Der Steinhauser Kantonsrat Andreas Hürlimann (ALG) will auf dem Zuger Bahnnetz vorwärtsmachen. (Bild: zvg)
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Der Steinhauser Kantonsrat Andreas Hürlimann (ALG) will auf dem Zuger Bahnnetz vorwärtsmachen. (Bild: zvg)

Andreas Hürlimann: «Zug kann es sich nicht leisten, Stillstand zu betreiben»

10min Lesezeit

Die Alternative – die Grünen Zug haben Andreas Hürlimann am Mittwoch ohne Gegenstimme für die Regierungsratswahlen vom kommenden Oktober nominiert. Er rechnet sich gute Chancen aus, die Nachfolge von Manuela Weichelt anzutreten, wie er im Interview sagt.

Wolfgang Holz

zentralplus: Herr Hürlimann, zum Einstieg eine nicht ganz ernst gemeinte Frage: Haben Sie womöglich das falsche Geschlecht für die Regierungsratswahl?

Andreas Hürlimann (lächelt): Ich glaube nicht. Die Alternative – die Grünen Zug (ALG) ist ein gutes Beispiel für eine funktionierende Gleichstellung. Und Manuela Weichelt war ja 12 Jahre in der Regierung. Da ist es jetzt Zeit für einen Mann, das Amt eines Regierungsrats zu übernehmen. Ausserdem ist die Linke mit Vroni Straub etwa in der Stadt Zug oder mit Berty Zeiter in Baar in Sachen Frauen in der Exekutive ja gut aufgestellt.

zentralplus: Trotzdem – hätten Sie es nicht leichter, als Frau gewählt zu werden?

Hürlimann: Die Frauenfrage steht immer im Fokus. Aber ich denke, dass es bei uns in der ALG heute nicht darauf ankommt, ob eine Frau oder ein Mann kandidiert. Ich spüre viel Support aus der Partei.

zentralplus: Sind die ALG und die Linke insgesamt nicht etwas überrumpelt worden von dem überraschenden Entscheid Weichelts, nicht mehr für den Regierungsrat antreten zu wollen? Man hörte, es habe hinter den Kulissen gewisse Absprachen in Sachen Regierungsratskandidatur gegeben.

Hürlimann: Uns war allen bewusst, dass sich Manuela Weichelt intensiv Gedanken darüber macht, ob sie wieder antritt oder nicht. Und da war wirklich alles möglich. Es wäre natürlich eleganter gewesen, früher über ihren Entscheid gewusst zu haben. Es ist für mich aber nachvollziehbar, dass Manuela Weichelt sehr gerungen hat mit dieser Entscheidung. Weitere Absprachen gab es aber keine.

«Grundsätzlich bin ich nicht jemand, der einem Vorbild nacheifert.»

zentralplus: Wenn Sie gewählt werden, wären Sie der vierte Alternative in der Zuger Regierung – nach Hanspeter Uster, Manuela Weichelt und Patrick Cotti. Motivieren Sie diese Personen, um mit der Rolle des Aussenseiters in der Regierung umgehen zu können?

Hürlimann: Grundsätzlich bin ich nicht jemand, der einem Vorbild nacheifert. Aber ja, es ist sicher, interessant, wie diese drei es geschafft haben, der Zuger Regierung ihren Stempel als Minderheit aufzudrücken. Da ist die Hartnäckigkeit einer Manuela Weichelt. Da war der unabhängige Patrick Cotti, der nicht so sehr Teil des Zuger «Teigs» gewesen ist. Und da politisierte natürlich Hanspeter Uster, der stets den souveränen Staatsmann gegeben hat und heute gefragter Experte ist.

Trat gegen No-Billag auf: ALG-Gemeinde- und Kantonsrat Andreas Hürlimann mit Laura Zimmermann von Operation Libero in Steinhausen bei einer Podiumsveranstaltung.
Trat gegen No-Billag auf: ALG-Gemeinde- und Kantonsrat Andreas Hürlimann mit Laura Zimmermann von Operation Libero in Steinhausen bei einer Podiumsveranstaltung. (Bild: woz)

zentralplus: Hat sich also die ALG als linke Kraft in der Zuger Politik inzwischen so weit etabliert, dass sie auch im Regierungsrat selbstbewusst auftreten kann?

Hürlimann: Wir müssen uns nicht verstecken. Es hat auch ein Wandel stattgefunden von einer vielleicht eher rebellischen politischen Arbeit im Kantonsrat zu mehr politischer Verantwortung. Auch auf Exekutivebene.

zentralplus: Apropos. Sie sind ja jetzt gerade Bauchef von Steinhausen und haben's dort im Prinzip nett. Warum wollen Sie diesen Job aufgeben und sich mit den Bürgerlichen im Regierungsrat rumstreiten?

«In der Exekutive muss man dagegen lernen, zusammen Kompromisse eingehen zu können und Lösungen zu finden.»

Hürlimann: Es ist in der Tat eine schwierige Entscheidung für mich gewesen, mich für den Regierungsrat nominieren zu lassen und damit auf mein Amt als Bauchef in Steinhausen zu verzichten. Indes – in Steinhausen ist die politische Konstellation aktuell die Gleiche wie im Zuger Regierungsrat – ich bin der einzige Linke (sagts und grinst). Aber ich werde sicherlich den Steinhauser Gemeinderat mit einem weinenden Auge verlassen, wenn ich gewählt werde. Wir haben da ein gutes Team. Aber ich möchte diese Chance einer Kandidatur nun ergreifen

zentralplus: Was hat Ihnen denn diese Exekutiverfahrung gebracht?

Hürlimann: Im Parlament befindet man sich als Kantonsrat ständig im politischen Wettstreit mit anderen Parteien und muss auf seinem politischen Standpunkt beharren. In der Exekutive muss man dagegen lernen, zusammen Kompromisse eingehen zu können und Lösungen zu finden. Das liegt mir.

zentralplus: Das hört sich schon sehr reif an. Die Frage ist aber: Werden Sie überhaupt von den Zugern gewählt?

Hürlimann: Ich hoffe es. Ich denke, die Wählerinnen und Wähler sehen mein bisheriges politisches Engagement im Kantonsparlament und nun in der gemeindlichen Exekutive. Ich bin von Beruf Betriebsökonom und habe in der Unternehmensberatung gearbeitet. Das sind solide Standbeine. Ausserdem braucht der innovative Wirtschaftsstandort Zug auch jemanden in der Regierung, der sich bei sozialen und ökologischen Fragen einbringt.

zentralplus: Was meinen Sie damit?

Hürlimann: Dass man sich etwa um die Energieeffizienz im Kanton kümmert. Dass sich einer darum sorgt, dass es noch genügend Grünflächen gibt. Dann ist da natürlich die Wohnungsfrage und das Problem, wie viele Leute es sich überhaupt noch leisten können, in Zug zu wohnen. Jemand muss sich auch für den genossenschaftlichen Wohnungsbau einsetzen.

zentralplus: Reden wir doch mal Tacheles: Was muss sich aus Ihrer Sicht denn grundsätzlich ändern im Kanton Zug?

«Der Leistungsabbau muss ein Ende haben.»

Hürlimann: Die ganze Diskussion ums Sparen und um die Finanzen hat gezeigt: Der Leistungsabbau muss ein Ende haben, beziehungsweise wieder auf ein gesundes Mass reduziert werden. Ein innovativer Wachstumskanton, der Zug nun mal ist, kann es sich auf Dauer nicht leisten, Stillstand zu betreiben. Man kann ein paar Jahre innehalten, aber dann ist es auch mal wieder gut.

zentralplus: Können Sie mal ein Beispiel dafür nennen?

Hürlimann: Da ist sicher das Thema Mobilität. Wir müssen schauen, dass es wieder zu weniger Staus im Kanton Zug kommt. Fakt ist: Bus und Bahn haben zwar mehr Personen im Kanton Zug transportiert, und trotzdem nimmt der Individualverkehr rasant zu, und es gibt immer mehr Staus. Das Bussystem muss auf alle Fälle noch schneller, effizienter und dadurch attraktiver werden. Ich habe für die Mobiltätsprobleme im Kanton Zug aber im Moment die seligmachende Lösung nicht parat. Andererseits haben wir gerade eben das Cargo-Velo-System in einigen Gemeinde lanciert, das für kurze Distanzen E-Bikes mit Lademöglichkeiten anbietet. Das ist sicher mal eine Variante und ein Schritt in die Richtige Richtung.

Seit 12 Jahren Kantonsrat

Andreas Hürlimann (35) ist nun seit 12 Jahren für die ALG im Kantonsrat. Seit 2015 ist er Bauchef von Steinhausen im neu gewählten Gemeinderat. Der Steinhauser ist verheiratet mit Daniela und hat einen zweieinhalbjährigen Sohn, Arun.

zentralplus: Und wie sieht's im sozialen Bereich aus?

Hürlimann: Es muss endlich mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Zwölfmal Miete zu zahlen ist schliesslich mehr als einmal tiefe Steuern. Leistung muss sich lohnen im Kanton Zug. Das betrifft nicht zuletzt vor allem berufstätige Eltern mit Kindern. Stichwort Kinderbetreuung: Diese muss bezahlbar für die Eltern sein. Aber auch die Kinderbetreuung in den Schulferien muss noch stärker zum Thema werden.

zentralplus: Haben Sie sich eigentlich schon überlegt, welches Amt im Regierungsrat für Sie in Frage käme? Man kann sich das zwar nicht aussuchen, aber es wird ja der Posten des kantonalen Baudirektors frei. Das wäre doch was für Sie und würde passen?

Hürlimann: Das würde mich tatsächlich sehr reizen. Das wäre ein spannendes Amt.

zentralplus: Noch mal zurück zur Gender-Frage. Glauben Sie denn, Sie hätten es als Mann in der Zuger Regierung unter Männern letztendlich leichter als Manuela Weichelt, die ja als Frau nie so richtig integriert schien?

«Ich bin gut aufgestellt und gehe mit viel Elan in den Wahlkampf.»

Hürlimann: Ich denke, das ist keine Frage zwischen Mann und Frau. Das ist eher eine Typfrage. Zwingend wird sein, dass durch neue Personen im Regierungsrat auch eine neue politische Dynamik entsteht. Und damit auch neue Lösungsmöglichkeiten.

zentralplus: Und Sie haben nicht Angst, dass Sie im Zuger Majorzsystem am Ende gegen Silvia Thalmann von der CVP um den Einzug in die Zuger Regierung kämpfen werden?

Hürlimann: Ich begrüsse die Nominierung einer bürgerlichen Frau. Meines Erachtens kann diese Kandidatur aber auch als Angriff auf die anderen beiden frei werdenden bürgerlichen Sitze verstanden werden. Und die FDP hat es da sicherlich nicht leicht ohne eine Frau als Kandidatin. Generell macht es einem das Zuger Majorzsystem sicher nicht einfach, als neue Person gewählt zu werden. Aber ich bin gut aufgestellt und gehe mit viel Elan in den Wahlkampf.

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