Das Zuger Kantonsspital ist auch attraktiv für Patienten aus dem Säuliamt. Schon jetzt kommen 12 Prozent aller Patienten in Baar aus anderen Kantonen. (Bild: zvg)
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Das Zuger Kantonsspital ist auch attraktiv für Patienten aus dem Säuliamt. Schon jetzt kommen 12 Prozent aller Patienten in Baar aus anderen Kantonen. (Bild: zvg)

Das Zuger Kantonsspital wittert ein Geschäft

5min Lesezeit

Kleinere Spitäler haben es immer schwerer zu überleben. Aktuell hängt das Krankenhaus im Bezirk Affoltern am Albis am Tropf – sprich: die Schliessung droht. Das könnte Konsequenzen für das Zuger Kantonsspital haben.

Wolfgang Holz

«Ich gehe davon aus, dass das Spital in Affoltern geschlossen wird», sagt ein Zuger Gesundheitsexperte hinter vorgehaltener Hand gegenüber zentralplus. Er möchte seinen Namen nicht nennen, da er sich nicht in die Gesundheitspolitik des Kantons Zürich einmischen wolle. Die selbstverordnete Diskretion hat aber auch noch einen ganz anderen Grund.

Jetzt schon Patienten aus dem Säuliamt in Zug

Wie der Zuger Gesundheitsexperte versichert, frequentieren nämlich schon zahlreiche Patienten aus dem Zürcher Knonaueramt, im Volskmund oft Säuliamt genannt, das moderne und grössere Zuger Kantonsspital in Baar.

Dank der freien Spitalwahl müsste Zug für die zusätzlichen Patienten aus dem Säuliamt auch keine weiteren Kosten stemmen, «denn 55 Prozent der Spitalkosten trägt der Kanton, aus dem der jeweilige Patient stammt und 45 Prozent die Krankenkassen», so der Gesundheitsexperte.

Nicht zuletzt würde sich durch eine weitere Auslastung des Zuger Kantonsspitals dessen «Ertragssituation» verbessern. Da hört man im Hintergrund schon die Kassen klingeln.

«Ohne diesen Magneten werden wir künftig mit einem Hexenschuss ins Triemli oder zu einem diensthabenden Hausarzt weit ausserhalb unseres Bezirks pilgern müssen.»

 David Koller, Präsident «Ja zum Spital Bezirk Affoltern»

Im Bezirksspital in Affoltern am Albis läuten derweil schon seit Monaten die Alarmglocken. «Aus ärztlicher Sicht brauchen wir in unserem Bezirk unbedingt ein Spital», fordert David Koller, Präsident des Vereins «Ja zum Spital Bezirk Affoltern».

Den Verein haben Persönlichkeiten aus Medizin, Politik und Wirtschaft in diesem Jahr gegründet. Dies aus Angst vor der Schliessung des Spitals in seiner jetzigen Form und vor dem Verlust der medizinischen Grundversorgung im Säuliamt. Voraussichtlich am 19. Mai 2019 wird im Rahmen einer Volksabstimmung über die Zukunft des Spitals in Affoltern entschieden.

Spital mehr als hundertjährig

«Ohne diesen Magneten werden wir künftig mit einem Hexenschuss ins Triemli oder zu einem diensthabenden Hausarzt weit ausserhalb unseres Bezirks pilgern müssen», fürchtet Koller. Oder eben nach Baar ins nahe Zuger Kantonsspital, welches von Affoltern aus per Autobahn in 15 Minuten schnell erreichbar ist.

Mit seinen rund 700 Mitarbeitern stellt das Spital Affoltern die erweiterte medizinische Grundversorgung für die Bevölkerung im Säuliamt mit seinen rund 55‘000 Einwohnern sicher. Die über hundert Jahre alte Einrichtung ist das kleinste öffentliche Spital im Kanton Zürich.

In die Jahre gekommen und immer unrentabler: Das Bezirksspital in Affoltern am Albis – das kleinste Spital im Kanton Zürich. Eine Schliessung droht.
In die Jahre gekommen und immer unrentabler: Das Bezirksspital in Affoltern am Albis – das kleinste Spital im Kanton Zürich. Eine Schliessung droht. (Bild: zvg)

Neben Akutspital, Langzeitpflege und Psychiatriestützpunkt verfügt das Spital Affoltern mit speziellen Angeboten wie der Palliative Care über einen überregionalen Leistungsauftrag. Seit der neuen Spitalfinanzierung 2012 reichen die aktuellen Tarife offenbar nicht mehr aus, um die heute verhältnismässig hohen Betriebs- und Fixkosten zu decken.

Veraltet und Investitionsstau

Ohne grundlegende Veränderungen wird laut Einschätzung des Zweckverbands des Spitals Affoltern das Krankenhaus im Säuliamt in Kürze jährliche Defizite von rund drei Millionen Franken schreiben. Gleichzeitig stehen zur Erhaltung des Grundbetriebs Investitionen von mindestens 50 Millionen Franken an, die jedoch die Probleme von ineffizienten Abläufen und der veralteten Infrastruktur nicht lösen und weiterhin keinen kostendeckenden Betrieb des Spitals erlauben werden.

«Unser Spital ist gut ausgelastet, könnte aber bei maximaler Ausnützung der vorhandenen Infrastruktur pro Jahr gut 1500 stationäre Patienten zusätzlich behandeln.»

 Matthias Winistörfer, Zuger Spitaldirektor

Da kämen die modernen Strukturen des Zuger Kantonsspitals doch gerade recht, um zu entlasten. «Wir verfügen über keine Informationen betreffend der Zukunft des Spitals Affoltern», gibt sich Zugs Spitaldirektor Matthias Winistörfer bedeckt. Dabei verfügt das Spital Affoltern bereits über einen Leistungsauftrag des Kantons Zug für Palliative Care. «Entsprechend arbeitet das Zuger Kantonsspital in diesem Bereich mit dem Spital Affoltern zusammen», so Winistörfer.

Doch bohrt man weiter, wird schnell ersichtlich, dass es auch im Zuger Kantonsspital nicht ganz sorgenfrei zugeht und noch Luft nach oben ist bezüglich Auslastung. Hinzu kommt, dass das Zuger Kantonsspital jetzt schon laufend Patienten mit Wohnsitz ausserhalb des Kantons Zug behandelt – der Anteil beträgt aktuell etwa 12 Prozent.

«Unser Spital ist gut ausgelastet, könnte aber bei maximaler Ausnützung der vorhandenen Infrastruktur pro Jahr gut 1500 stationäre Patientinnen und Patienten zusätzlich behandeln», bekennt Winistörfer dann Farbe. Dafür wäre aber auch entsprechend mehr Personal erforderlich.

Das Zuger Kantonsspital in Baar bietet laut Winistörfer in der erweiterten Grundversorgung ein breites stationäres und ambulantes Angebot. In den letzten Jahren konnte man jeweils positive Rechnungsabschlüsse erreichen.

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