An einer Feier der BDP Schweiz lächelte die JBDP in die Kamera. In der Bildmitte auch die beiden Luzerner Nico Planzer und Denis Kläfiger. (Bild: Facebook/ BDP Kanton Luzern)
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An einer Feier der BDP Schweiz lächelte die JBDP in die Kamera. In der Bildmitte auch die beiden Luzerner Nico Planzer und Denis Kläfiger. (Bild: Facebook/ BDP Kanton Luzern)

Liebe BDP, wir müssen reden!

9min Lesezeit

Die bürgerlich-demokratische Partei des Kantons Luzern sorgt mal wieder für Furore. Für die Wahlen kandidieren Personen, die davon nichts wussten. Es ist nicht der erste Ausrutscher der Minipartei. zentralplus versucht eine Annäherung und wendet sich mit einem Brief direkt an die Partei.

Liebe Luzerner BDP, du hast es tatsächlich wieder getan: Auch 2019 nominierst du Personen, die von ihrem «Glück» nichts wussten. Die Überraschung beim Coiffeur deines Präsidenten war gross, als er plötzlich Kandidat war. Als dann noch sein Konterfei im «Rontaler» erschien, war er definitiv «not amused». Offenbar hat dein Parteipräsident, Denis Kläfiger, die paar Sätze dazu selbst verfasst, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet.

Ach herrje, BDP. Bereits 2015 sind bei dir Personen auf den Wahllisten gelandet, die das nicht wollten. Das Ganze flog auf, als obengenannte Zeitung in ihrer Wahlbeilage alle Kandidaten mit Porträt abbildete und sich rund ein Drittel deiner Kandidaten weigerte, ein Foto einzureichen (zentralplus berichtete). Dass Kandidaten im Wahlkampf auch noch in den falschen Wahlkreisen von Plakaten lachten, machte das Chaos damals perfekt.

Wahlbeilage der «NLZ»: Graue Felder, wo die  Fotos der BDP-Kandidaten prangen sollten.
Wahlbeilage der «NLZ»: Graue Felder, wo die Fotos der BDP-Kandidaten prangen sollten. (Bild: mbe.)
 

CVP, die passt dir nicht

Ich weiss, du hast es schwer in Luzern. Nicht nur 2015 klappte es nicht mit einem Sitzgewinn im Kantonsrat. Auch bei allen darauffolgenden Wahlen, ob Gemeindeparlament oder Gemeinderat, gelang es dir nicht, einen Sitz zu gewinnen. Du willst doch endlich dein langersehntes Ziel erreichen. Denn ohne Mitsprache in politischen Gremien wird's für dich richtig schwer, wahrgenommen zu werden.

Was also tust du? Medienmitteilungen mit Pfeffer verschicken, lautet offenbar deine Devise. Bereits acht an der Zahl waren es allein im Jahr 2019. So zum Beispiel diese Woche, als du die Empfehlungen für die Regierungsratswahlen bekannt gabst. Korintha Bärtsch (Grüne), Jörg Meyer (SP), Roland Fischer (GLP), Fabian Peter (FDP) und Paul Winiker (SVP) möchtest du also im Fünfergremium sehen. Um den progressiven Kräften Rechnung zu tragen, lautet die Begründung. Dazu gehört deiner Ansicht nach die SVP, nicht aber die CVP. Weshalb genau willst du die grösste Partei im Kanton nicht dabeihaben? Notabene jene Partei, mit der auf nationaler Ebene während Jahren eine Fusion zur Debatte stand.

Dein Verhältnis zur CVP ist sowieso interessant. Anfang Jahr hast du dich entschlossen, in der Stadt Luzern keine Listenverbindung mit der CVP einzugehen. «Es macht wenig Sinn, sich mit einem Partner zu verbinden, der sich ideologisch immer weiter entfernt», begründetest du. Die städtische CVP wird's verkraften können – und wie stark sie sich in den letzten Jahren tatsächlich inhaltlich bewegte, sei einmal dahingestellt.

Nur, in welche Richtung zielst eigentlich du, als bürgerlich-demokratische Partei? Auf Twitter hast du von CVP-Anhängern ordentlich Haue gekriegt. Hier ein Beispiel:

 

Der Aussage, nach links gerückt zu sein, kannst du nicht mal gross widersprechen. Gemeinsam mit SP und Grünen hast du die Initiative «für faire Unternehmensststeuern» unterstützt, welche die Firmensteuern um 50 Prozent erhöhen wollte. Die «anderen Bürgerlichen» lehnten die Initiative geschlossen ab, es konnte als dein Abschied aus dem bürgerlichen Lager verstanden werden. Danach hast du mit deinen Haltungen Verwirrung gestiftet. Bei den drei Initiativen der «Allianz für Lebensqualität» hast du dich einmal links und zweimal bürgerlich positioniert. Weisst du, wo du stehst? 

Warum so gegen den Durchgangsbahnhof?

Nun gut, du hast in den letzten Jahren auch mit inhaltlichen Positionen auf dich aufmerksam gemacht. Nach wie vor kämpfst du als einzige Partei gegen den Durchgangsbahnhof Luzern. Ob du mehr weisst als die anderen? Was ist eigentlich aus deiner Petition gegen den Tiefbahnhof geworden, die du einst gross angekündigt hast? Gehört hat man davon nichts mehr.

Eines deiner weiteren Steckenpferde ist der Beitritt der Stadt Luzern zum «Rainbow Cities Network». Dies soll zeigen, dass Luzern eine offene und liberale Stadt ist, in der auch die LGBT Community dazugehört. Über seine sexuelle Orientierung machten deine Partei-Oberen nie ein Geheimnis, was durchaus sympathisch ist. Dein Präsident Denis Kläfiger und Nico Planzer, dein früherer Parteisekretär und heutige Präsident der Jungen BDP Schweiz, waren ein Paar und präsentierten sich stolz (zentralplus berichtete). 

Speziell ist hingegen, wie du dem Anliegen Gehör verschaffen wolltest und noch immer willst. Mittels Bevölkerungsantrag hast du das Anliegen im Stadtparlament eingebracht, dazu waren 200 Unterschriften nötig. Die Öko-Allianz befürwortete dein Anliegen, wegen Abwesenheiten waren die Bürgerlichen aber in der Mehrheit und versenkten deine Idee. Was tust du? Erneut hast du einen Bevölkerungsantrag mit dem selben Inhalt lanciert und ihm den Titel «liefere statt lafere» verpasst. Hättest auch einfach einem Gleichgesinnten einen fixfertigen Vorstoss zukommen lassen können. Aber stimmt, dann hättest du ja die Lorbeeren eines möglichen Erfolgs nicht ernten können. Etwas, was du dir so sehnlichst wünscht.

BDP, wo steckst du?

Nun gut, liebe BDP. Eigentlich finde ich es ja super, dass du und deine Mitglieder sich politisch engagieren. Auch mit deinem Wahlkampfleiter hast du einen Volltreffer gelandet. Dass so viele Zeitungen darüber berichteten, bescherte dir viel Gratiswerbung. Davon träumen andere Parteien nur.

Superathlet Valentio Martignetti leitet den Wahlkampf der BDP:

 

Aber bitte, denk ab und zu etwas mehr nach. Ein Portal hat deinen Präsidenten einst als «hochnotpeinlichen Egomanen» bezeichnet. Wenn dann in Gratiszeitungen Storys auftauchen, welche das Familienleben deines Präsidenten und seiner Mutter, die heute deine Vize-Parteipräsidentin ist, in unvorteilhaften Zusammenhängen darstellen, so nützt das deinem politischen Profil nichts.

Gerne hätte ich auch mit deinen Vertretern selbst gesprochen. Mehrfach versuchte ich deinen Präsidenten zu erreichen – er geht einfach nicht ans Telefon. In der Mailsignatur deiner Vizepräsidentin taucht leider die gleiche Nummer auf. Und dein Sekretär hat sich gleich ganz abgemeldet. Dort heisst es: «Die Anrufe auf diese Nummer sind im Moment blockiert.» Liebe BDP, wir müssen reden!

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