Der neu gewählte Kantonsrat wird im Januar eingesetzt. (Bild: zvg)
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Der neu gewählte Kantonsrat wird im Januar eingesetzt. (Bild: zvg)

Das sind die Gewinner und Verlierer im Zuger Kantonsrat

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Einige Kantonsratskandidaten konnten am Sonntag positiv überraschen. Doch die Wahlen forderten auch prominente Opfer. Weshalb hat es ihnen trotz Bisherigen-Bonus nicht gereicht, und was machte den Erfolg ihrer Herausforderer aus?

Elias Wyrsch

Adrian Risi holt für die Stadtzuger SVP die meisten Stimmen, sogar mehr als alle drei Bisherigen, die sich erneut zur Wahl stellten.

Eine Wahnsinns-Überraschung ist das nicht. Man kennt Risi in Zug, er ist in verschiedenen Vereinen, im Verwaltungsrat der EVZ Sport AG und Vorstandsmitglied der Zuger Wirtschaftskammer noch obendrauf. Ausserdem gilt er, als ehemaliger CEO der Risi AG und nun Bereichsleiter Produktion & Technik bei der Jura Holding AG, als ein gestandener Mann der Wirtschaft.

Online zum Erfolg

«Ich glaube, ich realisiere es noch nicht richtig», meint Fabio Iten (26) dazu, dass er für die CVP Unterägeri das Rennen um einen Kantonsratssitz gemacht hat. Er hat seine Chancen nicht schlecht eingeschätzt, seine beiden Mitstreiter seien sehr stark, aber auch ganz unterschiedlich gewesen, sagt er. Wie hat er die Wahl geschafft?

Iten hat viel Wert auf seinen Online-Auftritt gelegt, unter anderem seine eigene Webseite kreiert. «Ich war ein absoluter Laie und sie musste perfekt sein. Eine fast nicht zu bewältigende Herausforderung», so Iten. Aber es scheint sich gelohnt zu haben.

Die Verlierer: Zur Wiederwahl gestellt, aber abgewählt

Zug:
Marti Daniel (GLP)
Messmer Jürg (SVP)

Menzingen:
Etter Andreas (CVP)

Baar:
Grob Sepp (CVP)

Cham:
Renggli Silvan (CVP)
Freimann Fabian (SP)
Birrer Walter (SVP)
Sieber Beat (SVP)

Hünenberg:
Peduzzi Remo (CVP)

Walchwil:
Schmid Moritz (SVP)

Neuheim:
Peter Marcel (FDP)

Auch in den sozialen Medien sei er sehr aktiv gewesen und insgesamt stark von der jungen CVP unterstützt worden. Vielleicht ist also das der Schlüssel zum Erfolg: auf Online-Marketing und jugendliche Frische setzen.

Netzwerk bringt den Sieg

«Ein bisschen wie Geburtstag» fühlt sich der Einzug in den Kantonsrat für Manuela Leemann (CVP) an. Vermutlich wie Geburtstag und Weihnachten zusammen, denn im GGR hat sie sich ebenfalls an die Spitze der Liste gesetzt. Sie habe zwar an ihre Chancen geglaubt, aber war dann doch etwas überrascht vom überragenden Resultat.

Leemanns Familie kennt man in Zug, sie ist dort aufgewachsen und habe sich stark für den Wahlkampf engagiert, doch reicht das schon für ein so herausragendes Ergebnis? Ob ihr Geschlecht ein Vor- oder Nachteil sei, könne sie nicht sagen. Sie habe definitiv nicht das Gefühl, dass sie als Frau einen Nachteil hatte, einen Bonus von der Partei habe es aber auch nicht gegeben.

Ein bisschen Frauenbonus

Brigitte Wenzin Widmer (SVP) hingegen glaubt, es gebe auch in der rechten Wählerschaft ein bisschen Frauenbonus. Aber gut vernetzt zu sein könnte tatsächlich der Schlüssel zum Erfolg sein. Denn auch sie beruft sich darauf, dass sie dank der 17-jährigen, früheren Tätigkeit bei der Feuerwehr bekannt sei in Cham.

Ausserdem helfe es, dass man die Familie ihres Mannes kenne. Nichtsdestotrotz und auch wenn sie es immer für möglich gehalten habe, sei sie vom Ergebnis dann auch etwas überrascht gewesen.

So richtig enttäuscht zeigt sich niemand

Die SVP der Stadt Zug musste im Kantonsrat aufgrund des Wahlsystems einen Sitz abgeben. «Einer musste also über die Klinge springen», sagt Jürg Messmer. «Und das war jetzt ich.» Etwas enttäuscht sei man immer bei einer Niederlage, aber er sei nicht masslos enttäuscht.

Immerhin hat er den Sitz im Grossen Gemeinderat verteidigt. «Den Sitz im GGR zu verlieren wäre schlimmer gewesen, dafür schlägt mein Herz schon noch etwas mehr», fügt Messmer an.

Er habe seinen Job im Kantonsrat immer gewissenhaft gemacht und glaube nicht, dass er viel hätte anders machen können. «Das Leben geht weiter, politisch sowieso», lacht der bisherige Kantonsrat. «Vielleicht ist es sogar besser, so kann ich mich ganz auf den GGR konzentrieren und mich dort noch mehr einbringen.»

«Ich kann auch auf zwei Beinen gehen.»

Beat Sieber (SVP)

Auch nicht vollkommen enttäuscht, aber eher, weil er schon ein wenig damit gerechnet habe, ist Beat Sieber (SVP). «Ich habe den Parteiwechsel ja gewollt, aber mich bei den alteingesessenen SVPlern durchzusetzen ist schwierig», so der amtierende Kantonsrat, der vor drei Jahren von der FDP zur SVP wechselte.

Sieber hat sich in seinem Wahlkampf eher zurückgehalten, glaubt aber, dass bei einem aggressiveren Wahlkampf nur wieder alte Geschichten ausgepackt worden wären. «Meine drei Standbeine sind Unterrichtsentwicklung, Hochseeschifffahrt und Politik, ich kann aber auch auf zwei Beinen gehen», meint Sieber. Abgesehen davon könne man auch politisieren, ohne gewählt zu werden.

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