Da steht es: Parkieren ist an Sonntagen zwischen 7 und 21 Uhr gestattet. Von Feiertagen ist nichts zu lesen. (Bild: zVg)
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Da steht es: Parkieren ist an Sonntagen zwischen 7 und 21 Uhr gestattet. Von Feiertagen ist nichts zu lesen. (Bild: zVg)

140 Franken Parkbusse, weil der Feiertag kein Sonntag ist

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Am 1. August wurden vor dem Schulhaus Oberwil Parkbussen verteilt – rund 40 Autolenker kassierten Strafzettel über 140 Franken. Dies, weil Badegäste ihre Autos auf dem Schulhausplatz abgestellt hatten. Das ist zwar sonntags erlaubt – aber eben nicht an Feiertagen. Eine Regelung, die ad absurdum durchgesetzt wird?

Neulich, am 1. August: Es ist dermassen heiss, dass sich die Schweizer gar nicht aus den kühleren vier Wänden wagen. Oder aber die einzig vernünftige Option wahrnehmen und sich in die Badi begeben. Und das tun sie denn auch zahlreich. Weil erfahrene Zuger Badefreunde jedoch wissen, dass im Brüggli parkplatztechnisch wohl nichts zu holen ist, reisen sie weiter nach Oberwil.

Dort nämlich stehen an jedem Sonntag während der Sommerferien Parkplätze auf dem Schulhausplatz zur Verfügung. Im Zuge eines Fahrverbots, welches die Stadt Zug im Jahr 2006 für den Schulhausplatz erliess, wurde gleich eine entsprechende Zusatzregelung erstellt. Laut dieser darf an allen sieben Sonntagen während der Sommerferien zwischen 7 Uhr und 21 Uhr auf dem Schulhausplatz parkiert werden. Dies, um die Parkplatzsituation für die Badegäste des Tellenörtlis zu verbessern.

Autofahrer erwartete eine böse Überraschung

Am 1. August wurde der «Parkplatz» entsprechend rege genutzt. Badefreudige stellten ihre Autos ab, verbrachten einen schönen Tag planschend am See und kamen gutgelaunt und sonnengegerbt zurück zum Schulhausplatz. Dort jedoch erwartete sie eine böse Überraschung: Unter den Scheibenwischern von rund 40 Autos klemmten Einzahlungsscheine, wie zentralplus am Wochenende publik machte. Geahndet wurde das Vergehen mit Bussen über sage und schreibe 140 Franken.

Die Polizei habe beim Verteilen der Bussen einzig das Gesetz umgesetzt, erklärt die Zuger Polizei auf Anfrage.

«Ein Feiertag ist einem Sonntag gleichgestellt.»

Gregor Bruhin, Zuger SVP-Gemeinderat

Diese Praxis erstaunt. Dies nicht zuletzt, da etwa bei Parkuhren Feiertage auch als Sonntage gelten. Die Polizei erklärt auf Anfrage von zentralplus, dass man einzig das geltende Gesetz umgesetzt habe. Und wie erklärt sie die Höhe der Bussen? «Die Missachtung eines Fahrverbots kumuliert der Missachtung des Parkverbots hat eine Ordnungsbusse von 140 Franken zur Folge», erklärt die Polizei.

Einige Betroffene haben sich denn nach dem 1. August an den Zuger SVP-Gemeinderat Gregor Bruhin gewandt. «Ich habe zahlreiche empörte Rückmeldungen erhalten», sagt dieser auf Anfrage von zentralplus.

Für Bruhin ist das rigorose Verteilen von Bussen überhaupt nicht nachvollziehbar: «Ein Feiertag ist einem Sonntag gleichgestellt. Da ist es nur logisch, dass viele ihre Autos in Treu und Glauben dort abgestellt haben.» Ausserdem, so Bruhin weiter, «liegen in den Sommerferien nur zwei Feiertage. Da könnte die Stadt kulanter sein oder die Markierung so anpassen, dass klar ersichtlich ist, ob an Feiertagen parkiert werden darf».

Saftige Busse: Falschparker in Oberwil mussten am 1. August tief in die Tasche greifen.
Saftige Busse: Falschparker in Oberwil mussten am 1. August tief in die Tasche greifen. (Bild: zVg)

Auch die Brüggli-Situation beunruhigt Bruhin

Auch auf die Parksituation beim Brüggli blickt Gemeinderat Gregor Bruhin mit Sorge. Dort hat sich die Situation in den letzten Wochen verschärft (zentralplus berichtete). «Es ist unverständlich, dass das Querulantentum so weit fortgeschritten ist, dass ein einziger Anwohner die Stadt derart behindern kann, dass der Parkplatz unter der Woche geschlossen werden musste.»

Als Anwohner spüre Bruhin selbst, wie die Badegäste nun das Quartier mit Suchverkehr belasten würden. «Diverse Leute parkieren nun wild auf der Wiese der Korporation oder stellen ihr Auto auf privaten Parkplätzen ab. Jene Person, welche erwirkt hat, dass der Parkplatz werktags geschlossen werden musste, hat dem Quartier einen Bärendienst erwiesen», ist Bruhin überzeugt. Insbesondere, da die Stadt mit dem teilweise gekiesten Stück Land vorderhand sowieso nichts anfangen könne.

Ein politischer Vorstoss ist in der Pipeline

Bruhin betont jedoch gegenüber zentralplus, dass er nicht das Verhalten des verantwortlichen Stadtrats Urs Raschle kritisiere. «Im Gegenteil, er leistet sehr gute Arbeit in diesem Bereich und ist um Lösungen bemüht», so Bruhin. Um seinem Anliegen Ausdruck zu verleihen, plant der SVP-Gemeinderat, demnächst einen politischen Vorstoss einzureichen.

Doch selbst die heutige Parkplatznutzung in Oberwil findet nicht nur Zustimmung, erklärt Stadtrat Urs Raschle auf Anfrage. «Es gibt immer wieder Diskussionen mit den Anwohnern. Einige sind der Ansicht, dass der Platz auch sonntags vielmehr dazu genutzt werden soll, dass Kinder darauf spielen können.» Andere wiederum fänden, dass man den Platz stärker als Parkplatz nutzen könnte. «Nun haben wir eine Kompromisslösung, an die wir uns halten», so Raschle.

Der besagte Schulhausplatz in Oberwil von oben.
Der besagte Schulhausplatz in Oberwil von oben. (Bild: Google Maps)

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