Der Zuger CVP-Präsident Pirmin Frei. Am Montag ist er überraschend gestorben – er war als Politiker im Kantonsrat über Parteigrenzen hinaus sehr angesehen. (Bild: mam)
Politik Gesellschaft

Der Zuger CVP-Präsident Pirmin Frei. Am Montag ist er überraschend gestorben – er war als Politiker im Kantonsrat über Parteigrenzen hinaus sehr angesehen. (Bild: mam)

«Mit Pirmin Frei verlieren wir einen Staatsmann»

6min Lesezeit

Politiker und Weggefährten des Kantons Zug zeigen sich geschockt nach dem überraschenden Tod des CVP-Kantonsrats und Parteipräsidenten Pirmin Frei. Zuger Politiker loben den finanzpolitischen Sachverstand und die Fairness des verstorbenen 52-Jährigen.

Wolfgang Holz

«Plötzlich muss jemand gehen – wie aus dem Nichts heraus», sagt Baars Vize-Gemeindepräsident und CVP-Bauchef Paul Langenegger zum überraschenden Tod Pirmin Freis. «Mir ist es kalt den Rücken heruntergelaufen», meint er. Langenegger habe seinen Parteigefährten als sehr sachlichen, aber auch sehr kritischen Politiker und Kantonsrat erlebt. «Er hat sehr viel gearbeitet und war immer ein guter Kumpel.»

Seit 2009 im Kantonsrat

Pirmin Frei war in der Tat ein sehr aktiver Politiker und sass seit 2009 für die CVP Baar im Kantonsrat. Seine Voten im Kantonsrat waren immer sehr pointiert. Der 52-jährige Rechtsanwalt, der am Montag an einem Hirnschlag verstarb (zentralplus berichtete), war Mitglied des kantonalen Führungsstabs sowie Präsident der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft & Gesellschaft Zug (AWG).

«Er war ein enger Freund und langjähriger Weggefährte von mir.»

Martin Pfister, Zuger CVP-Regierungsrat

Pirmin Frei hat an der GV der CVP des Kantons Zug im April 2016 das Kantonalpräsidium übernommen – als Nachfolger von CVP-Regierungsrat Martin Pfister.

«Er war ein enger Freund und langjähriger Weggefährte von mir», sagt Regierungsrat Martin Pfister. «Wir kannten uns bereits zu Pfadizeiten, später kreuzten sich unsere Wege auch in der Partei, im Militär, beruflich und privat. Er fragte mich 2003 an, ob ich der CVP Baar beitreten und für den Kantonsrat kandidieren möchte.»

Vizepräsidentin Monika Barmet führt die Partei nun interimistisch

Monika Barmet führt die Partei nun als Vizepräsidentin interimistisch. Weitere organisatorische Fragen würden erst nach der Zeit der Trauer, also nach der Beerdigung, geklärt, so Pfister.

Dass Frei ein sehr kompetenter Politiker war, kann auch Kantonsratspräsident Daniel Burch von den Freisinnigen bestätigen. Er erinnert sich an den CVPler im Parlament des Kantons Zug als an einen «sehr engagierten Politiker mit viel Sachverstand». Vom Tod des CVP-Politikers sei er sehr überrascht worden. Burch hat Frei auch auf beruflicher Ebene kennengelernt – durch die gemeinsame Arbeit in Verbänden. 

Die Zuger CVP-Riege beim Dreikönigstreffen (von links): Sicherheitsdirektor Beat Villiger, Kantonsrats-Fraktionschef Thomas Meierhans, Parteipräsident Pirmin Frei und Gesundheitsdirektor Martin Pfister.
Die Zuger CVP-Riege beim Dreikönigstreffen (von links): Sicherheitsdirektor Beat Villiger, Kantonsrats-Fraktionschef Thomas Meierhans, Parteipräsident Pirmin Frei und Gesundheitsdirektor Martin Pfister. (Bild: woz)

Frei amtete neben seiner politischen Tätigkeit beruflich im Rahmen seiner Zürcher Firma Freeconnect als Geschäftsführer von Wirtschaftsverbänden – unter anderem von der Gebäude-Klima Schweiz, der Holzfeuerungen Schweiz sowie der Arbeitsgemeinschaft Wärmepumpen. Für den dreifachen Familienvater, der mit Tina Frei verheiratet war, hatten gerade der nachhaltige Umgang mit der Natur wie auch die Bewahrung der Zuger Naherholungsräume eine grosse Bedeutung.

«Er war sehr kollegial, und wir haben gut zusammengearbeitet.»

Silvan Hotz, CVP-Baar, Ex-Kantonsrat

Ex-CVP-Kantonsrat Silvan Hotz aus Baar ist regelrecht schockiert über den Tod seines Parteikollegen. «Er war sehr kollegial und wir haben gut zusammengearbeitet.» Während den acht Jahren im Zuger Parlament habe er Frei als «sehr engagiert» erlebt. «Er war ein Finanzspezialist, offen für Neues und visionär.» Frei habe immer vorausgedacht – zum Wohl des Bürgers. «Wir verlieren mit Pirmin Frei einen Staatsmann.»

Frei stets «loyal gegenüber den Linken»

Auch die Alternativ-Grüne Kantonsrätin Anna Lustenberger aus Baar hat vier Jahre lang mit dem CVP-Politiker im Zuger Parlament politisiert. «Ich habe ihn stets als loyalen und sympathischen Politiker gegenüber uns Linken empfunden», sagt sie. Pirmin Frei sei ein CVP-Vollblutpolitiker gewesen, der auch soziale Aspekte vertreten habe. Er habe finanzpolitisch sehr fundiert argumentiert. «Sein Tod jetzt ist wirklich sehr tragisch», sagt die Baarerin mitfühlend. 

«Frei war sehr sach- und fachorientiert und kooperativ über die Parteigrenzen hinweg.»

Barbara Gysel, SP-Kantonalpräsidentin Zug

SP-Kantonalpräsidentin Barbara Gysel hat den CVP-Politiker ebenfalls als «sehr fair» erlebt. «Frei war sehr sach- und fachorientiert und kooperativ über die Parteigrenzen hinweg.» Er habe anderweitige politische Haltungen stets toleriert und habe sich nie despektierlich gegenüber Politikern anderer Couleur verhalten.

Übrigens: Auch viel Humor hatte Pirmin Frei. Mit der Schnitzelbankgruppe «Räfeler Täfeler vo de Inwilerstrass» hatte er – wie in der Politik – auch mal eine spitze Zunge. Er war ein engagierter Baarer und früher Lakai bei der Fasnachtsgesellschaft Baar.

«Wir vermissen Pirmin Frei als grossartigen, herzlichen und geselligen Menschen, der über die Parteigrenzen hinaus anerkannt und geschätzt war», sagt Zugs Regierungsrat Martin Pfister.

Pfister: Starke und überzeugende Persönlichkeit

Als Politiker sei er eine starke und überzeugende Persönlichkeit gewesen, die sehr eigenständig denken konnte. Pfister: «Er formulierte träf und verfügte über eine grosse Sprachgewalt und Originalität. Sein politisches Wirken war geprägt durch Weitblick und Sinn für das Ganze. Er war unglaublich engagiert und stets äusserst loyal und zuverlässig. Hinter seiner politischen Leidenschaft versteckte sich auch eine grosse Sensibilität.»

Innerhalb der  Zuger CVP traute man Pirmin Frei sogar noch eine grössere Politkarriere zu. «Er hätte vielleicht auch noch Regierungsrat werden können», sagt CVP-Ständerat Peter Hegglin gegenüber zentralplus. Frei habe nie Worthülsen verwendet. Hegglin: «Alles, was er sagte, hatte Hand und Fuss.»

x
Ist Ihnen unabhängiger Journalismus etwas wert? Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie zentral+, Beiträge wie diesen zu realisieren.

Ihre Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, müssen Sie auf zentralplus eingeloggt sein.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich jetzt und profitieren Sie
von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Mehr Politik