Hauptgebäude der Universität Luzern. Im Gebäude befindet sich auch die Pädagogische Hochschule Luzern. (Bild: rew)
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Hauptgebäude der Universität Luzern. Im Gebäude befindet sich auch die Pädagogische Hochschule Luzern. (Bild: rew)

Mitarbeiter mit neuen Anschuldigungen an Universität Luzern

6min Lesezeit 5 Kommentare

Ein Institut, das seine Geldquellen nicht offen legt und willkürlich agierende Professoren: Diese Missstände prangert ein Mitarbeiter der Theologischen Fakultät an. Er fordert, dass die Universitätsleitung endlich durchgreift. Doch auch der inzwischen freigestellte Professor Martin Mark hätte unglücklich agiert.

Die Entlassung von Professor Martin Mark wirft weiterhin hohe Wellen, inzwischen hat sich auch die Politik eingeschaltet (zentralplus berichtete). Und auch intern wird Kritik laut. Nicht nur die Studenten der Theologischen Fakultät gehen dabei auf die Barrikaden, auch Mitarbeiter machen ihrer Unzufriedenheit in der Öffentlichkeit Luft. Assistenzprofessorin Rana Alsoufi, die nach wenigen Monaten ihre Stelle kündete, kritisiert, dass die Fakultätsleitung bis auf den geschassten Martin Mark gar kein Interesse am Aufbau des neuen Religionszentrums zeigte (zentralplus berichtete).

Das Verhalten der Universitätsleitung hat nun einen weiteren Mitarbeiter zum Gang an die Öffentlichkeit bewegt. Er ist seit mehreren Jahren an der Universität beschäftigt. Die Person möchte ihren Namen nicht im Internet lesen. Das Fazit lautet: «Die Fakultät hat moralisch und auch rechtlich Makel.»

Unter anderem wisse niemand im Haus, wie sich das üppige Institut für Religionspädagogik finanziere, sagt er gegenüber zentralplus. Obwohl die Mitarbeiter im Vergleich zu den Forschungsmitarbeitern in der Theologie eigentlich keine Infrastruktur benötigten, würden sie die attraktivsten Büros besetzen. Das Institut sei denn auch treibende Kraft hinter der Absetzung von Mark. Den Vorwurf der Intransparenz hat auch Mark selbst formuliert.

Wie gut waren die Führungsqualitäten des abgesetzten Dekans 

Andere Professoren würden sich in von ihrer eigenen Lehrverpflichtung entlasten, indem sie diese an Mitarbeiter delegierten, sagt die Auskunftsperson weiter. «Die Professoren regieren ihre Fakultäten wie kleine Könige.» Der Mitarbeiter sagt weiter, Martin Mark habe diesen Filz kritisiert und dabei in Wespennester gestochen. Diese Aussagen decken sich mit den Vorwürfen von Mark (zentralplus berichtete).

«Als Mitarbeiter, der am Ruf dieses Hauses leidet, hätte ich mir dieses Aufräumen sehr gewünscht.»

Mitarbeiter, Theologische Fakultät Universität Luzern 

Doch gleichzeitig sei der abgesetzte Dekan eine tragische Figur, die als Führungsperson ungeeignet gewesen sei und effektiv nichts bewegt habe. «Um Entscheidungen zu treffen war er vorsichtig, übervorsichtig, paranoid vorsichtig», sagt der Informant. Dennoch sei er für eine zweite Amtszeit einstimmig wiedergewählt worden von der Fakultätsversammlung.

Mitarbeiter leiden unter Strukturen

Abgesetzt wurde Dekan Mark im vergangenen Jahr. Dies sei geschehen, nachdem die Verwaltung der Fakultät sich weigerte, die an anderen Fakultäten der Universität Luzern übliche Transparenz von allen Beteiligten einzufordern, mutmasst er. Die Absetzung durch den Rektor sei überraschend erfolgt und am gleichen Tag im Rahmen einer ausserordentlichen Fakultätsversammlung kommuniziert worden. Der Theologischen Fakultät seien jedoch bis heute keine konkreten Gründe für die Absetzung Martin Marks bekannt. 

Der Mitarbeiter sagt, Rektor Staffelbach habe aus Opportunismus den Weg des geringeren Widerstandes gewählt. «Die Alternative wäre, die Fakultät tatsächlich von oben aufzuräumen», so die Auskunftsperson. «Als Mitarbeiter, der am Ruf dieses Hauses leidet, hätte ich mir dieses Aufräumen sehr gewünscht.» Aus eigener Kraft gelänge dies der Theologischen Fakultät nicht.

«Die Universitätsleitung hat sich das grösstmögliche PR-Desaster eingebrockt mit der fatalen Annahme, dass mit der Entlassung eines Professors Ruhe einkehrt. Natürlich ist das Gegenteil eingetreten.»

In einem offenen Brief an die Studenten entschuldigte sich Staffelbach in den letzten Tagen für die zurückhaltende Kommunikation. Begründung: Einerseits sei der Persönlichkeitsschutz der Betroffenen wichtig und andererseits laufe jetzt ein Verfahren, wozu die Universität keine Kommentare machen könne (zentralplus berichtete). 

Abstellgleis für ausländische Wissenschaftler? 

Mit der Freistellung von Mark hat man sich in den Augen des Informanten keinen Gefallen getan: «Die Personen und Abteilungen, die am meisten Dreck am Stecken haben, haben sich auch am stärksten für dessen Absetzung engagiert.»

Es sei höchste Zeit, dass sich nun etwas bewege. Bereits heute habe die Theologische Fakultät der Universität Luzern einen zweifelhaften Ruf. Sie gelte zwar einerseits als Sprungbrett für talentierte Forscher, gleichzeitig aber auch als Abstellgleis für Wissenschaftler, die es in ausländischen Universitäten nicht geschafft hätten, sagt der Mitarbeiter. «Die Universitätsleitung hat sich das grösstmögliche PR-Desaster eingebrockt mit der fatalen Annahme, dass mit der Entlassung eines Professors Ruhe einkehrt. Natürlich ist das Gegenteil eingetreten.»

Universität bezeichnet Vorwürfe als haltlos 

«Wir geben grundsätzlich keine Stellungnahme zu Gerüchten und anonymen Anschuldigungen ab», sagt Esther Müller, Mediensprecherin der Universität Luzern auf die Vorwürfe angesprochen. Einige Anschuldigungen seien so unspezifisch, dass sie gar nicht kommentiert werden könnten. «Wir weisen aber alle Anschuldigungen, welche die Integrität der Arbeit der Fakultät, des Institut für Religionspädagogik und des Dekans in Frage stellen, in aller Form zurück.»

Müller will die Haltlosigkeit der anonym geäusserten Vorwürfe an zwei Beispielen aufzeigen. «Alle Geldflüsse werden an der Universität Luzern durch das zentrale Finanz- und Rechnungswesen bearbeitet. Ein einzelnes Institut kann gar keine eigenen Mittel oder separaten Geldflüsse haben, die der Fakultät oder der Universitätsleitung nicht bekannt sind.»

Einzig die Mitarbeitenden des Finanz- und Rechnungswesens könnten Zahlungen auslösen und Einnahmen verbuchen. Dadurch seien die Geldflüsse und Mittel aller Bereiche und Institute, also auch des Religionspädagogischen Instituts, sowohl der Fakultät wie auch der Universitätsleitung detailliertestens bekannt. «Von einer Intransparenz kann keine Rede sein», so Müller. 

Und zu den Büros sagt sie: «Es ist völlig absurd und auch weltfremd, anzunehmen, dass die Mitarbeitenden des Religionspädagogischen Instituts keine Infrastruktur benötigen würden.» Zudem seien alle Büros im Uni/PH-Gebäude gleich: Es gäbe gar keine «attraktiveren» Büros.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version stand, dass der Mitarbeiter die Universität Luzern in der Zwischenzeit verlassen hat. Dies wurde korrigiert.

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