Auch online buhlen die Kandidaten und die Kandidatin um einen Regierungsratssitz. (Bild: Montage jwy)
Politik

Auch online buhlen die Kandidaten und die Kandidatin um einen Regierungsratssitz. (Bild: Montage jwy)

Das Rennen um den Regierungsrat spielt sich analog ab

13min Lesezeit

Die angehenden Regierungsräte und das Internet: Kurz gesagt ein Trauerspiel. Kaum Videos, löchrige Websites, wenig Follower. Doch es gibt bei den Kandidaten auch positive Ausnahmen.

Wie steht’s um den digitalen Wahlkampf? Was bieten die acht Kandidaten und die Kandidatin auf ihren Websites, auf Social Media und in Sachen Videos? Neben einigen guten Beispielen stiessen wir auch auf die totale digitale Verweigerung, auf weisse Löcher und tote Links. Eine Übersicht.

Paul Winiker (SVP): bisher

Die Website des amtierenden Regierungsrats ist übersichtlich, die Texte wirken persönlich, man spürt sein Bemühen, nichts auszulassen. So zeigt er sich gern als Soldat Maillard beim Freilichttheater Kriens oder ein Bild seines Lizentiats von 1982.

Man sieht den SVP-Politiker im Kontext von Militär, Sport, Kultur und erfährt mehr über die Wurzeln der «Winiker». Das wirkt alles bodenständig und nahbar, aber doch auch recht handgestrickt. Winiker verlinkt dabei auch mal auf jene Seite, auf der man bereits ist.

Der Mann ist sich auch für Videos nicht zu schade, er spricht von dynamischer Entwicklung und düst mit einem E-Bike über den Sonnenberg. Er spricht vor dem Panorama in die Kamera und es hüpfen Ponys im Hintergrund. «Us dem Grund wähled mir de Paul Winiker als euse Regierigsrot.»

Paul Winiker hält seine Rede auf dem Sonnenberg vor grasenden Ponys.
Paul Winiker hält seine Rede auf dem Sonnenberg vor grasenden Ponys. (Bild: Screenshot)

Auch auf Social Media muss er sich nicht verstecken: 425 Twitter-Follower, 760 «Gefällt mir»-Angaben auf Facebook. Allerdings kaum mit eigenen Beiträgen, er retweetet vor allem seinen persönlichen Mitarbeiter Peter Soland (der auch hinter den Videos stecken dürfte) oder auch mal die «Weltwoche».

Fazit: Winiker überträgt sein Image konsequent ins Netz – das funktioniert.

Jörg Meyer (SP): neu

Seine Website kommt professionell und in zurückhaltenden Farbtönen daher. Man sieht sofort knackige Slogans von Unterstützern, einen ziemlich ausführlichen Medienspiegel über ihn, das Unterstützer-Komitee und wo er als nächstes auf seiner «Lozärner Tour» anzutreffen ist.

Man kann neben Bildern auch eine E-Mail-Fusszeile downloaden, nettes Gadget. Jedoch passiert auf der Seite wenig, trotz dynamischem Bild von Meyer wirkt die Seite statisch.

Schade auch, dass die SP-Kampagne nicht wirklich auf Bewegtbilder setzt. Seine Nominationsrede etwa findet man als PDF – aber man will ihn doch reden hören! Auf Social Media ist Jörg Meyer bei den Leuten mit 315 Twitter-Followern und 472 «Gefällt mir» auf Facebook. Was fehlt, sind Video-Beiträge mit Statements.

Fazit: Überdurchschnittlich für Luzerner Verhältnisse, aber es gäbe noch anderes als Text und Bilder.

Lieber auf der Strasse als auf Social Media?

 

Marcel Schwerzmann (parteilos): bisher

Wie wichtig dem Mann der Wahlkampf ist, sieht man daran, dass er keine Website hat. Da bleibt nur die Website der Finanzdirektion, wo Schwerzmann gedankenverloren mit seinen Fingern irgendetwas zählt.

Respektive, doch: Er hat eine Kampagnen-Website, die jedoch nicht googlebar ist und dementsprechend eher verhaltenen Traffic aufweisen dürfte.

Auch bezüglich Videos und Social Media ist Schwerzmann, nun ja: zurückhaltend. 109 Follower auf Twitter, aber er hat seit März 2015 noch keinen einzigen Tweet abgesetzt. Auch auf eine Facebook-Seite verzichtet der parteilose Mann. Er führt immerhin ein persönliches Profil, doch da postet er öffentlich etwa zweimal im Jahr etwas.

Was soll’s: Die Meinungen über den Kopf hinter der Tiefsteuerstrategie sind wohl gemacht und er hatte den prominentesten Auftritt im Steuerfilm «Kopf oder Zahl». Wer braucht noch Youtube und Twitter, wenn er die Kinosäle hat?

Fazit: Die Nonchalance, mit der er in den Nicht-Wahlkampf steigt, hat etwas durchaus Überzeugendes.

Schwerzmann folgt immerhin 38 Personen, twittert aber nichts.
Schwerzmann folgt immerhin 38 Personen, twittert aber nichts. (Bild: Screenshot)

Korintha Bärtsch (Grüne): neu

Etwas überladen und knallig, so wie die ganze Kampagne der grünen Partei, kommt die Website der einzigen Kandidatin daher. Dafür gibt es viel zu entdecken. Man sieht Korintha beim Wandern (sie duzt die Besucher), mit Rudern und in anderen Aktionen. Positiv: Sie bringt ihre Politik mit gut platzierten Kernbotschaften auf den Punkt und an den User.

Was fehlt, und was man sich von der deutlich jüngsten Kandidatin gewünscht hätte: Videos, Social-Media-Content und ähnliches. Denn auf den einschlägigen Portalen ist Bärtsch eher unterdurchschnittlich unterwegs: 246 «Gefällt mir» auf Facebook, kein Twitter-Profil.

Fazit: Eine solide Website, aber man wünscht sich mehr von der Herausforderin.

Slogans attraktiv platziert auf der Website von Korintha Bärtsch. (Bild: Screenshot)

Guido Graf (CVP): bisher

Zuerst springt einem ein Pop-up mit dem CVP-Doppelgespann als Jasskarten entgegen. Beide in Trachten, und wieso sind beide «Under»? Ist das sympathisches «Under»-Statement?

Weiter auf der Website des Jasskarten-Menschen Guido Graf. Sie kommt recht textlastig daher. «Handeln statt reden» steht in einer seltsam scharf geschnittenen Schrift neben seinem Bild.

Im Porträt («Ein Mensch wie jeder andere auch») wird’s persönlich, Guido Graf würde eine Fischerrute und eine gute Flasche Wein auf eine Insel mitnehmen – es menschelt. Zudem gibt’s eine riesige Fotogalerie, wo er von seiner bisherigen Tätigkeit zehren kann. Wahlkampf-Videos? Sucht man auch bei ihm vergebens. Es gibt zwar offizielle Regierungsratsvideos, aber keine zum Wahlkampf.

Social Media: 207 «Gefällt mir» auf Facebook, 412 Follower auf Twitter.

Fazit: Solide bei den Leuten.

Das CVP-Gespann tritt als Jasskarten auf.
Das CVP-Gespann tritt als Jasskarten auf. (Bild: Screenshot)

Fabian Peter (FDP): neu

Die Website animiert zum Scrollen: Der FDP-Herausforderer bezeugt mit Unterschrift, wieso er «bodeständig und gradlinig» ist. Er zeigt sich «onderwägs» und dokumentiert weit unten sein Instagram-Leben auf Skipisten, an der Fasnacht oder beim Juchzen:

 
 
 
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Gestern Erstaufführung #Freudejuzer #landobdewolke #seelenbalsam

Ein Beitrag geteilt von Fabian Peter (@fabianvpeter) amFeb 9, 2019 um 9:13 PST

 

Der FDP-Neukandidat ist also digital nah bei den Leuten, er spricht sie direkt an und bringt seine Standpunkte als Unternehmer, Politiker und Familienmensch kurz und prägnant rüber. Da fehlt nichts, ausser, tja: Videos!

Social Media: 431 «Gefällt mir» auf Facebook, kein Twitter, 316 Abonnenten auf Instagram

Ah doch ein Video, ein eher handgestricktes Filmchen seines Wahl-Events finden wir doch noch:

 

Fazit: Sehr solide, auch im Web bringt Peter seine staatsmännischen Ambitionen gut rüber.

Reto Wyss (CVP): bisher

Eine knochentrockene Angelegenheit ist der Webauftritt bei Reto Wyss. Wie ernst er es mit der Web-Präsenz meint, zeigt, dass seine Website (Stand 12.3.) nicht mal funktioniert: Die Rubriken (Persönlich, Profil, Wahlen) lassen sich nicht in allen Browsern anklicken, überall gibt’s rätselhafte weisse Flecken und zuunterst erst stösst man auf das bereits bekannte Jasskarten-Sujet mit Guido Graf.

Ein Button «Videos» macht neugierig, führt aber ins Leere. Und wenn man auf «Wahlen 2019» klickt, zeigt es als Domain «wahlen-2015.html» an. Lieber sein lassen als sowas! Eine grössere Unlust am digitalen Wahlkampf ist kaum möglich. Müssig zu erwähnen, dass Reto Wyss auf Facebook verzichtet. Immerhin hat er 211 Twitter-Follower, wo er an Podien und Auftritten zu sehen ist.

Fazit: Würde jemand Wahlplakate mit weissen Flecken statt Bildern aufhängen? Eben.

Ausbaufähig: Der Internet-Auftritt von Reto Wyss.
Ausbaufähig: Der Internet-Auftritt von Reto Wyss. (Bild: Screenshot)

Roland Fischer (GLP): neu

Der Herausforderer der Grünliberalen unterscheidet zwischen einer persönlichen Website mit Skitouren-Fotos und einer Komitee-Website, wo die Wahl im Vordergrund steht. Und es ist sternenklar: Hier lässt er seine Mitbuhler und die Mitbuhlerin weit hinter sich: professionelle Bilder, übersichtliche Gliederung, sinnvolle Gestaltung. Die GLP scheint ihrem Ruf als fortschrittliche Partei gerecht zu werden.

Auch auf den sozialen Medien gibt sich Roland Fischer keine Blösse: Auf Instagram (149 Abonnenten) ist er zwar auch mehrheitlich im Kontext von Bergen zu sehen, aber mit seinen über 1'600 Twitter-Followern schlägt er alle Konkurrenten. Und vor allem: Seine Debattenbeiträge scheinen echt und nicht aus der Kommunikationsabteilung. Auf Facebook hat er mit 171 Abonnenten auch noch Luft nach oben.

Auch in Sachen Videos läuft bei ihm nicht viel. Und wenn, dann wirkt er im Bewegtbild etwas steif – aber der Ökonom ist halt nicht der Mann der überschwänglichen Voten. Aber mit der Handyästhetik der Filmchen ist er viel authentischer und überzeugender als mit zusammengeschusterten Youtube-Filmchen:

 

Fazit: Gut gemacht, Daumen hoch! Da gibt es wenig auszusetzen.

Rudolf Schweizer (parteilos): neu

Keine Webpräsenz. Einzig über parteilose-schweizer-luzern.ch ist der Sonderling auffindbar. Ein kleines Bild, das Parteiprogramm in 22 Punkten, Kontaktdaten. Mehr gibt der Aussenseiter nicht her.

Fazit: Nicht bewertbarer Kurzeinsatz.

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