Die Auswahl der Kandidaten ist gross: Wahlplakate in Kriens. (Bild: bic)
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Die Auswahl der Kandidaten ist gross: Wahlplakate in Kriens. (Bild: bic)

«Desaster» in Luzerner Agglo: Bürgerlicher Ärger über Wahlsystem

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Die FDP Kriens und Ebikon, die CVP Emmen und Horw und die SVP Ebikon und Horw haben eines gemeinsam: Keiner ihrer Kandidaten hat die Wahl in den Kantonsrat geschafft. Nun rufen bürgerliche Parteien aus der Agglomeration nach Veränderung.

Der Wahlsonntag ist vorbei, die Resultate werden nun breit analysiert. Es zeigt sich, dass die Agglo-Gemeinden, gemessen an ihrer Gesamtbevölkerung im Kantonsrat schlecht repräsentiert sind. 17 gewählte Kantonsräte stammen aus Kriens, Emmen, Horw oder Ebikon. Zum Vergleich: Die Stadt Luzern mit etwa gleich vielen Einwohnern hat 24 Mandate inne.

Unterschiede gibt es zwischen den Parteien: Während die Gewählten von SP und Grünen (je 5) mehrheitlich in den Agglo-Gemeinden wohnen, tun sich die Bürgerlichen unglaublich schwer, dort Sitze zu gewinnen. Die CVP besitzt zwei Mandate, FDP und SVP deren drei. 

CVP Emmen spricht von «Desaster»

Betroffen ist beispielsweise die CVP Emmen. Sie ist mit sechs Kandidaten im Wahlkreis Hochdorf angetreten und verlor sogar noch das Mandat: Jürg Meyer wurde nicht mehr gewählt. «Es ist ein Desaster. Wir sind wirklich konsterniert», sagt Parteipräsidenten Marta Eschmann dazu. Sie führt aus, dass Emmen im Vergleich zum Seetal keine traditionelle CVP-Gemeinde sei und man es deswegen zunehmend schwer habe.

Während die CVP beispielsweise in Eschenbach erneut zwei Sitze holt, geht die CVP Emmen leer aus. «Wir haben im Vorfeld viele Diskussionen mit anderen Ortsparteien geführt, mit dem Ziel, dass man solidarisch untereinander ist», sagt Eschmann. Dies habe sie eigentlich auch so wahrgenommen. Enttäuscht über das Ergebnis ist sie aber allemal. 

Wenn die Feldmusik kommt

Der Emmer SVP gelang es hingegen, ihre bisherigen beiden Sitze zu halten. Das «Problem» kennt SVP-Fraktionschef Urs Dickerhof aber. «Schon fast traditionell streicht das untere Seetal die Kandidaten aus dem oberen Seetal.» Eine andere Erklärung sei die tiefe Stimmbeteiligung in Emmen. Aufgrund der Grösse wirkt sich dies in absoluten Zahlen viel stärker aus.

Innerhalb der Gemeinde gäbe es auch wenig Solidarität für die eigenen Kandidaten. «Auf dem Land trägt man zu seinen Kandidaten viel mehr Sorge – auch parteiübergreifend», so der frühere Gemeinderat. «Wenn es dann jemand schafft, gibt's einen grossen Empfang, der Gemeinderat kommt gratulieren und die Feldmusik spielt auf. In Emmen ist sowas nicht umsetzbar.»

Krienser FDP-Stadtrat will System ändern

Die Problematik hat auch die FDP Kriens zu spüren bekommen. Stadtrat Matthias Senn landete nur auf Platz zwölf der FDP-Liste Luzern Land. Die FDP Kriens hat keinen Sitz im Kantonsrat trotz sechs Kandidierenden, die FDP Malters brachte hingegen zwei von drei ins Parlament. «In den Landgemeinden unterstützt man sich gegenseitig», stimmt er in den Tenor ein. «Und weiter scheint die Angst gross, dass den Kriensern nur schon die Stimmen aus Kriens reichen, deshalb streicht man sie vorsorglich», so der FDP-Stadtrat.

Fabienne Brauchli, Präsidentin der FDP Malters, die auf dem zweiten Ersatzrang und damit weit vor Senn landete, erklärt sich das gute Abschneiden der Malteser mit den Kandidaten. «Ruedi Amreins Wahl als Bisheriger ist nicht überraschend, mit unserer Gemeindepräsidentin Sibylle Boos-Braun haben wir eine gute Kandidatin portiert.» Ihr eigenes Abschneiden begründet sie mit der hohen Malteser Wahlbeteiligung. «Als junge Frau hatte ich sicher auch einen Bonus», so die 29-Jährige. 

In Kriens ist man derweil auf Spurensuche. «Wir haben gar eine überparteiliche Kampagne gestartet, damit die Krienser Wähler Krienser Kandidaten besser berücksichtigen», sagt Senn. Der SP ist das geglückt. Sie hat in Kriens das stärkste Resultat aller Parteien erzielt und schickt neu drei Kantonsräte ins Parlament. Der FDP-Politiker zaudert mit dem Ergebnis seiner Partei und ruft nach Massnahmen: «Wir müssen die Wahlkreise überdenken.» Ihm schwebt vor, dass die gesamte Agglo einen Wahlkreis bildet. Also Kriens, Emmen, Horw und Ebikon gemeinsam.

Vorstoss scheiterte bereits einmal

Marta Eschmann von der CVP Emmen fände neue Wahlkreise auch wünschenswert. Sie plädiert jedoch für einen Wahlkreis mit Emmen, Rothenburg und Rain. «Leider ist ein entsprechender Vorstoss vor acht Jahren gescheitert, aber das Wahlresultat offenbart deutlich, dass das heutige System nicht gut ist.»

Gut oder nicht gut? Die Frage lautet immer für wen. Bekanntlich sind SP, Grüne und Grünliberale in urbanen Gebieten besonders stark. Ein Wahlkreis «Agglo» könnte also auch ihnen in die Karten spielen. Möglicherweise würde sich das Anliegen der Bürgerlichen so bald zum Bumerang entwickeln.

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