Silvia Thalmann-Gut von der CVP will in die Zuger Regierung. (Bild: woz)
Politik Wahlen Interview

Silvia Thalmann-Gut von der CVP will in die Zuger Regierung. (Bild: woz)

«Ich habe eine emotionale und eine mathematische Seite»

11min Lesezeit

Zwei Frauen kandidieren für die Zuger Regierung. Eine davon ist die 56-jährige Silvia Thalmann-Gut von der CVP. Wie die Bürgerliche und Mutter im Interview mit zentralplus versichert, hält die Oberwilerin ihre Wahlchancen für 50:50.  

Wolfgang Holz

zentralplus: Frau Thalmann, ist das jetzt für Sie eine Belastung, noch einen Wahlkampf führen zu müssen?

Silvia Thalmann-Gut: Nein, das ist ein Teil meiner Kandidatur, den ich gerne mache. Und der dazugehört …

zentralplus: … ich glaube, Sie haben mich falsch verstanden. Ich meinte eigentlich, dass Sie nun den paradiesischen Zustand nicht mehr geniessen können, nach dem Wegfall von Manuela Weichelt als Frau auf jeden Fall gewählt zu werden. Weil: Eine Frau wäre auf jeden Fall in den Regierungsrat gekommen. Das will Zug, daran hat sich Zug gewöhnt.

Thalmann-Gut: Nein, nein, ich freue mich über die Kandidatur von Barbara Gysel von der SP.

zentralplus: Aber dann könnte es am Ende so weit kommen, dass doch keine Frau in den Regierungsrat kommt, weil sich die beiden Frauen gegenseitig die Stimmen wegnehmen …

Thalmann-Gut: … das kann sein. Aber ich habe schon so viel Wahlkampf mitgemacht und gebe jetzt Vollgas für meine Kandidatur für den Regierungsrat. Am Ende wird man dann sehen, ob es gelungen ist oder nicht. Ob man eine Niederlage verdauen muss oder einen Sieg feiern kann.

zentralplus: Was heisst denn Vollgas geben für Sie?

Thalmann-Gut: Das heisst, ich werde jetzt mit den Vorbereitungen für den Wahlkampf beginnen, den ich dann nach den Schulferien starte. Es ist mir klar, dass die FDP jetzt schon beginnen muss mit dem Plakatieren ihrer beiden Kandidaten – damit die Zuger sie kennenlernen. Ich bin ja in Baar aufgewachsen und habe schon in den verschiedensten Funktionen gerabeitet – als Personalverantwortliche für verschiedene Firmen, für die Katholische Kirchgemeinde, für die Frauenzentrale, für Kinderkrippen.

«Ich habe bis 40 ja immer 100 Prozent gearbeitet.»

zentralplus: Wenn man ihren persönlichen Lebensweg verfolgt, muss man tatsächlich sagen, dass Sie unglaublich stark vernetzt sind. Vor allem durch Ihre beruflichen Tätigkeiten. Warum sind Sie denn nicht Primarschullehrerin geblieben – es gibt doch kaum einen schöneren Beruf?

Thalmann-Gut: Ich war ja einige Jahre lang Primarlehrerin im Aargau. Ich habe meinen Beruf auch sehr gerne gemacht. Aber dann habe ich Ausschau gehalten nach etwas Anderem, weil ich mich weiterentwickeln wollte. Ich habe mich Aufgaben gewidmet, die alle mit Menschen in der Entwicklung ihrer beruflichen Fähigkeiten zu tun hatten. Bis ich 40 war, habe ich ja immer 100 Prozent gearbeitet.

zentralplus: Mal ehrlich, war's das Geld? Haben Sie als Primarlehrerin zu wenig verdient?

Thalmann-Gut: Nein, das Geld war es nicht. Ich bin einfach ein Mensch, der zwei Seiten in seinem Wesen hat – eine emotionale, auf Menschen bezogene Seite und eine mathematisch-logische Seite. Der Beruf als Primarlehrerin war mir von den Themen her intellektuell zu begrenzt. Doch immer noch finde ich den Lehrberuf etwas vom Schönsten und sehr bereichernd.

zentralplus: Apropos Lehrer und Schüler: Sie wollen sich ja explizit in Ihrer Politik auch für das Bildungsangebot einsetzen. Was kann denn in dieser Beziehung in Zug noch besser werden?

Thalmann-Gut: Also zunächst muss man mal sagen, dass von Ausserkantonalen immer wieder betont wird, wie toll das Bildungssystem in Zug im Vergleich zu anderen Kantonen ist. Für die Primarschule ist es sicher eine grosse Belastung, dass durch den individualisierten Unterricht und die Integration von vielen verschiedenen Schülern das Unterrichten zum grossen Spagat wird.

Silvia Thalmann-Gut ist ursprünglich Primarlehrerin von Beruf.
Silvia Thalmann-Gut ist ursprünglich Primarlehrerin von Beruf. (Bild: woz)

zentralplus: Und wie sieht's mit der Kanti aus? Sollten angesichts der Fachkräftenachfrage im Boom-Kanton Zug nicht mehr Zuger Schüler auf die Kanti geschickt werden, anstatt ständig Leute aus dem Ausland zu rekrutieren?

Thalmann-Gut: Ich denke, es sollten nur die auf die Kantonsschule gehen, die es intellektuell schaffen, die gerne büffeln, die diszipliniert sind und die wirklich eine akademische Laufbahn einschlagen wollen. Und wie die jüngsten Zahlen zum Übertrittsverfahren aussehen, liegt Zug mit 21,5 Prozent Gymnasiasten durchaus sehr gut. Das Übertrittsverfahren stösst auf grosse Akzeptanz. Ausserdem: Wer lange studiert, steigt nicht so schnell ins Arbeitsleben ein.

«Mit dieser Frage habe ich, ehrlich gesagt, nicht gerechnet.»

zentralplus: Kommen wir mal zu Ihrem Leben als Politikerin. Sie sind seit 2007 Kantonsrätin. Was würden Sie sagen, ist Ihre grösste politische Initiative oder Errungenschaft in all den Jahren?

Thalmann-Gut (lacht): Ich kann Ihnen sofort sagen, was ich nicht erreicht habe – dass nämlich der Zuger Regierungsrat von sieben auf fünf Personen reduziert wird.

zentralplus: Da können Sie ja jetzt froh sein, dass Ihnen das misslungen ist – sonst bräuchten Sie ja jetzt gar nicht zu kandidieren. Aber zurück zu den Errungenschaften. Worauf sind Sie stolz als Politikerin?

Thalmann-Gut: Mit dieser Frage habe ich, ehrlich gesagt, nicht gerechnet (blickt zur Seite und schweigt ziemlich lang). Ich habe kaum persönliche Vorstösse gemacht, sondern die bürgerliche Politik der CVP mitgetragen. So habe ich die Motion zur «Schuldenbremse» mitausgeheckt. Eine wirklich gute Sache. Und dann durfte ich immer wieder Kommissionen mit sehr anspruchsvollen Geschäften leiten.

«Eine sehr grosse Herausforderung für den Kanton Zug sind die Finanzen.»

zentralplus: Für was würden Sie sich denn als Bürgerliche einsetzen, wenn Sie in den Regierungsrat gewählt werden würden?

Silvia Thalmann-Gut kandidierte schon für den Nationalrat

Silvia Thalmann-Gut wohnt in Oberwil bei Zug, ist verheiratet und hat einen 16-jährigen Sohn. Die 56-Jährige, die von Beruf Primarlehrerin ist, arbeitete seit Jahren in verschiedenen Funktionen der strategischen Unternehmensleitung. Im Augenblick ist sie Verwaltungsratspräsidentin der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) und der Schulen St. Michael in Zug. Sie war auch schon Geschäftsstellenleiterin der Katholischen Kirchgemeinde Zug. Seit 2007 ist die CVPlerin im Zuger Kantonsrat und hat auch schon für grössere Ämter kandidiert – 1999 für den Nationalrat.

Thalmann-Gut: Eine sehr grosse Herausforderung für den Kanton Zug sind die Finanzen. Die sind zur Zeit nicht ausgeglichen und müssen wieder ins Lot gebracht werden. Das ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Auch müsste man den ZFA reformieren. Der Topf ist zu gross – aus dem zu viel Geld verteilt wird, was gar nicht alle nötig haben. In Baar beispielsweise gibt es so viel Geld, dass sich die Frage stellt, was damit gemacht wird. Oder um wie viel die Steuern weiter gesenkt werden sollen. Dieses Ungleichgewicht zwischen den Kantons- und den Gemeindefinanzen muss behoben werden.

zentralplus: Warum denken eigentlich bürgerliche Politiker bei Ertragsüberschüssen reflexartig stets an Steuersenkungen, anstatt mal zu überlegen, wie man dem darbenden Mittelstand unter die Arme greifen könnte, der sich den Kanton Zug immer weniger leisten kann? Stichwort: Subventionierung der Tagesschule und Kinderbetreuung für berufstätige Eltern etwa.

Thalmann-Gut: Als bürgerliche Politikerin muss ich mir immer erst Gedanken darüber machen, ob ein Gemeinwesen seine staatlichen Aufgaben wahrnehmen kann. Erst dann kommt für mich die Frage, wie viel Service den Bürgern angeboten werden sollte, und wie viel Selbstverantwortung der Bürger selbst übernehmen sollte.

«Es ist auch nicht gut, wenn der Staat durch Subventionen private Anbieter konkurrenziert.»

zentralplus: Will heissen?

Thalmann-Gut: Will heissen: Beim Thema tiefe Krippenpreise stellt sich zum einen das Problem, ob dann am Ende tatsächlich jene Personen die staatliche Unterstützung bekommen, die sie auch wirklich brauchen. Oder ob es nicht auch Wege gibt, wie man sich privat kostengünstiger organisieren kann. Zum anderen ist es auch nicht gut, wenn der Staat durch Subventionen private Anbieter konkurrenziert.

Diese drei Christdemokraten wollen in die Zuger Regierung: Martin Pfister (links, bisher), Silvia Thalmann-Gut (neu) und Beat Villiger (bisher).
Diese drei Christdemokraten wollen in die Zuger Regierung: Martin Pfister (links, bisher), Silvia Thalmann-Gut (neu) und Beat Villiger (bisher). (Bild: mam)

zentralplus: Also wenn beide Elternteile berufstätig sind, bleibt nicht sehr viel Spielraum, die Kinderbetreuung noch auf private Füsse zu stellen. Nicht zuletzt profitiert ja der Staat wiederum von den Steuereinnahmen der Berufstätigen. Andersherum gefragt: Sie wollen sich gemäss Ihrer Homepage für einen familienfreundlichen Lebensraum einsetzen, was meinen Sie damit wirklich?

«Natur ein wichtiges Element»

Thalmann-Gut: Für mich ist die Natur ein ganz wichtiges Element. Familienfreundlicher Lebensraum bedeutet, dass Familien genügend Freiräume in Wohnquartieren haben sollen. Dass es für Kinder genügend Spielplätze gibt. Dass es Badeanstalten, Velowege, eine attraktive Wohnbauförderung und ein leistungsfähiges Bussystem gibt. Gerade das Bussystem im Kanton Zug ist beispielsweise sehr familienfreundlich.

zentralplus: Wenn man Ihnen zuhört, Frau Thalmann, beschleicht einen immer wieder das Gefühl, dass Sie eigentlich ohne Weiteres auch für die FDP kandidieren könnten. Was verbindet Sie eigentlich mit der CVP und nicht zuletzt mit dem C, das ja für christlich steht?

«Ich gehe sonntags in die Kirche. Für mich ist der Glaube ein Lebenskompass.»

Thalmann-Gut: Die CVP im Kanton Zug ist eine Wirtschaftspartei, die in den christlich-humanistischen Werten verwurzelt ist. Ich gehe sonntags in die Kirche. Für mich ist der Glaube ein Lebenskompass. Auch die CVP ist für mich absolut stimmig: Sie kümmert sich um die menschliche Seite des Gemeinwesens und sorgt dafür, dass der Mensch selbstbestimmt sein Leben führen kann.

zentralplus: Und wie schätzen Sie Ihre Wahlchancen ein?

Thalmann-Gut: Ich halte sie für intakt, genauer gesagt liegen sie bei 50 Prozent. Denn rein rechnerisch gibt es für die drei frei werdenden Sitze sechs Kandidaten – wenn man davon ausgeht, dass die restlichen vier Amtsinhaber wiedergewählt werden. Ein Vorteil ist für mich das Majorzwahlverfahren. Ich komme aus einer grossen Gemeinde und habe damit schon mal eine grosse Homebase.

zentralplus: Was tun Sie bis zum Wahltag, wenn Sie mal nicht an Politik denken?

Thalmann-Gut: Ich habe einen wunderbaren Garten, in dem ich viel arbeite. Ich gehe gerne wandern auf dem Zugerberg und bin grundsätzlich ein Familienmensch. Ich verreise gerne und lese auch viel – zur Zeit gerade eine interessante Biografie über Audrey Hepburn. Was ich nicht mache – ich schaue kein Fernsehen.

zentralplus: Dann verpassen Sie ja die Fussball-WM komplett?

Thalmann-Gut: Von der WM lasse ich mich gerne von meinem Sohn anstecken – der mir sagen wird, wenn es wichtig wird.

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Politik