Sieht unscheinbarer aus als das KKL in Luzern, kostet aber fast so viel: Visualisierung des neuen Busdepots, auch «Riesenkrokodil» genannt. (Bild: zvg)
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Sieht unscheinbarer aus als das KKL in Luzern, kostet aber fast so viel: Visualisierung des neuen Busdepots, auch «Riesenkrokodil» genannt. (Bild: zvg)

Busdepot im Stadtzentrum: Zuger Parlament will nicht weiter nachdenken

7min Lesezeit

190 Millionen Franken für schlafende Busse sollen für den neuen ZVB-Hauptstützpunkt an der Aa ausgegeben werden – das ist viel Geld. Trotzdem will eine Mehrheit des Zuger Kantonsrats nicht mehr prüfen, ob der Neubau überhaupt nötig ist oder ob der Standort im Stadtzentrum der bestmögliche ist. Das treibt einige Stadtzuger Politiker zur Weissglut.

Markus Mathis

«Angesichts der finanziellen Dimensionen des Projekts wäre es angezeigt, eine Studie in Auftrag zu geben», sagte CSP-Kantonsrätin Vroni Straub am Donnerstag im Zuger Kantonsrat. Und plädierte für den Vorschlag von SVP-Kantonsrat Philipp C. Brunner, auf Kosten der Stadt Zug abzuklären, ob der Standort Göbli für ein neues Hauptquartier plus Busdepot nicht geeigneter wäre. Dies als Alternative zum bisherigen Standort an der Aa, der in der Boomstadt Zug zusehends in die Stadtmitte rückt. «Die Antwort wäre ja offen», sagte Straub. Vielleicht stelle sich das Göbli ja tatsächlich als ungeeignet heraus.

Der Kanton hat indes am bisherigen Standort ein sündhaft teures Projekt mit zwei Untergeschossen auf unsicherem Baugrund vorgelegt, das schon praktisch zur Baureife gebracht wurde, ohne dass die eigentliche Standortfrage des zentralen Busdepots im Richtplan festgehalten wurde.

Mobilität der Zukunft

Dies sollte der Zuger Kantonsrat am Donnerstag per Beschluss nachholen. Er tat es – nachdem er sich knapp, mit 33 zu 27 Stimmen geweigert hatte, zu prüfen, ob es nicht doch einen besseren Standort gäbe (siehe auch unseren Kommentar dazu).

Mariann Hess ist ALG-Kantonsrätin aus Unterägeri.
Mariann Hess ist ALG-Kantonsrätin aus Unterägeri. (Bild: zvg)

Zuvor hatte die grünalternative Kantonsrätin Mariann Hess aus Unterägeri gefordert, doch bitte erst ein Mobilitätskonzept zu erarbeiten, bevor man sich auf einen Standort für den künftigen ZVB-Hauptstützpunkt festlege. Wie sich der Verkehr im Kanton Zug in Zukunft entwickeln werde, sei angesichts von Entwicklungen wie selbstfahrenden Kleinbussen mit vielen Unsicherheiten befrachtet. Die Frage, ob und wie man das weitere Wachstum der Region Zug mit konventionellem öV bewältigen könne, ist ungeklärt. Der Antrag wurde trotz Unterstützung aus der SP-Fraktion abgelehnt.

Situation hat sich verändert

Barbara Gysel, Vroni Straub, Philipp C. Brunner sind Politiker, welche die Stadt Zug im Kantonsparlament vertreten. Sie waren indes nicht die einzigen Stadtvertreter, die versuchten, zu verhindern, dass das Kantonsparlament das vorliegende Projekt ohne weiteres Nachdenken durchstiert.

CVP-Mann Urs Raschle, selber Stadtrat wie Straub, setzte sich ebenfalls für Abklärungen des Standorts Göbli ein. Er räumte ein, dass die Stadtregierung früher eine andere Meinung vertreten hatte und das Göbli nicht favorisiert habe. Er warb aber dafür, die Meinung ändern zu dürfen, wenn man schlauer geworden sei.

In der Stadt Zug änderte die Meinung

Dagegen spricht zum Beispiel, dass der Kanton von den bewilligten 30 Millionen Franken für Planungskredite bereits deren 13 ausgegeben hatte. Dagegen spricht, dass das Projekt an der Aa bereits weit fortgeschritten ist und am Alternativstandort Göbli ein unterirdischer See eine Unterkellerung erschwert, wie CVP-Kantonsrat Andreas Etter aus Menzingen anmerkte.

Dagegen spricht auch, wie FDP-Baudirektor Urs Hürlimann zu bedenken gab, dass die Stadt Zug selber für einen Stützpunkt an der Aa eintrat, «bevor es im vergangenen Jahr einen politischen Umsturz gab». Und dagegen spricht schliesslich, dass laut Hürlimann den Zugerland Verkehrsbetrieben bereits seit 60 Jahren ein neuer Stützpunkt versprochen wurde, sie aber immer wieder vertröstet wurden.

Chefbeamten haben vorgespurt

«Die Geschichte des ZVB-Hauptstützpunkts ist eine Geschichte der Versäumnisse», meinte indes Philipp C. Brunner. Dem SVP-Kantonsrat, Stadtparlamentarier und Hotelier wurde anschliessend in der Debatte widersprochen – etwa von CVP-Kantonsrätin Silvia Thalmann-Gut, die auch Verwaltungsrätin der ZVB ist und wie deren Mediensprecherin auftrat.

«Ohne die Stadt wäre Zug einer der ärmsten Kantone der Schweiz.»

Philipp C. Brunner, Kantonsrat SVP

Aber tatsächlich wurde vieles an der Frage von früheren ZVB-Leuten und ehemaligen kantonalen Chefbeamten in die von ihnen gewünschte Richtung gelenkt, ohne dass Politiker sich zeitig genügend Gedanken um einen Alternativstandort gemacht hätten.

Unterirdisches macht das Projekt so teuer

Und jetzt ist es da, das Luxusprojekt, das Brunner «Riesenkrokodil» nennt. Und zwar deshalb, weil ein grosser Teil des Baukörpers in den Untergrund verlegt werden soll und es entsprechend teuer macht (zentralplus berichtete). Bekanntlich soll die Busgarage auf zwei unterirdische Geschosse realisiert werden – auf Seekreide, welche in der Stadt Zug in der Vergangenheit schon zweimal – 1435 und 1887 – zu grossen Katastrophen geführt hatte, als der Untergrund nachgab.

Philipp C. Brunner ist SVP-Kantonsrat aus Zug.
Philipp C. Brunner ist SVP-Kantonsrat aus Zug. (Bild: zvg)

Für Brunner ist es «eine Vergewaltigung der Stadt, denn das Areal liege zusehends im Zentrum der Stadt und solle verdichtet und möglicherweise anders genutzt werden», findet Brunner. Die Entwicklung der Stadt sei auch für den Kanton von höchster Wichtigkeit. Die Stadt Zug trage 83 Prozent zum Zuger Finanzausgleich bei. «Ohne die Stadt wäre Zug einer der ärmsten Kantone der Schweiz.»

Vertreter des ländlichen Raums wollen bauen

Die Debatte im Zuger Kantonsrat verlief emotional. SVP-Kantonsrat Moritz Schmid warf seinem Parteikollegen Philipp C. Brunner vor, mit seinen Einwänden ein «professioneller Verhinderer» zu sein.

Die abgesteckten Fronten spiegelten sich auch in der Diskussion ums Göbli. Zwar gibt es keine unabhängige Untersuchung dazu, aber das kantonale Amt für Umweltschutz hält eine Unterkellerung nur mit einem Geschoss von drei Meter Raumhöhe für möglich. Dies wurde von Vertretern des ländlichen Raums als Beweis für die Untauglichkeit des Geländes angeführt. Die Variante, ein Geschoss abzutiefen und das Erdgeschoss als Hochparterre aufzuführen, kam nicht zur Sprache.

Am Ende spricht wohl das Volk

Die Abstimmung über den Richtplaneintrag fiel klar aus, nachdem erst einmal die Anträge zum Alternativstandort und Mobilitätskonzept vom Tisch waren. Das bedeutet aber noch nicht, dass Zug tatsächlich zu seinem «KKL am See» kommt – zu einem Luxusresort für schlafende Busse.

Das vorliegende Bauprojekt wird nun in der kantonsrätlichen Hochbaukommission und der Kommission für öffentlichen Verkehr beraten und kommt in einigen Monaten nochmals in den Kantonsrat.  Dann gehts darum, ob der Kanton Zug tatsächlich für den Preis eines Konzerttempels einen neuen Hauptstützpunkt für die ZVB und eine Zentrale für den Rettungsdienst realisiert. Angesichts der Höhe des Betrags und der Opposition aus der Stadt Zug darf man davon ausgehen, dass das Volk das letzte Wort zur Sache hat.

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