GLP-Kantonsrat Daniel Stadlin schaut den ZVB aktuell auf die Finger. (Bild: wia/Montage zentralplus)
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GLP-Kantonsrat Daniel Stadlin schaut den ZVB aktuell auf die Finger. (Bild: wia/Montage zentralplus)

Zuger Busbeschaffung sorgt für rote Köpfe

6min Lesezeit

Die ZVB sind gerade daran, neue Busse zu bestellen. Diesel- und Hybridbusse sollen es sein. Dies sehr zum Unverständnis der GLP-Fraktion im Zuger Kantonsrat. Die Grünliberalen fordern, bereits weiterzudenken und neue Technologien miteinzubeziehen – trotz Mehrkosten. Auch der Regierungsrat wird in die Pflicht genommen.

Welchen Bussen gehört die Zukunft? Wird sich beim Antriebsstrang die Hybridtechnik durchsetzen? Oder Wasserstoff? Oder Elektro? Klar ist: Dieselmotoren werden es nicht sein. Dieser Meinung ist auch die GLP-Fraktion im Zuger Kantonsrat.

Umso saurer stösst es Daniel Stadlin, Claus Soltermann, Alice Zweifel und Martin Zimmermann auf, dass die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) weiter auf Diesel setzen. Denn gerade sind die ZVB mittels Ausschreibung daran, gut 30 neue Busse für sich zu bestellen (zentralplus berichtete). Die GLP im Kantonsrat hat ein entsprechendes Postulat eingereicht.

Verschiedene Hybridmodelle getestet

«Bei der aktuellen Ausschreibung können uns von den Herstellern Diesel- und Hybridbusse angeboten werden. Anhand eines Kriterienkatalogs werden wir dann die geeignetsten Fahrzeuge auswählen», erklärt die ZVB-Mediensprecherin Karin Fröhlich.

Um Erfahrungen zu sammeln, hätten die ZVB in den vergangenen Jahren verschiedene Modelle im Einsatz gehabt. Aktuell sei ein Modell im Linienverkehr unterwegs. Wie viele der 116 Busse in ihrem Flottenbestand Hybridbusse sind, möchte man nicht sagen.

Von Seiten der ZVB betont man jedoch, dass man auf Elektromobilität setze. Elektromobilität ausbauen sei Teil der Unternehmensstrategie. Entsprechend werde in diesen Teil investiert.

«Es ist nicht sehr zeitgemäss, den Fokus immer noch konsequent auf Dieselbusse zu legen.»

Daniel Stadlin, Kantonsrat GLP

Zurück zur aktuellen Bestellung: Auf Vorrat würden keine Fahrzeuge beschafft, so Fröhlich. Dadurch könne situativ auf neue Technologien gesetzt werden. Bei der aktuellen Ausschreibung handle es sich um die reguläre Ersatzbeschaffung von Bussen für die Jahre 2020–2024. Eine Abnahmepflicht bestehe nicht, hingegen die Möglichkeit, eine Ausschreibung für Elektrofahrzeuge zu einem späteren Zeitpunkt durchzuführen.

Bis wann sind die Dieselbusse im Einsatz?

Die Bestellung stösst bei den Grünliberalen trotzdem auf Unverständnis. «Es ist nicht sehr zeitgemäss, den Fokus immer noch konsequent auf Dieselbusse zu legen», sagt Daniel Stadlin, Vizepräsident der Zuger GLP.

Stadlin rechnet vor: «Bis die bestellten Busse effektiv auf den Zuger Strassen unterwegs sein werden, dauert es noch eine Weile. Die Busse werden rund 15 Jahre im Einsatz sein. Das heisst, die Dieselbusse könnten bis 2040 im Gebrauch sein.»

«Diesel ist heutzutage nicht die einzige Möglichkeit. Man sollte die Palette aufmachen und Alternativen prüfen.»

Daniel Stadlin

Viel zu lange aus Sicht der GLP. «Dies würde die Möglichkeit, Busse mit umweltfreundlicheren und energieeffizienten Antriebstechniken anzuschaffen (...), für längere Zeit verunmöglichen», schreibt die Partei im Postulat.

Andere Städte machen es vor

Dieselfahrzeuge würden relativ viel CO2-Emissionen verursachen. «Diesel ist heutzutage nicht die einzige Möglichkeit. Man sollte die Palette aufmachen und Alternativen prüfen», fordert Stadlin auf die Busbeschaffung angesprochen.

Bereits viele Städte würden deshalb die mittelfristige Ablösung der Diesel- und Erdgasbusse planen. So seien Städte wie Genf, Bern, Solothurn und Schaffhausen daran, ihre Busflotte zukünftig auf Elektrobusse umzustellen, so die Grünliberalen weiter.

«Vollelektrische Batteriebusse kosten – Stand 2018 – doppelt soviel wie Dieselbusse.»

Karin Fröhlich, Mediensprecherin ZVB

Sie möchten, dass die ZVB die Zahl der Dieselbusse in ihrem Fahrzeugbestand schrittweise runterschrauben.

Ob die ZVB dies im Sinn hat, bleibt offen. Die Verkehrsbetriebe reagieren ausweichend: «Die Technologie bei den vollelektrischen Batteriebussen für den Linienverkehr ist noch jung und entwickelt sich zurzeit rasch weiter, weshalb ein schrittweises Vorgehen empfehlenswert ist», sagt Karin Fröhlich.

Mängel bei der Reichweite

Die aktuelle Generation der Elektrobusse auf dem Markt, sogenannte Batteriebusse im System Depotlader, könnten hinsichtlich Einsatzmöglichkeiten – vor allem hinsichtlich Reichweite – nicht mit Dieselfahrzeugen verglichen werden.

Daniel Stadlin nimmt jedoch nicht bloss die ZVB in die Pflicht, sondern auch den Regierungsrat, da der Kanton mit 68 Prozent Hauptaktionär der ZVB ist. Er sagt: «Klar, die ZVB sind ein eigenständiges Unternehmen. Jedoch sollte die Regierung ihre Meinung einbringen und sich bei den ZVB dafür starkmachen, den Entscheid nochmals zu überdenken.»

Die Krux mit der Finanzierung

Seit diesem Jahr ist das Amt für öffentlichen Verkehr beim Regierungsrat nicht mehr der Volkswirtschaftsdirektion, sondern der Baudirektion unterstellt. Der zuständige Regierungsrat Florian Weber (FDP) war innert nützlicher Frist für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Von Seiten der ZVB heisst es, man stehe bezüglich des Themas mit dem Kanton in Kontakt. Dies auch aus Kostengründen. Denn: «Vollelektrische Batteriebusse kosten – Stand 2018 – doppelt soviel wie Dieselbusse», rechnet Fröhlich vor. «Auch unter Betrachtung der Lebenszykluskosten gehen aktuelle Studien von Mehrkosten aus.»

Momentan stehe der ÖV unter Kostendruck und die Vorgaben der Kantone und des Bundes forderten weitere Kostenreduktionen. Dies ist eine Diskrepanz, welche aufgelöst werden müsse.

Zustupf für Elektrobusse lockt

Tatsächlich könnte es für die Verkehrsbetriebe schon bald finanzielle Unterstützung geben. Denn: Die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrates hat am 15. Januar ein Postulat eingereicht, das den Bundesrat beauftragt, Massnahmen zur finanziellen Förderung der Umstellung von Dieselbussen auf umweltfreundliche, klimaneutrale, nicht fossile Busse aufzuzeigen. Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.

Da sich auch eine Parlamentsmehrheit dafür ausspricht, sieht es gut aus, dass den ZVB in absehbarer Zeit finanzielle Unterstützung zur Anschaffung von Elektrobussen zur Verfügung stehen wird.

Einen Elektrobus haben die ZVB mit dem eCitaro bereits bestellt (zentralplus berichtete). Fröhlich dazu: «Wir investieren in die Infrastruktur, das heisst, wir bauen eine eTankstelle und rüsten unsere Werkstatt auf, so dass wir den eCitaro warten und betreiben können. Zudem schulen wir unser Werkstattpersonal auf die neue Technologie.»

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