Der Artikel bei «Prime News»: Der Journalist macht Verbindungen zwischen Krawall in Basel und Luzerner Politikern auf. (Bild: jwy)
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Der Artikel bei «Prime News»: Der Journalist macht Verbindungen zwischen Krawall in Basel und Luzerner Politikern auf. (Bild: jwy)

Nach Krawall-Unterstützung: Juso-Präsidentin stösst auf Unverständnis

5min Lesezeit

An einer Krawallnacht in Basel vor zwei Jahren waren auch Juso-Politiker beteiligt, auch solche aus Luzern. Die Präsidentin der Luzerner Juso distanziert sich gegenüber einem Basler Journalisten nicht von der Gewalt, was hier für Kopfschütteln sorgt – selbst in der eigenen Partei.

Das Online-Medium «Prime News» dürfte den wenigsten bekannt sein. Trotzdem sorgt ein Artikel schon gehörig für Wirbel – auch in der Luzerner SP, dazu später. Autor ist der Ex-«Basler Zeitung»-Journalist Christian Keller.

In einem der ersten Beiträge des jungen Mediums (siehe unter Links) schreibt er über einen «Saubannerzug» vom 24. Juni 2016 in Basel. Ein wütender Mob habe alles kurz und klein geschlagen und Polizisten attackiert. Der Sachschaden betrug über 180'000 Franken.

Legitime Gewalt?

Unter den 18 Angeklagten sollen sich auch zwei Luzerner Politiker befinden, so der Artikel: ein ehemaliger Kantonsratskandidat der Luzerner Juso sowie ein Mitglied der Jungen Grünen Luzern.

Prozess im Oktober

Am Basler Strafgericht kommt es am 24. Oktober zum Prozess gegen 18 mutmasslich Beteiligte an der Krawallnacht vom Juni 2016. Die Vorwürfe: mehrfache Sachbeschädigung, Angriff, Körperverletzung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte. Unter den 18 Angeklagten sollen sich laut Anklageschrift auch zwei Luzerner Politiker befinden. Insgesamt hätten drei der Angeklagten Verbindungen zu Juso-Sektionen. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Christian Keller hat die Luzerner Juso-Präsidentin Lara Küenzi damit konfrontiert. Diese wolle sich nicht distanzieren von den Krawallen in Basel, schreibt Keller. Zwar gebe die Juso ihren Namen für solche Aktionen nicht her, so Küenzi im Artikel, aber: «Wir distanzieren uns nicht grundsätzlich von kriminellen Handlungen, die dabei passieren können. Wir haben zum Beispiel kein Problem mit Sprayereien oder unbewilligten Demos.»

Solidarität einzufordern und bei einer Demo Scheiben einzuschlagen und Sprayereien anzubringen, sei kein Widerspruch, sagt sie gegenüber «Prime News» weiter. Um Toleranz einzufordern, könne Gewalt «ein legitimes Mittel sein». Lara Küenzi hat die Aussagen gegenüber Christian Keller schriftlich autorisiert.

SP-Politiker distanziert sich

Die Aussagen haben weitherum für Kopfschütteln gesorgt – einerseits bei Politikern anderer Parteien. Aber auch bei der SP selbst.

Der Präsident der JCVP Luzern etwa hat kein Verständnis für die Aussagen, wie er auf Twitter kundtut:

 

Auch SP-Politiker distanzieren sich von den Aussagen der Juso-Präsidentin: «Ob Hooliganismus oder Krawalltourismus … Gewalt hat keinen Platz», twitterte Jörg Meyer, Luzerner SP-Kantonsrat und Regierungsratskandidat bei den bevorstehenden Wahlen. Er antwortete damit auf eine Frage von CVP-Kantonsrat Adrian Bühler, was Meyer vom Krawalltourismus der Juso halte.

 

(Bild: Screenshot Twitter)

Lara Küenzi selbst bereut ihre Aussagen gegenüber dem Basler Medium, und zieht ihre Lehren daraus: «Ich würde das heute sicher nicht mehr so sagen», sagt sie hörbar zerknirscht. Sie sei zu wenig über die Thematik informiert gewesen und war überrascht, dass sie zu den Vorgängen in Basel überhaupt befragt wurde. «Ich habe mir das zu wenig gründlich überlegt, ich und die Juso distanzieren uns klar von jeglicher Form von Gewalt», sagt Küenzi heute. Doch wieso hat sie sich überhaupt dazu geäussert? Ihr sei es darum gegangen, dass die involvierten Leute nicht vorverurteilt würden, so Küenzi.

Sie bedauert den Wirbel, den ihre Aussagen ausgelöst haben, und es hat sie bedrückt: «Es war ein Fehler, und ich stehe dazu.» Ihre Lehre daraus: «Ich gebe nur noch Interviews, wenn ich eine adäquate Antwort habe», sagt sie.

Mutterpartei distanziert sich

Schliesslich waren die Aussagen bei «Prime News» auch bei der Mutterpartei, der SP Stadt Luzern, ein Thema. Die 18-Jährige sei vom Journalisten überfahren worden und man erkläre sich die Aussagen mit der Unerfahrenheit von Lara Küenzi im Umgang mit Medien. Sie hat das Juso-Präsidium erst im Frühling dieses Jahres übernommen. «Die SP distanziert sich natürlich in jeder Form von Gewalt», sagt Claudio Soldati, Präsident der SP Stadt Luzern. Und er ist sicher, dass auch die Juso-Präsidentin sich von Gewalt in jeglicher Form distanziere und diese Aussagen so heute nicht mehr machen würde.

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