Will ein Feuchtgebiet, statt eine Velostrecke: Der Zuger Stadtratsvizepräsident und Bauchef André Wicki (SVP). (Bild: mam)
Politik Verkehr

Will ein Feuchtgebiet, statt eine Velostrecke: Der Zuger Stadtratsvizepräsident und Bauchef André Wicki (SVP). (Bild: mam)

Warum ein Zuger Veloweg schlecht für die Umwelt sein soll

5min Lesezeit

Ein Veloweg auf dem alten Bahndamm der «Schleife» soll das Seeufer für Velofahrer aus dem Zuger Norden leicht erreichbar machen. Dies fordert eine Einzelinitiative des parteilosen Gemeinderats Patrick Steinle aus dem Jahr 2017. Doch die Behörden sind der Meinung, der Veloweg verstosse gegen den Naturschutz.

Markus Mathis

«Technisch wäre die Idee ja vielleicht noch umzusetzen», sagte Stadtratsvizepräsident André Wicki (SVP, 56) bei der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments. «Aber rechtlich halten wir sie für nicht praktikabel.»

Der Zuger Velo-Highway, der auf dem ehemaligen Bahndamm der «Schleife» eingerichtet werden könnte, verstosse wohl gegen Bundesrecht, sagte der städtische Bauvorsteher. Man könne die Einzelinitiative, welche die Express-Verbindung von Zugs Norden ans Seeufer fordert, vermutlich nicht umsetzen.

Vorbild «Freigleis»

Wicki und seine Männer haben sich deshalb schon mit dem Vater des Velo-Highways unterhalten. Mit Patrick Steinle (47), einem ehemaligen wie auch künftigen parteilosen Stadtparlamentarier. Er hatte 2017 die Einrichtung des Velowegs per Einzelinitiative gefordert.

Angeregt worden war er durch Projekte wie das «Freigleis» in Luzern, wo ein Velo-Highway auf einem ehemaligen Trassee der Brünigbahn eingerichtet worden war. Diese war zuvor in einen neugebauten Tunnel verlegt worden.

Veloweg-Hauptachsen in Zug: blau. Der geplante Velo-Highway: rot.
Veloweg-Hauptachsen in Zug: blau. Der geplante Velo-Highway: rot. (Bild: zvg)

Feuchtgebiet geplant

Die «Schleife» in Zug indes ist schon länger stillgelegt. 1990 verkehrte der letzte Zug nach Affoltern über den Bahndamm. Seither wurden Teile des Damms zum Fussgängerweg umgewidmet, andere Abschnitte von Pflanzen und Kleingetier besiedelt.

Eine Eisenbahnbrücke beim Schutzengel ist schon vor Langem abgebrochen worden. Eine andere Brücke bei der Weststrasse soll folgen. In der Nähe soll ein Feuchtgebiet angelegt werden. Ein entsprechendes Projekt, das 400'000 Franken kosten soll, hat die Stadt Zug vergangenes Jahr aufgelegt.

Biotope in der Stadt

Patrick Steinle.
Patrick Steinle. (Bild: zvg)
Hier liegt der Hase im Pfeffer. Die Stadt Zug hat beim kantonalen Amt für Raumplanung, Abteilung Naturschutz, anfragen lassen, was von der Idee eines Velowegs über die Schleife zu halten sei. Und dieses liess wissen, dass dieser mit dem Gesetz kollidiere. Weil nämlich die Naturschutzgesetzgebung des Bundes die Schaffung von Ausgleichsflächen auch innerhalb der Siedlungsfläche vorsehe. Was für den Bahndamm angedacht ist.

Steinle, ein Mikrobiologe und Naturfreund, und als Bewohner der Gartenstadt überdies auch noch Anwohner, findet diese Begründung «an den Haaren herbeigezogen». Dass die Nutzung einer früheren Verkehrsinfrastruktur durch einen Veloweg unökologisch sein soll, will ihm nicht in den Kopf. Es gebe überdies keine rechtliche Handhabe: «Ich glaube nicht, dass die Stadt Zug für die Einrichtung eines Velowegs auf einem Bahntrassee, das ihr selbst gehört, eine spezielle Bewilligung braucht.»

Baudirektion hat andere Pläne

Das Einholen der Naturschutz-Stellungnahme sei «ein Schuss ins eigene Bein», sagt Steinle, weil man so mögliche Einsprecher gegen das Projekt argumentativ aufrüste. Doch das ist wohl nur die halbe Wahrheit. Denn noch grösser als das Konfliktpotenzial bei der Unterführung der Weststrasse ist die Problematik der Wanne – also der Unterführung der General-Guisan-Strasse unter der ehemaligen Bahnbrücke.

Der Kanton Zug – genauer die Baudirektion, zu der auch das Amt für Raumplanung gehört – möchte die Brücke nämlich schon 2019 abbrechen lassen und die Wanne auffüllen. Dies auch, um die Zufahrt zum geplanten neuen Hauptstützpunkt der Zugerland Verkehrsbetriebe einfacher zu gestalten.

Neue Brücke?

«Es ist mir schon klar, dass dies günstiger zu stehen kommt, als auf ewig die Kunstbauten der Wanne zu unterhalten», sagt Steinle. Aber wenn man eben dann die Passage für Fussgänger und Velofahrer aufwerten wolle, dann sei dies ebenfalls kostspielig. Für einen Velo-Highway oder eine Fussgängerüberführung brauchte es dann nämlich eine neue Brücke.

Doch nach André Wickis Rede im Grossen Gemeinderat wird deutlich, dass die Stadtregierung vom Projekt eines Velo-Highways wohl ebenfalls wenig wissen will. Und die Initiative dem Parlament zur Ablehnung empfehlen wird. Sollte dieses dem Stadtrat folgen, dann ist der Velo-Highway vom Tisch.

Sollte das Stadtparlament indes für Steinles Initiative stimmen, dann kommt es zur Volksabstimmung. Und damit käme nach der Initiative «Ja zu Läden und Gewerbe in der Altstadt» eine weitere Verkehrsvorlage an die Urne, deren Durchführbarkeit unsicher ist.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Politik