Touristen am Schwanenplatz: Müssen diese fürs Anhalten bald bezahlen? (Bild: Aura)
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Touristen am Schwanenplatz: Müssen diese fürs Anhalten bald bezahlen? (Bild: Aura)

Bald sollen Cars in Luzern fürs Anhalten bezahlen

4min Lesezeit

Die SP forderte von der Stadtregierung ein Ticketsystem für die Zufahrt von Reisecars am Schwanen- und Löwenplatz. Das stösst beim Stadtrat auf offene Ohren: Dieser prüft eine «moderate Anhaltegebür» für Reisebusse. Wie hoch diese ausfällt, ist noch offen. Auch die Tourismuslobby steht der Idee offen gegenüber.

Cars, die am Schwanen- oder Löwenplatz Touristen ein- und aussteigen lassen, sollen künftig eine Gebühr bezahlen. Dies forderten die Stadtluzerner SP und Juso in einem Postulat (zentralplus berichtete). Die linken Politiker streben damit eine «gerechte Beteiligung der Touristen an den gesamtgesellschaftlichen Kosten, welche durch den Cartourismus entstehen».

Wenn jeder Reisebus künftig 160 Franken bezahlen würde, ergäbe das Mehreinnahmen von jährlich sechs Millionen Franken, hofft SP-Politiker Martin Wyss. Aktuell ist der kurze Halt für das Ein- und Aussteigen der Touristen kostenlos. Für einen reibungslosen Carverkehr stehen beim Schwanen- und Löwenplatz seit einigen Jahren Verkehrslotsen, die durch die Geschäfte finanziert werden (rund 300'000 Franken im Jahr).

Wichtiges Steuerungsmittel

Der Stadtrat begrüsst die Idee eines neuen Ticketsystems, wie er in der Antwort auf das Postulat schreibt. Es brauche kurz- und mittelfristig neben den bewährten Verkehrsdiensten weitere Massnahmen zur Optimierung des Cartourismus. «Ein Leitsystem wurde in den vergangenen zwei Jahren in Zusammenarbeit mit der EWL-Tochter Arcade Solutions AG entwickelt und steht kurz vor der Einführung», so der Stadtrat in einer Mitteilung.

Eine neue Gebühr für das Anhalten und Parkieren könne zudem ein wichtiges Steuerungsmittel sein. Deshalb unterstützt der Stadtrat die Forderung und will das Gebührensystem für die Anhalte- und Parkplätze überarbeiten.

Entscheidend wird die Höhe der Gebühr sein: Der Stadtrat will sich hier noch auf keinen Betrag festlegen und Fachleute miteinbeziehen und Vergleiche mit anderen Tourismusdestinationen herbeiziehen. Zu beachten sei, «dass Luzern zwar beliebt ist, sich aber dennoch – aus verschiedenen Gründen – nicht eins zu eins mit den europäischen ‹Must see›-Destinationen wie Paris, Rom oder Venedig vergleichen kann».

Nicht auf Tourismus-Vision warten

Die konkrete Ausgestaltung der Gebühr, eine mögliche Kombination mit Parkgegebühren auf dezentralen Anhalteplätze sowie die Verwendung der Gelder will der Stadtrat jetzt diskutieren und die Ergebnisse in einem Gesamtkonzept zusammenfassen.

Wie die Carpolitik in Luzern langfristig gelöst wird, ist derzeit noch offen. Rund um die Diskussion der neuen Parkhaus-Ideen hat die Stadt einen Prozess angestossen, um eine mehrheitsfähige Lösung zu finden (zentralplus berichtete). Dieser Prozess wird noch längere Zeit in Anspruch nehmen – darum will der Stadtrat nicht zuwarten und eine «moderate Anhaltegebühr» bereits parallel zu den laufenden Diskussionen über die Tourismus-Vision prüfen und einführen. Denkbar sei eine Verbindung mit den Massnahmen im Zusammenhang mit der Aufhebung der Inseli-Parkplätze, die vom Volk beschlossen wurde.

Auch Tourismuslobby ist offen für Gebühr

Unterstützung erhält der Stadtrat von Tourismus- und Wirtschaftsseite: Die IG Weltoffenes Luzern schreibt in einer Stellungnahme, dass Gebühren eine wirksame Massnahme zur Lenkung des Cartourismus bilden können. Die IG um City-Vereinigung-Präsident André Bachmann und Hotelier Mike Hauser begrüsst die Absicht, die Gebührenfestsetzung «mit der erforderlichen Sorgfalt» und unter «Miteinbezug von Fachleuten» anzugehen.

Die IG erwartet vom Stadtrat bezüglich möglicher Gebühren ein phasengerechtes Vorgehen. Die Einführung einer Gebühr bereits in der laufenden Analysephase lehnt sie ab, will sich aber aktiv bei der Erarbeitung eines Gebührenmodells einbringen.

Die IG Weltoffenes Luzern teilt die Einschätzung des Stadtrates, dass es falsch wäre, jetzt Massnahmen einzuleiten, ohne dass die Ziele und Absichten vorher mit den Betroffenen und unter Miteinbezug von Fachleuten geklärt wurden. «Dies gilt insbesondere für die Einführung von lenkenden Gebühren, deren Ziele und Höhe», so die Mitteilung.

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