Das Bahnnetz im Raum Zug stösst an seine Grenzen. (Bild: PD)
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Das Bahnnetz im Raum Zug stösst an seine Grenzen. (Bild: PD)

«Die Massnahmen der SBB werden nicht ausreichen»

4min Lesezeit

Es ist höchste Eisenbahn: Der Druck auf das Bahnnetz im Raum Zug ist gross. Doch unternimmt der Zuger Regierungsrat genug, um beim notwendigen Ausbau mitanzupacken? Politiker und Interessenverband finden die Haltung der Regierung zu passiv. Sie sagen, wo man sofort beginnen müsste.

Leonard Flach

In einem Vorstoss wollten die Kantonsräte Andreas Hürlimann (ALG, Steinhausen) und Philip C. Brunner (SVP, Zug) wissen, welche Massnahmen die Regierung für einen möglichst schnellen Bahnausbau ergreifen wolle. Da mit der Inbetriebnahme des Zimmerbergbasistunnels II auf der Strecke Zug–Zürich frühestens 2035 gerechnet werden kann, interessieren sich Hürlimann und Brunner unter anderem für Sofortmassmassnahmen und vorgezogene Ausbauten auf dem Zuger Bahnnetz.

In der Antwort des Regierungsrats auf den Vorstoss heisst es, dass erst mit dem Tunnel ein grosser Angebotsausbau geschaffen werde. Jedoch wolle man nicht bis 2035 warten. Einerseits möchte der Regierungsrat den vorgezogenen Streckenausbau Zug–Baar auf drei Gleise prüfen. Andererseits soll geklärt werden, ob Neugestaltungen der Bahnhöfe Zug, Baar, Cham sowie Rotkreuz zu einer Kapazitätssteigerung führen würden.

Verspricht Komfort: Dieser neue Doppelstöcker verkehrt ab 9. Dezember zwischen Luzern und Zürich.
Der neue Doppelstöcker «Twindexx» verkehrt spätestens ab 2022 zwischen Luzern und Zürich. (Bild: SBB)

Darüber hinaus steht in der Antwort: «Im Fernverkehr plant die SBB kurzfristig Angebotsverbesserungen, die entlastend wirken.» Die Rede ist vom geplanten Halbstundentakt der Verbindungen aus dem Tessin nach Zürich ab 2020. Zusätzlich werden auf der Strecke Luzern–Zug–Zürich ab spätestens 2022 stündlich die neuen längeren Doppelstockzüge eingesetzt.

Fehlende Eigeninitiative der Zuger Regierung?

«Ich bin mit den Ausführungen des Regierungsrats nur teilweise zufrieden», sagt Andreas Hürlimann gegenüber zentralplus. Die Stellungnahme beinhalte in erster Linie die allgemein bekannten Massnahmen zur Umsetzung der vorgezogenen Bauabschnitte, fügt er an.

«Der Kanton Zug wirkt auf mich mit seinen Bemühungen und Gesprächen eher zurückhaltend bis passiv.»

Andreas Hürlimann, Kantonsrat

Der grünalternative Kantonsrat betont, dass der Druck auf die Achse Luzern–Zug–Zürich in den nächsten Jahren weiter stark zunehmen werde. Er verlangt ein proaktiveres Handeln seitens der Regierung: «Der Kanton Zug wirkt auf mich mit seinen Bemühungen und Gesprächen eher zurückhaltend bis passiv.»

«Es darf nicht sein, dass man sich einzig den vom Bund geplanten Ausbauschritten ausgeliefert sieht und bis 2035 keine weiteren Schritte an die Hand nehmen kann», so Andreas Hürlimann. Konkret solle man bei den längeren Zügen und den Umbauten an den Bahnhöfen vorwärtsmachen. Man müsse die Verlängerungen der Perrons und die Verbesserungen der Kundenströme rasch umsetzen und nötigenfalls zusätzliche Züge fahren lassen.  

Weitere Massnamen abseits der Schienen

Auch das Busnetz müsse voll und ganz ausgenutzt werden, sagt der Kantonsrat aus Steinhausen. Es sei enttäuschend, wie das Feinverteilernetz «stiefmütterlich» behandelt werde. «Neue Umsteigemöglichkeiten zwischen Bus und Bahn könnten dazu führen, dass heute noch weniger ausgelastete Zugsverbindungen attraktiver werden», sagt Hürlimann.  

«Die aufgeführten Massnahmen der SBB werden nicht ausreichen.»

Martin Stuber, Vizepräsident Pro Bahn Zentralschweiz

Nicht zu Ende gedacht 

Martin Stuber, Vizepräsident Pro Bahn Zentralschweiz, pflichtet Hürlimann bei: «Aus Kundensicht ist der Handlungsbedarf bereits heute gross.» Davon spüre man in der Antwort des Regierungsrats eher wenig. Die längeren Züge müssten schon heute fahren. Stuber meint weiter: «Die aufgeführten Massnahmen der SBB werden nicht ausreichen.» Er kritisiert, dass der Bahnausbau nicht zu Ende gedacht sei. Es bräuchte eine gesamthafte Netzbetrachtung im Grossraum Zug, so Stuber.

Diesbezüglich falle auf, dass der Durchgangsbahnhof Luzern nicht in der Stellungnahme des Zuger Regierungsrats erwähnt ist: «Es liegt auch im Interesse des Kantons Zug, das Angebot auf der ganzen Bahnarterie Zürich–Zug–Luzern zu verbessern.» (zentralplus berichtete

Weitere Vorstösse werden folgen

Andreas Hürlimann hofft in der Diskussion um den öffentlichen Verkehr nun auf einen aktivieren Kanton Zug. Weitere Vorstösse würden in der kommenden Legislatur sicherlich folgen, sagt er.

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