Hinter der linken Wand verkehren bald Fahrräder: Der neue Velotunnel wird parallel zur bestehenden Personenunterführung entstehen. (Bild: jal)
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Hinter der linken Wand verkehren bald Fahrräder: Der neue Velotunnel wird parallel zur bestehenden Personenunterführung entstehen. (Bild: jal)

Grünes Licht für Velotunnel am Bahnhof – aber ohne freie Fahrt

7min Lesezeit

Das Stadtparlament hat den Kredit für die Planung des Velotunnels unter dem Bahnhof gesprochen. Es wird aber viel mehr ein Parkhaus als ein Veloweg. Quasi eine Light-Version. Richtig zufrieden war damit kaum jemand. CVP und SVP wollten gar ein altes Projekt aus der Schublade holen. Auch ein Referendum steht im Raum.

Unter dem Luzerner Bahnhof gibt es bald Platz für mehr Fahrräder. Das Luzerner Stadtparlament hat am Donnerstag grünes Licht gegeben für die Planung des Projekts. Der Velotunnel soll die Neustadt mit der Universität verbinden und 800 Parkplätze umfassen. Gegraben werden muss aber nicht: Standort ist der ehemalige Logistiktunnel der Post, der parallel zur Fussgängerunterführung unter den Gleisen liegt (zentralplus berichtete). Bereits in diesem Jahr soll zudem ein Provisorium für 400 Abstellplätze erstellt werden.

Das Projekt steht schon lange in den Startlöchern. Doch einen ersten Vorschlag des Stadtrates schickte das Parlament vor anderthalb Jahren zurück an den Absender (zentralplus berichtete). Die Kritik zielte darauf ab, dass Velofahrer ihre Fahrzeuge hätten schieben müssen. Geht gar nicht, befand die Mehrheit, ein befahrbarer Tunnel muss her.

Tiefbahnhof als Herausforderung

Doch das geht mächtig ins Geld, wie der Stadtrat kürzlich aufzeigte. Mit 11 oder sogar 15 Millionen Franken würden die Kosten zu Buche schlagen, wenn eine ebenjener beiden Varianten käme, bei denen Velofahrer durchsausen könnten. An sich wäre das wohl diskutabel, wie das geplante Veloparking unter der Bahnhofstrasse zeigt, dessen Kosten im ähnlichen Rahmen liegen (zentralplus berichtete).

SVP kündigt Referendum an

Der Kredit für den Velotunnel ist noch nicht in trockenen Tüchern. Wie SVP-Grossstadtrat Mario Willimann auf Twitter ankündigt, wird seine Partei das Referendum dagegen ergreifen.

 

Es ist zurzeit ein beliebtes Mittel bei der Partei. Sie sammelt zurzeit bereits gegen das Budget 2019 sowie gegen das geplante Veloparking unter der Bahnhofstrasse Unterschriften, um eine Volksabstimmung zu ermöglichen.

Es gibt aber einen wichtigen Unterschied: Sobald der Durchgangsbahnhof gebaut wird, muss der Velotunnel unter den Gleisen weichen. Es handelt sich also nur um ein temporäres Projekt. Deshalb hat der Stadtrat nun erneut eine Light-Version vorgeschlagen: Im Tunnel soll es Doppelstock-Parkieranlagen für insgesamt 800 Velos geben, wie sie bereits heute an der Zentralstrasse stehen. Dadurch fehlt aber der Platz für einen Veloweg im Tunnel. Immerhin kann man das Fahrrad schieben und so sicher zum Inseli gelangen. Auf der Neustadt-Seite würde die bestehende Wendeltreppe abgerissen und durch eine neue Rampe an der Habsburgerstrasse ersetzt (siehe Grafik).

Erneut zurück an den Absender?

Ein Kompromiss, der im Parlament kaum Jubelsprünge auslöste. Für CVP und SVP war klar, dass sich die Extraschlaufe nicht gelohnt hat. Im Gegenteil: Man habe unnötig Zeit verloren und nun drei teurere Varianten auf dem Tisch als jene von 2017, die weniger als drei Millionen gekostet hätte. «Nach den zusätzlichen Abklärungen ist eigentlich klargeworden, dass das ursprünglich vorgeschlagene Vorgehen das Beste wäre», sagte Roger Sonderegger (CVP). Seine Fraktion schlug darum vor, den aktuellen Bericht zurückzuweisen und auf den ursprünglichen Vorschlag mit Schieberillen auf den Zugangstreppen zurückzukommen.

 

 

 

Die SVP konnte gar keine der drei vorgeschlagenen Varianten unterstützen, wie Urs Zimmermann sagte. «Auch bei der günstigsten Variante C haben wir dreimal höhere Kosten als beim früheren Projekt.» Seine Fraktion setzte sich deshalb auch für eine Rückweisung ein. Doch damit standen SVP und CVP auf verlorenem Posten: Ihr Antrag wurde klar abgelehnt. 

CVP drohte mit Referendum

Danach begann im Stadtparlament das Taktieren. Denn SP und Grüne bevorzugen eigentlich die mittlere Variante: Mit weniger Parkplätzen, aber freier Durchfahrt. Denn für sie ist das nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit, sondern auch der Sicherheit. Dank eines befahrbaren Tunnels müssten Velofahrer nicht mehr den gefährlichen Bahnhof queren, um zur Universität, an die Kanti oder an den See zu gelangen.

Doch die CVP kündigte gleich zu Beginn an, dass sie dagegen das Referendum ergreifen würde. Ein so teures Provisorium für nur wenige Jahre sei nicht verhältnismässig, so die Kritik. Ins gleiche Horn stiess die SVP: «Für uns ist es absolut nicht nachvollziehbar, dass man so immense Beträge für ein Projekt ausgeben will, das man nur wenige Jahre nutzen kann», sagte Urs Zimmermann. Auch die FDP signalisierte, ein Referendum ins Auge zu fassen, sollte die teurere Variante durchkommen.

Die geplante Rampe der Variante C: Die Velofahrer gelangen in den ehemaligen Posttunnel, für die Fussgänger gibt es statt Wendeltreppe auch eine neue Rampe mit Treppe und Lift. Visualisierung: zvg
Die geplante Rampe der Variante C: Die Velofahrer gelangen in den ehemaligen Posttunnel, für die Fussgänger gibt es statt Wendeltreppe auch eine neue Rampe mit Treppe und Lift. Visualisierung: zvg

Und so schwenkten letztlich auch einzelne SP-Grossstadträte auf diese Variante um. In der Abstimmung gewann die Light-Version deshalb mit 22 zu 18 Stimmen gegenüber der mittleren Variante.

Am Ende sprach das Stadtparlament die 1,27 Millionen Franken für die Planung des Velotunnels «Light». Damit kann der Stadtrat das Projekt nun endlich angehen.

Baustart wohl 2022

Er geht davon aus, dass das Bauprojekt im Herbst 2021 vorliegt. Dann wird das Parlament über den Baukredit von weiteren 7,5 Millionen Franken entscheiden. Mit dem Baustart wird 2022 gerechnet. Definitiv den Betrieb aufnehmen soll der neue Velotunnel im Jahr 2024. Wie lange er dann tatsächlich gebraucht werden kann, hängt davon ab, wann der Bau für den Durchgangsbahnhof startet.

Ganz für die Katz sind die Millionen aber auch dann nicht: Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) hielt aber am Donnerstag fest, dass die geplante Rampe «eine gute Vorinvestition für den Durchgangsbahnhof» sei. Denn sie würde dereinst von Fussgängern weiterhin als Zugang zum Bahnhof genutzt werden.

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