Die Schule Grenzhof befindet sich auf der ehemaligen Grenze zwischen Luzern und Littau. (Bild: jal)
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Die Schule Grenzhof befindet sich auf der ehemaligen Grenze zwischen Luzern und Littau. (Bild: jal)

Fertig Schule – Luzern will Grenzhof für andere Zwecke nutzen

5min Lesezeit

Die Grenzhof-Anlage in Littau hat als Schule ausgedient. Der Stadtrat hält an den Plänen für einen Neubau beim Rönnimoos-Schulhaus fest – unabhängig davon, ob der Grenzhof tatsächlich unter Denkmalschutz gestellt wird. Sollte die Stadt vor Gericht scheitern, müssten alternative Pläne her.

Die Zeiten der Schulanlage Grenzhof gehen zu Ende. Der Stadtrat will das Gebäude künftig nicht mehr für den Unterricht nutzen. Das hat er am Donnerstagnachmittag im Stadtparlament bekräftigt. Eigentlich wollte er das Gebäude eingangs Littau abreissen (zentralplus berichtete). Doch der Kanton Luzern schob dem einen Riegel: Die Schulanlage Grenzhof wurde unter Denkmalschutz gestellt.

Dagegen wehrt sich der Stadtrat auf juristischem Weg. Entscheiden muss als Nächstes Regierungsrat Reto Wyss, bevor die Frage ein Fall für die Gerichte werden könnte (zentralplus berichtete).

Klar ist für den Stadtrat bereits jetzt: Selbst wenn er vor Gericht unterliegt, hat der Schulbetrieb keine Zukunft. Wenn der Grenzhof nicht abgerissen werden darf, will die Stadt viel mehr ein konkretes Projekt für die Umnutzung des Gebäudes initiieren.

Fertig unterrichtet im Grenzhof

Die Klassen werden also so oder so auf dem Gebiet Rönnimoos in Reussbühl zusammengelegt. Das sei sowohl pädagogisch als auch betrieblich die sinnvollste Lösung, findet der Stadtrat. Denn beim Grenzhof wurden letzten Frühling erhöhte Werte des Schadstoffs Naphthalin gemessen. Dank Rochaden und Zumieten von Räumen kann der Unterricht weiter stattfinden – laut Stadtrat aber eingeschränkt und stark beeinträchtigt.

«Solange unklar ist, ob der eingeschlagene Weg richtig ist, macht es keinen Sinn, hohe Summen in die Planung zu investieren.»

Rieska Dommann, FDP-Grossstadtrat

Bereits auf März 2020 sollen darum alle Klassen der Schule Grenzhof in einem Provisorium auf dem Areal Rönnimoos unterrichtet werden. Weil das mittelfristig zu eng wird, ist ein Neubau geplant. Das Stadtparlament hat letzten Oktober den Wettbewerbs- und Projektierungskredit von knapp 2,5 Millionen Franken gesprochen (zentralplus berichtete).

Genau dieser Wettbewerb sollte nun sistiert werden, bis der definitive Entscheid betreffend Unterschutzstellung vorliegt. «Solange unklar ist, ob der eingeschlagene Weg richtig ist, macht es keinen Sinn, hohe Summen in die Planung zu investieren», begründete Rieska Dommann (FDP). Er kritisierte, dass der Stadtrat den gewählten Weg als «alternativlos» darstelle.«Bis heute behauptet der Stadtrat, eine Sanierung sei unverhältnismässig, ohne ausreichende Abklärungen vorgenommen zu haben.»

Weitere Verzögerung um mehrere Jahre befürchtet

Das Stadtparlament sprach sich aber gegen einen Marschhalt aus. Die ungewöhnlichen Allianzen – FDP, Grüne und GLP waren für den Stopp, während SP, SVP und CVP dagegen votierten – zeigten indes, wie schwer sich die Parteien mit dem Entscheid taten. Auf der einen Seite gab es viel Verständnis für die baukulturelle Bedeutung des Gebäudes. Auf der anderen Seite hing der Zeitdruck wie ein Damoklesschwert über der Sache, schliesslich ist klar, dass es im Gebiet Littau/Reussbühl mehr Schulraum braucht.

«Es wird uns niemand garantieren können, dass die Schadstoffthematik nach einer Sanierung effektiv gelöst wird.»

Urs Zimmermann, SVP-Grossstadtrat

Mit dem Zeitdruck argumentierte auch der Stadtrat, der sich gegen einen Stopp der Planung aussprach. Das würde zu mehrjährigen Verzögerungen führen. Statt im Schuljahr 2024/25 könnten die Schüler die dringend nötigen neuen Schulzimmer frühestens 2029 beziehen. Dazu kämen Kosten von mehreren Millionen Franken.

Auch CVP und SVP wollen am eingeschlagenen Weg festhalten. Für sie ist fraglich, ob eine Schadstoffsanierung mit einem verhältnismässigen Aufwand gemacht werden könne. «Es wird uns niemand garantieren können, dass die Schadstoffthematik nach einer Sanierung effektiv gelöst sein wird», sagte Urs Zimmermann (SVP). Im Vordergrund stehe der Aspekt, keine weitere Zeit zu verlieren, ergänzte Andreas Felder (CVP). Auch die SP stellte sich mehrheitlich auf diese Linie.

Der Stadtrat wehrt sich dagegen, dass der Grenzhof unter Denkmalschutz gestellt wird.
Der Stadtrat wehrt sich dagegen, dass der Grenzhof unter Denkmalschutz gestellt wird. (Bild: jal)

Der Stadtrat hält aber fest: Das bedeutet kein Präjudiz für den Abriss des Grenzhofs. «Die Schulanlage Grenzhof könnte auch bei einer Zusammenlegung der Primarschule in der Schulanlage Rönnimoos stehen bleiben.» Sollten die Gerichtsbehörden den Grenzhof vor der Abrissbirne retten, würde man diesen Entscheid selbstverständlich akzeptieren, sagte Baudirektorin Manuela Jost (GLP). Dann käme die angekündigte Umnutzung ins Gespräch.

Sanierungskosten von 25 Millionen?

In welche Richtung dies konkret gehen könnte, liess der Stadtrat am Donnerstag offen – was nicht alle goutierten. Rieska Dommann (FDP) etwa befürchtete, dass der Grenzhof – falls er definitiv unter Schutz gestellt und saniert wird – die Stadt teuer zu stehen kommt. Er schätzt die Sanierungskosten auf 25 Millionen Franken.

Klarheit soll ein Gutachten schaffen, das der Stadtrat im Beschwerdeverfahren beantragt hat. Dieses soll nebst den Kosten aufzeigen, wie lange eine Sanierung dauern würde. Erst danach könne man weiterplanen, sagte Stadträtin Manuela Jost und wehrte sich damit gegen den Vorwurf, der Exekutive fehle ein Plan B.

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