute haben darauf unterschrieben, dass im Kanton Zug der Klimanotstand ausgerufen wird. Gleiches fordern drei junge Kantonsrätinnen mit einem Postulat. Nun lädt die Zuger CVP-Präsidentin Laura Dittli die Klimabewegten an einen runden Tisch ein.

Markus Mathis

Netto-Null-Treibhausgasemissionen bis 2030 und endlich ein Handeln der Politiker, um den Kohlendioxidausstoss zu reduzieren, fordert die Schweizer Klimabewegung. Vor allem aber möchte sie mit der symbolischen Ausrufung des Klimanotstands erreichen, dass die Erderwärmung – und was man dagegen tun kann – immer in den Köpfen der Leute präsent bleibt. 

Auch in Zug, wo vergangenen Samstag ein Transparent mit einer entsprechenden Forderung am Klimastreik zu einer Bittschrift umfunktioniert wurde, erheben Aktivisten diese Forderung. Nachdem ein Vorstoss im Zuger Stadtparlament gescheitert ist (zentralplus berichtete), nun auch auf kantonaler Ebene. Am Donnerstagmittag übergaben die Organisatoren des Zuger Klimastreiks das Transparent mit den Unterschriften an Kantonsratspräsidentin Monika Barmet (CVP) – ihres Zeichens die höchste Zugerin.

«Bitte diskutiert unbedingt mit»

Für wie realistisch Barmet den Zeithorizont 2030 hält, ist nicht überliefert. Doch die Menzingerin hielt die Forderung der jungen Leute fotodokumentarisch fest und bedankte sich bei den Klimaaktivisten für ihr Engagement. «Wir begrüssen es, wenn ihr Euch im politischen Geschehen einbringt. Bitte diskutiert unbedingt mit», sagte sie. Später posierte die Christdemokratin zusammen mit den Aktivisten auf einem Gruppenfoto.

Zuvor hatten die drei jungen Kantonsrätinnen Isabel Liniger (SP, Baar), Anna Spescha (SP, Zug) und Stéphanie Vuichard (ALG, Zug) ein Postulat eingereicht, in dem sie ebenfalls die Ausrufung des Klimanotstands im Kanton Zug fordern. Die Eindämmung des Klimawandels solle als Aufgabe höchster Priorität erkannt werden. «Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist», begründen die drei ihren Vorstoss (zentralplus berichtete).

Wie wirken neue Gesetze aufs Klima?

In der Ratsdebatte war das Klima auch sonst ein Thema gewesen. Die vier Alternativen Andreas Lustenberger, Tabea Zimmermann Gibson, Anastas Odermatt und Stéphanie Vuichard wollen erreichen, dass künftig alle Regierungs- und Parlamentsgeschäfte neben den finanziellen auf die ökologischen Folgen abgeklopft werden – sprich, dass man bei allen Berichten und Anträgen eine CO2-Bilanz vorlegt. Ihre Motion wurde diskussionslos überwiesen. Die Auseinandersetzung darüber wird also später stattfinden – nachdem sich die Regierung Gedanken über das Ansinnen gemacht hat.

Der Klimawandel war schliesslich auch Thema bei einer ALG-Interpellation, die sich mit den Folgen des vergangenen Hitzesommers auseinandersetzte. Andreas Lustenberger (ALG, Baar) kam dabei sofort auf den Klimawandel zu sprechen. Er lobte die Zuger Regierung für ihre Bewältigung des Wassermangels, zeigte sich aber schockiert über die hohen Ozonwerte. Anna Spescha (SP, Zug) verlangte von der Regierung bessere Massnahmen gegen zu hohe Ozonwerte und generell eine bessere Vorbereitung auf den Klimawandel. Die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten seien «bei Weitem nicht ausreichend».

Genug trinken und das Mögliche tun

Tom Magnusson (FDP, Menzingen) fand, unter dem eigentlich sinnvollen Titel habe die ALG einen bunten Strauss an Klimafragen eingereicht, die kaum einen Bezug zum Kanton Zug hätten. «Böse Zungen könnten von einem Etikettenschwindel reden», sagte er. Magnusson fand, die Situation im Kanton sei stets unter Kontrolle gewesen. Er lobte Kanton und Gemeinden dafür, dass sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für den Klimaschutz einsetzen wollten und rief dazu auf, individuell das Mögliche beizutragen. Selber bei Hitze genug zu trinken, dafür weniger das Auto und die Velos zu waschen.

Hans Baumgartner (CVP, Cham) verlangte weitere Anstrengungen, um die Ozonwerte in heissen Sommern in den Griff zu bekommen. Er setzt grosse Hoffnungen ins kantonale Mobilitätskonzept, das die Regierung heuer erarbeitet und das dabei helfen soll, die Klimaziele zu erreichen. Bei aller Sachlichkeit kam anschliesssend Fabio Iten (CVP) auf den Klimawandel zu sprechen.

Fabio Iten erklärt das Wetter

Der Hitzesommer sei meteorologisch erklärbar: Ein Hoch habe sich über Skandinavien festgesetzt. Dies sei nicht aus Zufall entstanden, sondern hänge direkt mit dem Klimawandel und der Erwärmung der Arktis zusammen, sagte Iten. Anschliessend erklärte er, warum der Jetstream schwächer wird. Von der SVP äusserte sich niemand zum Thema.

Ohnehin war am Donnerstag interessant zu sehen, wie sensibel die Zuger CVP neuerdings auf die Anliegen der Klimabewegung reagiert. Kantonalpräsidentin Laura Dittli lud nach der Kantonsratsdebatte, bei der Transparentübergabe der Klimastreikenden, die «Zuger Klima-Jugend» an den runden Tisch ein, einer Diskussion, die am 30. April in der Kanti Zug stattfinden soll. Ihre Fraktion wolle mit den Jugendlichen über die momentane Lage sprechen – und über die Zukunft. «Wir sind offene, aber auch kritische Zuhörer und Gesprächspartner», sagte die Oberägererin.

CVP-Präsidentin Laura Dittli (rechts) lädt die «Zuger Klima-Jugend» in Form von Tim Kilchsperger (Mitte) an den runden Tisch ein.
CVP-Präsidentin Laura Dittli (rechts) lädt die «Zuger Klima-Jugend» in Form von Tim Kilchsperger (Mitte) an den runden Tisch ein. (Bild: mam)
 

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