Grossratsaal Luzern 1975. Parteivertreter vor den Fernsehkameras. (von links) Alphons Matt, Peter Schellenberg und Jean-Paul Rüttimann.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)
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Grossratsaal Luzern 1975. Parteivertreter vor den Fernsehkameras. (von links) Alphons Matt, Peter Schellenberg und Jean-Paul Rüttimann.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Kantonsrats-Geschichte: Ein Franz Ferdinand und mehr Hänse als Frauen

4min Lesezeit

Eine kürzlich veröffentlichte Sammlung aus dem Staatsarchiv Luzern gibt einen neuartigen Einblick zu ehemaligen Mitgliedern des Luzerner Kantonsrats. Genau 2’582 Namen von Kantonsräten sind zwischen 1803 und 2007 erfasst und tabellarisch zusammengetragen worden. Noch weist die Liste Lücken auf. 

Sara Hensler

Was haben Anton Burkhard aus Nottwil, Franz Ehrler, gelernter Mittelschullehrer, und Sonja Duve-Keller aus Luzern gemeinsam? 

Sie alle waren irgendwann zwischen 1803 und 2007 Mitglied des Luzerner Kantonsrats, damals noch Luzerner Grossrat. Es sind nur drei aus fast 2’600 Namen, die neu in einer Übersicht über alle Luzerner Kantonsratsmitglieder zusammengestellt wurden. Angefertigt wurde die Liste von der Historikerin und ehemaligen Kantonsrätin Margrit Steinhauser.

Der Regierungsrat gab diese Sammlung vor einigen Monaten in Auftrag und will das Resultat nächstes Jahr in Buchform publizieren. Die Tabelle ist jedoch bereits jetzt online beim Staatsarchiv Luzern abrufbar und inspiriert zu privaten Nachforschungen. Hier folgend einige Kuriositäten daraus:

Grossratsaal Luzern 1975. Parteivertreter vor den Fernsehkameras. 
Grossratsaal Luzern 1975. Parteivertreter vor den Fernsehkameras.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

54 × Meyer

Der häufigste Nachname bei den Ratsmitgliedern ist «Meyer». Mit 54 Malen kommt er am häufigsten vor und hängt sowohl «Bucher» (44 Mal), «Müller» (43 Mal) und «Schmid» (30 Mal) ab. Unter all den «Meyers» heissen 16 mit Vornamen «Josef». «Josef Meyer» ist also der häufigste Name unter den Luzerner Grossräten. 

Franz Ferdinand der Schweiz

Bei den Vornamen stellt «Franz» alle in den Schatten. Mit 125 Erscheinungen lässt er sogar all die kantonsrätischen «Hänse» hinter sich. Darunter der mittlerweile von der schottischen Band geprägte Name «Franz Ferdinand Wyss». Der Name des 1929 in Sursee Geborenen dürfte aber wohl eher vom ehemaligen österreichischen Erzherzog und Thronfolger Franz Ferdinand inspiriert gewesen sein. Dieser wurde 1914 beim Attentat von Sarajevo erschossen. 

Mehr «Fränze» und «Hänse» als Frauen

Mit 125 «Fränzen» und 101 «Hänsen» übertrumpfen die beiden Vornamen gemeinsam gleich sämtliche Frauen. Insgesamt waren es nämlich erst 163 Kantonsrätinnen, die das Amt ausgeübt haben. Es waren also rund 15 Mal mehr Männer als Frauen im Kantonsrat. Zwei von den 163 Frauen waren Hausfrauen. Der Rest hat bereits vor Amtsantritt einen Beruf ausgeübt. Darunter etwa Sonja Wäfler, Heilpädagogin (von 1971 bis 1984 im Kantonsrat), oder Brigitte Mürner-Gilli, gelernte Lehrerin (1975 bis 1987 im Amt).

Irenäus, Polikarp und Vital

Nicht alle der aufgeführten Vornamen sind heute noch bekannt. Darunter zum Beispiel die Namen «Odilo Abgottspon», «Irenäus Achermann», «Primus Albisser», «Pankraz Muff», «Vital Schnyder» oder «Fidel Arnold».

650 gelernte Landwirte

Verblüffend ist vor allem die Sparte des gelernten Berufs. Rund 650 Grossräte werden als Landwirt aufgeführt. Dies entspricht rund einem Viertel aller Mitglieder der beiden Jahrhunderte. Angesichts der damaligen Zeit und der landwirtschaftlichen Prägung Luzerns verwundert diese Tendenz jedoch auf den zweiten Blick wenig. 

Grosser Vorsprung der CVP

Verblüffend: Nur 48 Mitglieder des Luzerner Kantonsrats waren der SVP zugehörig. Die SP verzeichnet in der aufgeführten Zeitspanne immerhin 161 Personen. Klar in Vorsprung ist die CVP, welche gemeinsam mit ihren Vorgängerparteien mehrere hundert Parlamentarier stellte. Angesichts des früheren Zwei-Parteiensystem mit Roten (Konservative) und Schwarzen (Liberale), welches das Luzerner Politsystems während Jahrzehnten prägte, ist dies kaum überraschend. Der Graben zwischen den beiden Parteien hat sich jedoch in den letzten Jahr geschlossen. So beschlossen sie bei den letzten Wahlen erstmals eine Listenverbindung (zentralplus berichtete).

Parteivertreter des Grossen Rates vor den Fernsehkameras, 1975. 
Parteivertreter des Grossen Rates vor den Fernsehkameras, 1975.  (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Bevor die definitive Tabelle aller Luzerner Kantonsräte zwischen 1803 und 2007 aufgeschaltet und in Buchform publiziert wird, ist die Liste bereits im Staatsarchiv Luzern zugänglich. Die frühzeitige Veröffentlichung bezweckt, dass die noch bestehenden Lücken durch private Personen gefüllt werden können. So weisen unter anderem die Todesdaten grosse Lücken auf. Dies ist vor allem auf den Wegzug aus dem Kanton Luzern oder aus der Schweiz zurückzuführen. 

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