Pirmin Ulrich und Roberto Branca mischen im Wahlkampf mit. Mit ihren Plakaten wollen sie die Leute zum Wählen animieren. (Bild: wia)
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Pirmin Ulrich und Roberto Branca mischen im Wahlkampf mit. Mit ihren Plakaten wollen sie die Leute zum Wählen animieren. (Bild: wia)

«Ich wähle Bier»: Ein Lokal mischt den Zuger Wahlkampf auf

4min Lesezeit

Während allerorts angestrengt von den Plakatwänden gelächelt wird und übereifrig Gipfeli und Apfelringli verteilt werden, beginnt sich auch eine Zuger Bar in den Wahlkampf einzumischen. «Ich wähle Bier», steht da etwa unter dem Konterfei eines Barbesitzers. Machen die sich etwa lustig über das aktuelle politische Geschehen?

Im Kanton Zug sind die Wahlplakate derzeit so omnipräsent, dass man sie schon kaum mehr wahrnimmt. Wer im Moment durch den Baarer Dorfkern fährt, dürfte jedoch genauer hinschauen.

Was im Augenwinkel aussieht wie ein übliches Wahlplakat, verwirrt beim genaueren Anblick. Denn die beiden Männer, die ihr Antlitz zeigen, wirken einerseits viel zu glücklich, als dass sie in die Politikerschublade passen würden. Andererseits posieren sie je mit einer Flasche Bier und Wein auf dem Plakat. Und auch wenn der Hopfensaft dem einen oder anderen Baarer Politiker durchaus vertraut sein dürfte, merkt man spätestens jetzt: Da treibt jemand Schabernack mit den Passanten.

Politik oder geschickte Werbung?

«Ich wähle Bier», skandiert etwa «Biermin Hopfemeier», und auch sein Kollege «Truberto Primitivo» bekennt Farbe, er nämlich wählt Wein. Ist das nichts weiter als eine unkonventionelle Werbemassnahme? Oder macht das Cheers-Team tatsächlich Politik?

Pirmin Ulrich, der das Lokal gemeinsam mit Roberto Branca betreibt, erklärt auf Anfrage von zentralplus: «Es gibt tatsächlich mehrere Gründe für die Aktion.»

«Wir engagieren uns politisch, ohne dabei politisch zu sein.»

Pirmin Ulrich, Mitinhaber von Cheers in Baar

Befreundete Politiker hätten ihn gefragt, ob sie ihre Wahlplakate bei ihm in der Bar aufhängen dürfen. «Wir können hier jedoch nicht politisch sein, sonst kann es sein, dass sich Gäste vor den Kopf gestossen fühlen», so Ulrich. «So haben wir denn quasi unseren eigenen Wahlkampf begonnen. Die Plakate sollen die Leute dazu animieren, wählen zu gehen», sagt er. «Wir engagieren uns politisch, ohne dabei politisch zu sein, blöd gesagt.»

Das ist aber nicht alles. «Der zweite Grund ist der: Als ich am Montag beim Gemeindehaus war, fiel mir die Unzahl an Wahlplakaten auf. Mit unseren – nicht ganz ernst gemeinten Plakaten – nehmen wir diese etwas auf die Schippe.»

Diese «Wahlplakate» machen stutzig: Nicht nur, weil die Männer darauf viel zu ausgelassen sind.
Diese «Wahlplakate» machen stutzig: Nicht nur, weil die Männer darauf viel zu ausgelassen sind. (Bild: wia)

Kommen die negativen Stimmen noch?

Pseudowahlkampf, und dann noch mit einem Bier in der Hand? Das dürfte nicht allen gefallen. Beschwert über diese Veräppelung habe sich bisher niemand. «Im Gegenteil. Wir hätten niemals mit so vielen positiven Reaktionen gerechnet», so Ulrich. 230 Likes hat der entsprechende Facebook-Post bereits. 3’000 Leute hätten ihn bereits gesehen. «Ich nehme jedoch an, negative Kritik kommt schon noch. Auch wenn man diese ja meist nicht direkt mitbekommt.»

«Am Montag um 13.30 Uhr hatten wir die Idee, um 16 Uhr waren die Plakate im Druck.»

Pirmin Ulrich, Mitinhaber des Cheers

Die Plakate sind gut gemacht. Mit anderen Slogans und etwas ernsthafteren Mienen könnten sie durchaus als «echter» Wahlkampf durchgehen. War die Aktion von langer Hand geplant? Der Cheers-Inhaber dazu: «Nein, überhaupt nicht. Am Montag um 13.30 Uhr hatten wir die Idee, um 16 Uhr waren die Plakate im Druck.»

So viel Aufmerksamkeit mit so wenig Aufwand, davon kann ein mancher Zuger Politiker nur träumen.

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