Tempo 30: Nicht nur auf der Grabenstrasse, sondern rund um den Kolinplatz will der Kanton in der Zuger Altstadt diese Geschwindigkeitsbeschränkung einführen. Doch jetzt gibt’s Widerstand. (Bild: zvg)
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Tempo 30: Nicht nur auf der Grabenstrasse, sondern rund um den Kolinplatz will der Kanton in der Zuger Altstadt diese Geschwindigkeitsbeschränkung einführen. Doch jetzt gibt’s Widerstand. (Bild: zvg)

Zahlreiche Einsprachen gegen grössere Tempo-30-Zone in Zuger Altstadt

6min Lesezeit

Das hat viele überrascht, ja verärgert: Der Kanton will auf einigen Strassen in der Zuger Altstadt Tempo-30-Strecken einführen – obwohl es nur in der Grabenstrasse um Lärmschutzmassnahmen geht. Gegen das Projekt hat es jetzt sieben Einsprachen gegeben.

Wolfgang Holz

Künftig soll rund um den Kolinplatz in der Stadt Zug Tempo 30 für den Verkehr herrschen: auf der Grabenstrasse, der unteren Ägeristrasse, einem kleinen Teil der Artherstrasse sowie in der Neugasse.

Dies sind die neusten Pläne der kantonalen Baudirektion, um eine Lärmsanierung der Grabenstrasse auf dem Abschnitt vom Kolinplatz bis zum Casino durchzuführen.

Der Sieg von Doku-Zug-Gründer

Bekanntlich hat eine vom Bundesgericht geforderte Lärmmessung in der Grabenstrasse auf Initiative von Anwohner Daniel Brunner dazu geführt, dass der Kanton Massnahmen zur Dezibelreduktion ergreifen musste. Der Doku-Zug-Gründer kämpft seit 2007 für die Lärmsanierung der Grabenstrasse und war damit zweimal vor dem Bundesgericht erfolgreich. Das Projekt des Kantons hat bis zum 17. Oktober öffentlich aufgelegen (zentralplus berichtete). 

«Aufgrund der Versuchsergebnisse zum Tempo 30 wird auf der ganzen Länge der Kantonsstrasse im Perimeter der Lärmsanierung Grabenstrasse – sowie auf den angrenzenden Abschnitten der Ägeristrasse und der Neugasse – eine abweichende Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde eingeführt.» So verlautbarte der Kanton seine Tempolimitmassnahme.

«Mit Tempo 30 wird die Verkehrssicherheit auf der Neugasse und auf dem unteren Teil der Ägeristrasse erhöht, darum geht es in diesem Entscheid.»

Urs Hürlimann, Zuger Baudirektor

Doch warum eigentlich diese Ausdehnung von Tempo 30 auf der Grabenstrasse auf die benachbarten Strassenabschnitte rund um den Kolinplatz? Schliesslich ist die Verkehrsdichte auf der Neugasse so hoch, dass Fahrzeuge kaum schneller als mit 40 Stundenkilometern auf diesem stauanfälligen Abschnitt unterwegs sind. Rund 25’000 Fahrzeuge sind hier ja täglich unterwegs.

TCS: Durchschnittsgeschwindigkeit keine 30 Stundenkilometer

Und auch auf dem unteren Teil der Ägeristrasse, wo es viel Verkehr hat und wo es bergauf geht, fahren wohl die wenigsten Autos schon mit 50 Stundenkilometern.

Ähnlich sieht dies Thomas Ulrich, Präsident des Touring Clubs Schweiz, Sektion Zug. «Auf den fraglichen Streckenabschnitten in der Stadt, auf welchen Tempo 30 eingeführt werden soll, beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit tagsüber keine 30 Stundenkilometer», sagt Ulrich. Auch während der Nacht werde allgemein nicht viel schneller gefahren, «jedenfalls bei weitem nicht 50 Stundenkilometer».

Sieben Einsprachen gegen den Entscheid, darunter auch private

Doch der Kanton sieht dies anders. «Mit Tempo 30 wird die Verkehrssicherheit auf der Neugasse und auf dem unteren Teil der Ägeristrasse erhöht, darum geht es in diesem Entscheid», begründet Baudirektor Urs Hürlimann die Planung des Kantons.

Warum Tempo 30 nicht allein auf der Grabenstrasse reicht – dazu will sich der FDP-Regierungsrat nicht äussern. «Dazu kann und darf ich nichts sagen, denn diese Frage ist Gegenstand des laufenden Verfahrens», so Hürlimann.

Blick vom Postplatz in Richtung Neugasse: Auch hier soll nach Plänen des Kantons künftig Tempo 30 gelten – obwohl der Verkehr schon aufgrund des hohen Fahrzeugaufkommens immer wieder stockt.
Blick vom Postplatz in Richtung Neugasse: Auch hier soll nach Plänen des Kantons künftig Tempo 30 gelten – obwohl der Verkehr schon aufgrund des hohen Fahrzeugaufkommens immer wieder stockt. (Bild: pbu)
 

Fakt ist aber, dass nun sieben Einsprachen gegen die geplante Temporeduktion rund um den Kolinplatz beim Kanton eingegangen sind, wie der kantonale Baudirektor gegenüber zentralplus bekannt gibt. Darunter hat es auch private Einsprachen.

Keine Vernehmlassung

Fakt ist auch, dass man sich seitens der Stadt Zug gewundert hat, dass es zu keiner Vernehmlassung des übergreifenden Tempo-30-Projekts gekommen sei, wie zentralplus weiss.

Sprich: Das Ganze gleicht mehr oder weniger einer Hauruckübung des Kantons. Will sich etwa der Zuger Baudirektor hier zum Ende seiner Amtszeit noch ein Denkmal setzen?

«Das vorliegende Projekt umfasst ausschliesslich Kantonsstrassenabschnitte.»

Urs Hürlimann, Zuger FDP-Regierungsrat

Urs Hürlimann wehrt sich gegen diese Vorwürfe. «Das vorliegende Projekt umfasst ausschliesslich Kantonsstrassenabschnitte. Aus diesem Grund liegt der Entscheid über eine Reduktion der Höchstgeschwindigkeit allein im Zuständigkeitsbereich des Kantons.»

Stadt Zug sei miteinbezogen worden

Trotzdem habe die Baudirektion die Stadt Zug als Standortgemeinde in die Projektarbeit einbezogen. «Danach wurde das Projekt ordnungsgemäss unter Hinweis auf die Einsprachemöglichkeit publiziert», erklärt der Baudirektor.

Geht es nach Roger Marcolin vom Automobil Club der Schweiz (ACS), «müssten es im Prinzip noch viel mehr Einsprachen sein» – um sich gegen die vom Kanton geplante Ausdehnung der Tempo-30-Strecken in der Zuger Altstadt zu wehren.

«Ich hoffe, dass das Projekt nicht umgesetzt wird.»

Roger Marcolin, ACS

Vom ACS selbst sei indes keine Einsprache eingegangen – weil der ACS über kein Verbandseinspracherecht verfüge. Ebensowenig wie der Touring Club Schweiz. «Ich hoffe, dass das Projekt nicht umgesetzt wird», meint Marcolin. Die Geschwindigkeit der Fahrzeuge sei rund um den Kolinplatz aufgrund der örtlichen Umstände schon niedrig.

Flüsterbeläge, leisere Pneus und E-Autos

Der Touring Club Schweiz erachtet seinerseits die Ausnützung technischer Möglichkeiten wie Flüsterbeläge, leisere Reifen als viel zielführender als Tempo-Reduktionen auf Strassen, wo sowieso nicht schneller als 30 Stundenkilometer gefahren wird. «Die zunehmende Elektrifizierung des privaten Individualverkehrs wird zudem mit Sicherheit zu massiven Reduktionen bei der Lärmbelastung führen», so Ulrich.

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