Die Pfistergasse soll aufgewertet werden und eine Pflästerung wie in der Kleinstadt erhalten. (Bild: jwy)
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Die Pfistergasse soll aufgewertet werden und eine Pflästerung wie in der Kleinstadt erhalten. (Bild: jwy)

Nun will die Stadt Luzern die Pfistergasse aufhübschen

7min Lesezeit

Der Stadtrat legt dar, welche zehn Projekte er bald angehen will, um die Innenstadt attraktiver zu machen. Dazu gehören die Pfistergasse, der St.-Karli-Quai und der Bundesplatz. Doch die personellen Ressourcen in der Verwaltung sind zu knapp, daher will der Stadtrat für 4,3 Millionen Franken neue Stellen schaffen.

Wenn Luzern bis 2035 um 16’000 Einwohner wächst, will die Stadt zu den Freiräumen besondere Sorge tragen. Darum legt der Stadtrat erstmals eine gesamtstädtische Strategie zur Nutzung und Gestaltung der öffentlichen Räume vor – also Strassen, Plätzen, Parks und Uferanlagen.

Von einer «Renaissance des öffentlichen Raums» spricht Stadträtin Manuela Jost: «Die Stadt wandelt sich von einem Durchgangsort zu einem Aufenthaltsort.» Bevölkerung, Arbeiter aber auch Gäste würden heute multifunktionale Räume erwarten.

Mit dem Fokus auf Fussgängerfreundlichkeit hat der Stadtrat vier Leitplanken definiert, anhand deren er die künftige Aufwertung angeht:

  1. Durch eine Neuverteilung der Flächen soll Raum für Begegnungen geschaffen werden (Vorbild: Helvetiaplatz)
  2. Vielfältige Nutzungen ermöglichen und niederschwelligen Zugang sichern (Vorbild: Nordpol am Reusszopf)
  3. Verschiedene Nutzungen aufeinander abstimmen und Stadt der kurzen Wege ermöglichen (Vorbild: Hirschmatt/Neustadt)
  4. Synergien nutzen und gemeinsam mit Partnern und der Bevölkerung vorgehen (Vorbild: Kleinstadt)

Pfistergasse wird aufgehübscht

Einige Aufwertungsprojekte in der Innenstadt sind bereits abgeschlossen (Grendel/Löwengraben) oder stehen unmittelbar bevor, etwa die Neugestaltung des Bleichergärtli (beim Himmelrich) oder die Bahnhofstrasse. Als nächstes Projekt kommen nun die Pfistergasse und der Reusssteg dazu, also der Uferbereich beim Reusswehr.

Quasi als Erweiterung der frisch sanierten Kleinstadt werden im Zuge der Werkleitungssanierungen die Oberflächen neu gepflästert. «Wir wollen die Pfistergasse zu einem Begegnungsort und einer durchgehenden Fläche ohne Trottoirs aufwerten», sagt Dominik Frei, Ressortleiter Gebietsentwicklung und öffentlicher Raum bei der Stadt.

Wie das konkret aussieht, ist noch offen: Für die Erarbeitung des Vor-, Bau- und Auflageprojekts ab 2020 beantragt der Stadtrat beim Parlament nun 700’000 Franken. Die Bauarbeiten sollen 2024 beginnen.

Die Pfistergasse heute: ein wenig attraktiver Strassenraum mit kaum Charakter.
Die Pfistergasse heute: ein wenig attraktiver Strassenraum mit kaum Charakter. (Bild: jwy)

Im Parlament unumstritten

In der 70-seitigen Stadtraumstrategie hat der Stadtrat insgesamt zehn Aufwertungsprojekte für den Zeitraum 2019 bis 2023 definiert. Einige davon stammen aus dem ursprünglichen Bericht und Antrag, der auch noch die Carstrategie beinhaltete, aber vom Parlament im letzten Sommer zurückgewiesen wurde (zentralplus berichtete). Zusätzliche Projekte kamen aus den Quartieren hinzu.

Im Gegensatz zur Carstrategie waren die Aufwertungsprojekte im Parlament mehrheitlich unumstritten – deshalb macht der Stadtrat mit dem neuen Bericht und Antrag ans Parlament nun vorwärts. Gleichzeitig sollen zwei Motionen mit entsprechenden Forderungen abgeschrieben werden.

Als Nächstes folgt die Pfistergasse

Neben der Pfistergasse haben zwei weitere Projekte Priorität und sollen bald angegangen werden: Der St.-Karli-Quai sei heute «kein besonderer Freiraum ohne eigenen Charakter», so Dominik Frei. Ziel ist eine durchgehende Fläche mit Begrünung und Zugang zum Wasser. Zum Projekt gehört auch das Pärkli bei der Geissmattbrücke. Ziel ist ein Baubeginn ab 2026, der Planungskredit beläuft sich auf 500’000 Franken.

Auch der St.-Karli-Quai soll neu gestaltet werden, zum Beispiel soll der Zugang zum Wasser verbessert werden.
Auch der St.-Karli-Quai soll neu gestaltet werden, zum Beispiel soll der Zugang zum Wasser verbessert werden. (Bild: Visualisierung zvg)

Der Bundesplatz soll trotz Verkehrsknotenpunkt an Aufenthaltsqualität gewinnen. Hier liegt die Federführung beim Kanton, der die Strassen vom Eichhof bis Bundesplatz sanieren wird. «Verkehr und Aufenthaltsqualität widersprechen sich nicht zwingend», so Frei. Die Realisierung ist ab 2021 vorgesehen. Mitten im Kreisel soll auch das neue Café Fédéral entstehen (zentralplus berichtete).

Die sieben weiteren Projekte, die zwischen 2019 und 2023 aufgegleist werden sollen, sind primär Aufwertungen von Strassenraum: Tribschenstrasse (Ziel: Baubeginn 2028), Luzerner-/Bernstrasse und Littau Dorf (ab 2021, Projektierung beim Kanton), Quartierzentrum Würzenbach (Baubeginn ab 2027), Quartierzentrum Wesemlin (Baubeginn ab 2025), Zürichstrasse (ab 2021, Projektierung beim Kanton), Konzept Plätze und Gassen Altstadt (laufende Realisierung im Rahmen von Werkleitungssanierungen) sowie ein Pilotprojekt für einen Bespielungsplan von Plätzen.

4,3 Millionen mehr für Personal

All diese Projekte kosten nicht nur Geld, sondern brauchen zusätzliche Ressourcen: Um die Strategie in den nächsten Jahren umzusetzen, beantragt der Stadtrat beim Parlament zusätzliche Stellenprozente für die Dienstabteilung Stadtplanung. 130 Stellenprozente mehr sowie die Überführung befristeter in unbefristete Stellen fordert der Stadtrat in einem separaten Bericht und Antrag. Dafür sind Mehrausgaben von 4,33 Millionen Franken nötig, das entspricht der Lohnsumme auf zehn Jahre gerechnet.

Im Moment hat die Dienstabteilung Stadtplanung 910 Stellenprozente, 210 davon sind befristete. Dieses «kaum durchschaubare Flickwerk» soll nun bereinigt werden. Die Aufstockung auf total 1040 Stellenprozente will der Stadtrat auf Anfang 2020 umsetzen.

«Unser Aufgabengebiet ist komplexer und aufwendiger geworden», begründet Deborah Arnold, die Leiterin Stadtplanung die Aufstockung. Die gewünschte Verdichtung im Stadtraum, die verstärkte Nutzung des öffentlichen Raums und partizipative Prozesse mit der Bevölkerung bräuchten Zeit und Ressourcen.

Eine Idee, wie der Bundesplatz künftig gestaltet werden könnte.
Eine Idee, wie der Bundesplatz künftig gestaltet werden könnte. (Bild: Visualisierung zvg)

Schwanenplatz erst ab 2024

Eine Planung auf Reserve sei die Aufstockung nicht, so der Stadtrat, eine Priorisierung sei nach wie vor zwingend. Der Stadtrat warnt: Ohne Aufstockung seien die oben genannten Projekte nicht umsetzbar. Es kämen oftmals neue Projekte «mit höchster Priorität und unter hohem Zeitdruck» dazu. Zudem seien die Aufwertungsfragen politisch von hohem Interesse. «Das zeigen die vielen politischen Vorstösse aus dem Parlament», so Manuela Jost.

Abgeschlossen ist die Aufwertung mit den neusten Projekten nicht: Die Strategie soll laufend überprüft werden und der Stadtrat verspricht in fünf Jahren einen Bericht zur Wirkung der Projekte – sowie mit einer nächsten Tranche von Projekten, die ab 2024 angepackt werden sollen. Dazu gehören etwa der Schwanen- oder der Löwenplatz. Aber dafür muss zuerst die Carfrage gelöst werden.

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