Die oberirdischen Veloparkplätze an der Bahnhofstrasse werden aufgehoben – künftig geht's in den Untergrund.
  (Bild: bic)
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Die oberirdischen Veloparkplätze an der Bahnhofstrasse werden aufgehoben – künftig geht's in den Untergrund.   (Bild: bic)

12'400 Franken pro Parkplatz – Stadt plant neue Velostation

7min Lesezeit

Unter der Bahnhofstrasse plant die Stadt Luzern eine Velostation für 1100 Fahrräder. Damit soll endlich Schluss sein mit dem Velochaos entlang der Reuss. Kostenpunkt: über 13 Millionen Franken. Was die Velofahrer dafür zahlen, ist hingegen noch offen.

Fahrrad an Fahrrad eng aneinandergereiht: Entlang der Reuss herrscht an der Bahnhofstrasse oft ein Gedränge. Die Parkplätze sind bei den Velopendlern sehr beliebt. Wo sie dereinst hinkommen sollen, wenn die Bahnhofstrasse autofrei wird, galt bislang als ungelöstes Problem.

Nun ist klar, dass die Neugestaltung ohnehin erst Jahre später umgesetzt wird (zentralplus berichtete). Gleichzeitig hat die Stadt mitgeteilt, wie das Veloproblem gelöst werden soll: mit einer unterirdischen Velostation.

Diese soll 2023, gleichzeitig wie die autofreie Bahnhofstrasse, in Betrieb genommen werden. Vorgesehen sind 1'100 Veloparkplätze, die mittels Rampe vor dem heutigen Swisscom-Gebäude erreichbar sein würden. «Indem wir die Velostation in die Neugestaltung der Bahnhofstrasse integrieren, kann man das Veloparkierungsproblem rund um den Bahnhof deutlich entschärfen», sagte Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) am Donnerstagmorgen an einer Medienorientierung.

Zwei Alternativen verworfen

«Wir gehen davon aus, dass wir langfristig einen Bedarf von 7000 Abstellplätzen rund um den Bahnhof haben», sagte Martin Urwyler, Projektleiter Mobilität, am Donnerstagmorgen. Vor allem auf der Seite der Neustadt besteht grosser Bedarf.

Gemäss einer Machbarkeitsstudie ist die Velostation unter der Bahnhofstrasse die einzige praktikable Lösung, die auch aus Verkehrssicht überzeuge. Sie biete die sicherste Zu- und Wegfahrt von der Seebrücke und der Bahnhofstrasse her, weil die Velos dafür nicht über den Unfallschwerpunkt am Bahnhofplatz müssen. Zudem brauche sie eine relativ kurze Rampe, sei mit dem Durchgangsbahnhof kompatibel und verdränge keine weiteren Autoparkplätze. 

«Wir haben rund 15 Standorte geprüft», sagte Martin Urwyler. So zum Beispiel eine Umnutzung des Bahnhofsparkings für 450 bis 1200 Velos sowie die Nutzung der sogenannten Taxihalle für 500 Velos. Beide vermochten aber nicht zu überzeugen.

Geprüft wurden auch Modelle für automatische Parkinganlagen mit einem Lift, wie zuletzt von der FDP verlangt (zentralplus berichtete). Doch solche Systeme beinhalten laut Urwyler noch viele Risiken. So brauchten sie in der Regel zwischen 13 und 30 Sekunden, bis ein Velo freigegeben wird. «Wenn 40 Benutzer gleichzeitig vom Zug kommen und ihr Velo holen müssen, kann man sich die Wartezeit vorstellen.» Die Akzeptanz wäre kaum gegeben, so Urwyler.

Gebühren oder nicht?

Stimmt das Stadtparlament der Velostation zu, ist klar: Die heutigen Abstellplätze entlang des Trottoirs an der Reuss werden alle aufgehoben. Noch offen ist, ob die Velopendler für den Parkplatz in der Garage bezahlen müssen oder nicht. «Es ist denkbar, dass es Gebühren gibt, es ist aber auch denkbar, dass es gratis ist», sagte Stadtrat Adrian Borgula. «Eine Velostation bietet einen Mehrwert mit gedeckten und sicheren Plätzen, gleichzeitig darf man sie nicht unattraktiv machen.» Die Preisgestaltung müsse man auch in Absprache mit den anderen Velostationen am Bahnhof prüfen. Bei der Universität betreibt die Caritas eine gebührenpflichtige Velostation, zudem ist im ehemaligen Posttunnel ein Parking geplant (zentralplus berichtete).

Die Velogarage wird 106 Meter lang und zwölf Meter breit. Das ermöglicht drei Reihen von Veloparkplätzen. Mehr ist nicht möglich, weil sonst Leitungen und die geplante Baumreihe in die Quere kommen. Von der Station soll ein direkter Zugang ins Untergeschoss der Bahnhofhalle führen – man käme vis-à-vis von der Migros aus der Garage in die Unterführung.

Zeitgleich mit der Neugestaltung

Der Luzerner Stadtrat will die Velostation gemeinsam mit der autofreien Bahnhofstrasse vorantreiben. Beide Projekte sollen 2023 abgeschlossen sein. Bei der Neugestaltung der Bahnhofstrasse kommt es aufgrund der Komplexität der Planung zu Verzögerungen und Änderungen (siehe separaten Artikel hier).

Eine Rampe vor dem Postgebäude wäre für die Velopendler idealer, die von der Seebrücke herkommen. Doch das ist laut Stadtrat für die Fussgänger nicht ideal.

Kosten von 13 Millionen

Der Stadtrat will nun ein Vorprojekt erarbeiten und beantragt dafür einen Projektierungskredit von 2,05 Millionen Franken. Die hohen Kosten für die Vorarbeiten zeigen das Ausmass des Projekts: Die Velostation wird mit geschätzten Kosten von knapp 13,5 Millionen Franken deutlich teurer als die Neugestaltung der Bahnhofstrasse, die mit rund 8,5 Millionen Franken zu Buche schlägt.

Umgerechnet heisst das: Jeder Parkplatz kostet 12'400 Franken. «Das ist viel Geld für eine Velostation», räumte auch Martin Urwyler, Projektleiter Mobilität ein. «Wir sind aber nicht alleine, sondern es geht fast allen Städten so.» Was er damit meint: In Bahnhofnähe braucht es immer mehr Veloabstellplätze und mangels Platz können die nur im Untergrund realisiert werden. Vergleichbare Projekte in Bern und Zürich weisen gemäss Stadtrat ähnliche Kosten pro Veloparkplatz auf.

So könnte die Rampe vor dem Swisscom-Gebäude aussehen. (Visualisierung: zvg)
So könnte die Rampe vor dem Swisscom-Gebäude aussehen. (Visualisierung: zvg)

Zudem handelt es sich laut Urwyler um ein technisch anspruchsvolles Bauwerk. «Der Untergrund ist vollgestopft mit Leitungen, die teilweise verschoben werden müssen.» Dazu ist oberhalb der Velostation ein Deckel von rund 1,5 Meter nötig – quasi ein Sammelbecken für den Kabelsalat. Auch ein grosser Schacht der EWL muss angepasst oder versetzt werden. Zudem sind laut Stadt umfangreiche geologische Untersuchungen nötig.

Die Stadt rechnet damit, dass der Bund sich an den Kosten der Velostation beteiligt und rund 1,74 Millionen Franken beisteuert. Auch ein Beitrag des Kantons aus dem Spezialfonds Park and Ride sei denkbar.

Stadtbaukommission stellt eine Bedingung

Die Stadtbaukommission steht der Velostation grundsätzlich positiv gegenüber. Kritisch beäugt sie die Lage der Rampe, welche die Vorzone der Häuser an der Bahnhofstrasse zerschneide und für das Swisscom-Gebäude nur begrenzte Entwicklungen zulässt. Gar nicht in Frage kommt für die Kommission eine Brüstung; ein Geländer sei in jedem Fall vorzuziehen, ist dem Bericht des Stadtrates zu entnehmen.

Sollte das Stadtparlament dem 2-Millionen-Kredit zustimmen, werden anschliessend die Details erarbeitet. Nebst baulichen Massnahmen prüft die Stadt auch, wer die Velostation betreiben soll. Ebenfalls noch offen ist, wie die Rampe in die Neugestaltung der Bahnhofstrasse eingegliedert werden kann.

Das Stadtparlament soll Ende 2020 definitiv über die beiden Projekte entscheiden können. Die Bauarbeiten sollen 2022 beginnen und voraussichtlich 2023 abgeschlossen sein.

Der Standort der geplanten Velostation (oben, rot) und die beiden verworfenen Varianten beim Parking P1 (unten links) und in der Taxihalle (unten rechts). (Grafiken: zvg)
Der Standort der geplanten Velostation (oben, rot) und die beiden verworfenen Varianten beim Parking P1 (unten links) und in der Taxihalle (unten rechts). (Grafiken: zvg)

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