Die gemeindlichen Rechnungsprüfungskommissionen müssen über die Bücher, und das im wahrsten Sinne. (Bild: Stephan Karg)
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Die gemeindlichen Rechnungsprüfungskommissionen müssen über die Bücher, und das im wahrsten Sinne. (Bild: Stephan Karg)

Warum Rechnungsprüfer in Cham dreimal besser bezahlt sind als in Risch

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Während einige Zuger Gemeinden ihre Rechnungsprüfungskommission gerade mal mit 16'000 Franken entschädigen, zahlen andere bis zu 75'000 Franken. Eine Diskrepanz, die zunächst stutzig macht. Warum das so ist.

Kantonsräte wählen? Alles klar. Da hat man Parteien, die passen einem, oder eben nicht. Die Köpfe kennt man sowieso von den Plakatwänden. Gemeinderäte wählen? Einfach. Den einen Kandidaten hat man in der Beiz getroffen, die andere Kandidatin am Markt. Man kennt sich, man wählt sich oder nicht.

Doch beim Ausfüllen der Wahlliste für die Rechnungsprüfungskommission dürften manche Zuger im Oktober dieses Jahres ins Schleudern geraten sein. Löst doch ein Wort dieser Länge grundsätzlich Schläfrigkeit aus. Insbesondere, wenn es sich um kein so aufregendes handelt wie etwa Pornoskandalgeschädigter oder Zuckerwattenwettessen.

Ausserdem stehen auf besagter Kandidatenliste doch eher unbekannte Namen, die schwer einzuordnen sind. Der vernünftige Bürger wählt deshalb den Finanzbuchhalter ins Amt, weil das seriöser klingt als Spielgruppenleiter.

Ein Job, der Argusaugen braucht

Tatsächlich hat man den Buchhalter da in ein ziemlich wichtiges Amt gehievt. Denn die Mitglieder der Rechnungsprüfungskommission brauchen Argusaugen. Ihr Job: dem Gemeinderat bei seinen Finanzgeschäften auf die Finger zu schauen und wenn nötig, zu klopfen.

Wer gute Leistungen erbringen soll, will auch gut entlöhnt werden. Und hier gibt’s im Kanton Zug signifikante Unterschiede. Entschädigen etwa die Gemeinden Risch und Unterägeri ihre Kommissionen mit jährlich «nur» 16'000 Franken, sind es in Cham saftige 50'000 Franken, mit denen die RPK-Mitglieder jährlich entschädigt werden.

Zugegeben, Risch hat mit rund 10'000 Einwohnern deutlich weniger als Cham mit seinen 16'500. Das allein dürfte jedoch nicht für diesen massiven Unterschied verantwortlich sein.

In einer Gemeinde 16'000 Franken, in der anderen 75'000

Noch höher ist der Betrag in der 25’000-Seelen-Gemeinde Baar. Dort kostet die Rechnungsprüfungskommission jährlich 75'000 Franken. Eine Anfrage bei der Gemeinde liefert auch gleich Aufschluss darüber, weshalb. In Baar nämlich heisst das Gremium Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK). Und da liegt der Hund begraben.

Denn neben der Rechnungsprüfung würden die Mitglieder auch «wichtige» Geschäfte analysieren und prüfen. «So liest die RGPK etwa alle Geschäfte, welche der Gemeindeversammlung vorgelegt werden, und erarbeitet eine detaillierte Stellungnahme zu Handen des Souveräns», erklärt Manuel Frei, der Leiter der Abteilung Finanzen/Wirtschaft in Baar. «Jährlich sind es mindestens zehn Geschäfte, mit denen sich die Kommission eingehend befasst.»

Ein Teil dieser Arbeit werde an Externe abdelegiert, welches mit jährlich 25'000 Franken zu Buche schlage. «Würde die RGPK sämtliche Aufgaben selber erledigen, wäre in der Gemeinde Baar mit einem jährlichen Aufwand von rund 100'000 Franken zu rechnen», hält Severin Bättig, der Vize-Gemeindeschreiber fest.

Früher prüfte niemand die Anträge

In Cham, wo mit 50'000 Franken ebenfalls eine beträchtliche Summe anfällt, ist die Situation seit kurzem ähnlich wie in Baar. Vor der Änderung des Entschädigungsreglements im Jahr 2015 betrug die Entschädigung der fünf Mitglieder rund 19'000 Franken. Seit der Änderung des Reglements übernimmt die RPK wie in der Gemeinde Baar auch Geschäftsprüfungsaufgaben.

Doch wer prüfte davor die Anträge des Gemeinderats? «Niemand», so Martin Mengis, Gemeindeschreiber von Cham. «Oder besser gesagt, der Kanton als Aufsichtsorgan. Erst mit der Revision der Gemeindeordnung wurde es möglich, diese Aufgabe gemeindeintern zu vergeben», so Mengis.

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