Schick, aber gähnende Leere – eines der Geschosse im neuen Parkhaus am Postplatz. (Bild: woz)
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Schick, aber gähnende Leere – eines der Geschosse im neuen Parkhaus am Postplatz. (Bild: woz)

Noch herrscht gähnende Leere im Postplatz-Parkhaus

10min Lesezeit

Am Sonntag wird in Zug über die Parkplätze auf dem unteren Postplatz abgestimmt. Seit Ende April kann man sein Auto bereits im neuen Parkhaus am Postplatz abstellen. Wie gut lässt es sich da parkieren? zentralplus probierte es aus.

Wolfgang Holz

«Tricky.» So bezeichnet die junge Frau im bronzefarbenen BMW-SUV die Einfahrt ins neue Postplatz-Parkhaus. Sagt's und lächelt, als hätte sie schon einige Mutproben beziehungsweise Lackkratzergefahren zu überstehen gehabt.

Wie «tricky» ist das moderne Parkhaus am Postplatz wirklich? zentralplus machte die Probe aufs Exempel.

2,20 Meter Einfahrtshöhe – das ist relativ grosszügig

Wer die Einfahrt ins Ende April eröffnete Postplatz-Parkhaus unter die Lupe nimmt, dem fällt erst mal angehm auf, dass die zugelassene Höhe für Fahrzeuge 2,20 Meter beträgt.

Das ist recht grosszügig bemessen. Denn in vielen anderen Zuger Parkhäusern liegt die Latte maximal bei 2,10 Metern – oft sogar darunter. Wer etwa in den dunklen Schlund des Parkhauses im Neustadt-Center einfährt, muss drinnen bei 1,90 Metern schon fast den Kopf einziehen.

Die Einfahrt ins neue Postplatz-Parkhaus ist alles andere als optimal: Die Fahrbahn verengt sich und dann geht's gleich rassig um die Kurve.
Die Einfahrt ins neue Postplatz-Parkhaus ist alles andere als optimal: Die Fahrbahn verengt sich und dann geht's gleich rassig um die Kurve. (Bild: woz)

Doch zurück ins Postplatz-Parkhaus. Dort ist nämlich auch nicht alles vom Feinsten. Wer vor dem Schlagbaum der Einfahrt steht, ist, wie besagte junge Frau richtig festgestellt hat, erst mal leicht konsterniert.

Die Sache mit dem «trompe l'oeil»

Denn nicht nur, dass der Weg ins Innere des Parkhauses um eine scharfe, unübersichtliche Kurve führt. Auch die Perspektive vom Lenkrad aus wirkt höchst befremdend – macht das schmale Trottoir entlang der Einfahrt doch einen seltsamen «Knick» nach innen zur Fahrbahn.

Als ob die Fahrbahn plötzlich schmaler wird, und die Parkhausarchitekten Autofahrer auf deren Dioptrienstärke überprüfen wollten. Oder soll dies nur eine Art «trompe l'oeil» sein – im Stil des legendären, Sinne verwirrenden M.C. Escher? Übersichtlich und benutzerfreundlich sieht definitiv anders aus.

Nur das erste Parkdeck im neuen Postplatz-Parkhaus ist wirklich besetzt.
Nur das erste Parkdeck im neuen Postplatz-Parkhaus ist wirklich besetzt. (Bild: woz)

Eine Dame mittleren Alters, die es unbeschadet in ihrem Peugeot-Cabrio auf erste Parkdeck geschafft hat, muss denn auch tatsächlich zum Augenarzt. «Der ist hier gleich um die Ecke.» Sie parkiert das erste Mal im neuen Postplatz-Parkhaus.

«Sehen Sie, so weit kann ich hier die Tür meines Wagens öffnen.»

Baarer Autofahrerin

Die Baarerin freut sich über die deutlich breiteren Parkbuchten und das helle Ambiente. «Sehen Sie, so weit kann ich hier die Tür meines Wagens öffnen – in anderen Zuger Parkhäusern schaffe ich nur einen deutlich kleineren Winkel und muss mich jedes Mal aus dem Auto zwängen.»

Orange, grün, blau

Das Parkdeck, farblich in Orange gehalten, ist gut besucht. Freie Parkplätze sind übersichtlich mit grünen Lämpchen markiert, besetzte mit roten. Ein oranger Pfeil zeigt den Autofahrern an, wo sie entlanggehen können, um zur Kasse und zum Ausgang zu gelangen. Und die auf naturbelassen gemachten Mauern verleihen dem Parkhaus fast etwas Studiohaftes.

Bis jetzt noch wenig begehrt bei Autofahrern: das neue Postplatz-Parkhaus mit 100 Parkplätzen.
Bis jetzt noch wenig begehrt bei Autofahrern: das neue Postplatz-Parkhaus mit 100 Parkplätzen. (Bild: woz)

Auch ein rüstiger Rentner hat hier gerade seine BMW-Limousine abgestellt. «Erstens kann man hier viel länger parkieren als draussen auf dem Postplatz», lobt er. Ausserdem sei der Parkplatz gedeckt und würde beispielsweise Schutz vor Hagel bieten. «Und die Geschäfte, in die meine Frau und ich nun gehen wollen, liegen gleich in der Nähe.»

Elektro-Aufladestationen sind verwaist

Wer im neuen Postplatz-Parkhaus allerdings die zwei nächsten Parkdecks in den Untergeschossen zwei und drei besucht – schick in Grün und Blau gehalten –, den erwartet gähnende Leere. Auch die Parkplätze für die Elektroladestationen, die in hellem Grün aufscheinen, sind vollkommen verwaist. 

Die Aufladestationen für Elektroautos sind verwaist.
Die Aufladestationen für Elektroautos sind verwaist. (Bild: woz)

«Vielleicht braucht es noch eine Weile, bis sich das neue Parkhaus herumgesprochen hat», meint eine junge Frau auf Englisch, die mit ihrer Mutter gerade vom Einkaufen zurückgekommen ist und in einen schwarzen Porsche Cayenne einsteigt.

«Ich bin mir sicher, dass die Parkplätze auf dem Postplatz sehr wichtig für die Läden in der Altstadt sind.»

Zuger Expat-Frau

Sie findet das neue Parkhaus toll. Nicht zuletzt, weil man hier stundenlang parkieren könne, ohne eine Busse zu riskieren – wie auf dem Postplatz draussen.

«Ich bin mir aber sicher, dass die Parkplätze auf dem Postplatz sehr wichtig für die Läden in der Altstadt sind – für Kurzbesorgungen der Kunden.»

Auf dem Postplatz parkieren – «aus Gewohnheit»

In der Tat. Während das neue Postplatz-Parkhaus noch zur Hälfte leer steht, sind der obere und untere Postplatz prall mit Autos gefüllt.

Das Parkhaus am Postplatz ist gut signalisiert für Autofahrer – doch die meisten parkieren nach wie vor draussen auf dem oberen und unteren Postplatz.
Das Parkhaus am Postplatz ist gut signalisiert für Autofahrer – doch die meisten parkieren nach wie vor draussen auf dem oberen und unteren Postplatz. (Bild: woz)

«Warum ich hier parkiere und nicht im neuen Postplatz-Parkhaus? Weil ich eben kurz meine neue Brille beim Optiker abgeholt habe», sagt eine Dame mittleren Alters in ihrem Smart. «Ich parkiere hier auch, weil ich nicht künftig auf einem Bänkchen sitzen will, während täglich Tausende von Autos durch die Neugasse brausen.»

Bekanntlich soll der untere Postplatz mit dem oberen Postplatz künftig zu einer kleinen Piazza aufgehübscht werden, wenn die 25 Parkplätze dort wegkommen. Der obere Postplatz wird bereits nächste Woche autofrei umgerüstet. Der Verkehrsstrom auf der Neugasse zwischen unterem und oberem Postplatz verringert sich indes nach dem «Stadttunnel-Njet» der Zuger allerdings nicht.

«Sollten die Parkplätze hier wegkommen, fahre ich halt in Zukunft ins neue Postplatz-Parkhaus.»

Zuger Autofahrerin

Eine andere Postplatz-Parkiererin räumt indes ein, dass sie hier ihr Auto eben aus reiner Gewohnheit abstelle. «Sollten die Parkplätze wegkommen, fahre ich halt in Zukunft ins neue Postplatz-Parkhaus.»

Zu eng und zu dunkel: Das Geisterbahn-Feeling in Zuger Parkhäusern

Solche neuen Parkhäuser wie das am Zuger Postplatz, jenes in der Frauensteinmatt oder jenes in Cham am Rigiplatz lassen viele Autofahrer aufatmen: Weil die Parkbuchten deutlich breiter sind. Und weil es viel heller ist. Wer sich dagegen mit Autofahrern etwa im Parkhaus Neustadt-Center in Zug unterhält, dem wird der Parkier-Frust schnell klar.

Maximal eng: ein Parkplatz im Zuger Erlenhof-Parkhaus. Ideal für das Autocarosserie-Gewerbe aufgrund der zu erwartenden Lackkratzer. Vorteil: Weil viele Autofahrer solch schmale Parklücken fürchten, ist meistens ein Parkplatz frei.
Maximal eng: ein Parkplatz im Zuger Erlenhof-Parkhaus. Ideal für das Autocarosserie-Gewerbe aufgrund der zu erwartenden Lackkratzer. Vorteil: Weil viele Autofahrer solch schmale Parklücken fürchten, ist meistens ein Parkplatz frei. (Bild: woz)

«Wenn ich hier mit meinen Kindern parkiere, kann ich die hinteren Türen zum Aussteigen kaum öffnen», kritisiert eine junge französische Mutter. Andererseits bevorzuge sie Parkhäuser mit ihren Kindern, weil das Auto im Sommer dort nicht so heiss werde. Ihre Bekannte moniert, dass es viel zu dunkel in den alten Parkhäusern sei. «An der einen Kasse dort hinten sehe ich nicht mal, wie viel Geld ich im Portemonnaie habe.»

Die Sache mit dem «schwarzen Loch» in Baar

Kratzspuren an den Wänden, vor allem an der Ausfahrt des Neustadt-Center-Parkhauses, bezeugen, wie viele Kämpfe Autofahrer schon mit den beengten und kurvigen Verhältnissen auszutragen hatten.

Das schwarze Parkhausloch in Baar beim Bahnhof: das Geisterbahn-Feeling für Autofahrer.
Das schwarze Parkhausloch in Baar beim Bahnhof: das Geisterbahn-Feeling für Autofahrer. (Bild: woz)

«Ganz schlimm sind auch die hohen Bordsteine bei der Einfahrt ins Parkhaus des Zuger Kantonsspitals in Baar», weiss eine Autofahrerin und zeigt auf Schrammen an ihren Felgen. Die schlimmste Parkhauseinfahrt sei für sie aber das Portal ins Baarer Migros-Parking. «Das ist ein regelrechtes schwarzes Loch.»

Ob modern, ob alt – es scheint ein echtes Mysterium zu sein, warum es Architekten nicht schaffen, benutzerfreundlichere Einfahrten für Parkhäuser zu konstruieren.

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