Eine Seite des Hauses ist ziemlich verkohlt. Glücklicherweise überlebten die Hühner, die sich gleich daneben im Gehege befinden.  (Bild: wia)
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Eine Seite des Hauses ist ziemlich verkohlt. Glücklicherweise überlebten die Hühner, die sich gleich daneben im Gehege befinden.  (Bild: wia)

Das abgebrannte Haus hätte wohl sowieso weichen müssen

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In der Nacht auf Dienstag ist bei der Schochenmühle in Zug ein Haus abgebrannt. Es handelt sich dabei um einen rund 200-jährigen Bau, über den in den letzten Jahren vermehrt gesprochen wurde. Bis zuletzt war offen, ob der Holzbau einer Strasse weichen muss. Nun hat sich die Debatte in Rauch aufgelöst.

In der Ammannsmatt riecht an diesem Dienstagmorgen alles leicht angekohlt. Das ist nicht verwunderlich. Denn das alte, mehrstöckige Holzhaus, das in der Nacht lichterloh gebrannt hat, ist noch nicht vollständig gelöscht. Um 8 Uhr früh, also über neun Stunden, nachdem der Brand gemeldet wurde, hat sich erneut Rauch entwickelt in einem Teil des Hauses. Die Feuerwehr, die noch vor Ort ist, musste erneut löschen.

Vom Giebeldach ist nur noch ein schwarzes Skelett übrig, eine Seite des Hauses ist fast komplett verbrannt. Daneben, es scheint einem Wunder gleich, scharren Hühner in der Erde. Obwohl ihre Einzäunung gleich ans Haus grenzt, haben sie den Brand unbeschadet überstanden.

Es ist nicht irgendein Haus, das hier von den Flammen erfasst wurde. Das Gebäude gehört der Stadt Zug und war in den letzten Jahren mehrmals im Gespräch.

Die Feuerwehr war auch am Morgen nach dem Brand noch im Einsatz, um weitere Brandausbrüche zu verhindern.
Die Feuerwehr war auch am Morgen nach dem Brand noch im Einsatz, um weitere Brandausbrüche zu verhindern. (Bild: wia)

Vor zweieinhalb Jahren hatte die Stadt Zug das Gebäude nämlich noch im Baurecht verkaufen wollen. Und das zu einem Spottpreis von 50’000 Franken (zentralplus berichtete). Das hatte seinen Grund. Das Haus war in einem derart desolaten Zustand, dass es komplett hätte renoviert werden müssen. Zudem wären die Auflagen gross gewesen, unter anderem, da sich das Haus im Inventar der schützenswerten Bauten befand. Ausserdem hätte das Haus sehr rasch umgebaut werden müssen. Innert nur eineinhalb Jahren hätte das Gebäude gemäss den Vorgaben fertig saniert sein müssen.

Der Kantonsrat forderte einen Boxenstopp

Ein halbes Jahr später jedoch folgte ein unerwarteter Boxenstopp. Denn plötzlich befand der Zuger Kantonsrat, man müsse nun doch noch prüfen, ob nicht genau dort, wo das Haus (oder was davon übrig ist) heute steht, eine Strasse hinkommt. Konkret geht es um die General-Guisan-Strasse, deren mögliche Verlängerung genau durchs alte Haus in der Ammannsmatt führen würde (zentralplus berichtete). Damals, Ende 2015, wurde angekündigt, dass bis 2018 klar sein sollte, ob die Verlängerung der General-Guisan-Strasse effektiv in Frage komme. Im schlimmsten Fall hätte das alte Haus abgerissen werden müssen.

Der Zuger Stadtrat war wenig begeistert vom Verkaufsstopp. Dies, weil das Haus bereits damals lange leergestanden hatte. Karl Kobelt, der zuständige Zuger Stadtrat, sagte im Dezember 2015: «Wir hätten uns gewünscht, das Gebäude möglichst bald im Baurecht vergeben zu können, damit der Liegenschaft wieder Leben eingehaucht werden kann.» Dies insbesondere, weil der Stadtrat bereits viele Stunden ins Projekt investiert habe.

Verkohlte Fenster im abgebrannten Haus.
Verkohlte Fenster im abgebrannten Haus. (Bild: wia)

Nun jedenfalls hat sich die Frage, ob das Haus bleibt oder abgerissen wird, quasi in Rauch aufgelöst. Denn das Gebäude, das ist selbst für Laien offensichtlich, kann nach dem Brand nicht mehr gerettet werden. Ein Abbruch scheint unvermeidlich.

Kobelt sagt zum Brand: «Der Vorfall ist höchst bedauerlich. Das Haus wurde Ende des 18. Jahrhunderts erstellt und ist im Inventar der schützenswerten Bauten aufgelistet. Es wurde auch von der Zuger Denkmalpflege als erhaltenswert eingestuft.» Und er ergänzt: «Zum Glück sind beim Brand keine Menschen zu Schaden gekommen.»

Schützenswert schützt vor Abbruch nicht

Durchaus, das Haus wurde als schützenswert eingestuft. Doch wie der aktuelle Fall zeigt, heisst das noch lange nicht, dass das Gebäude nicht dennoch einer Strasse hätte weichen müssen. «Falls die General-Guisan-Strasse verlängert würde, hätte das Haus wohl nicht an Interessierte abgegeben werden können», so Kobelt. Und er ergänzt: «Dennoch hätte es die Stadt sehr gern im Baurecht verkauft und dem geschichtsträchtigen Bau somit eine Wohnnutzung zugeführt.»

Und doch: Wie am damals genannten Verkaufspreis von 50’000 Franken unschwer zu erkennen ist, handelt es sich beim Haus um ein ziemlich lädiertes Exemplar. Da könnte man etwas ketzerisch fragen, ob für die Stadt der Zeitpunkt des Brandes finanziell vielleicht gar nicht so schlecht gewesen sei. «Dazu kann ich noch überhaupt nichts sagen. Nun gilt es erst einmal zu prüfen, was die Konsequenzen dieses Vorfalls für die Stadt sind. Wer weiss, vielleicht kann man auf dem Fundament einen neuen Aufbau realisieren. Da kommen auch planungsrechtliche Fragen auf uns zu», so Kobelt.

Verlängerung der General-Guisan-Strasse noch offen

Laut der kantonalen Baudirektion warte man aktuell den Richtplanentscheid des Kantonsrats zur Verlängerung besagter Strasse ab. «Bis zu diesem Zeitpunkt hätte ohnehin kein Neubau bewilligt werden können, da die Liegenschaft mit entsprechenden Baulinien belegt ist», schreibt die Direktion weiter.

Es sei geplant, dass der Regierungsrat dem Kantonsrat entsprechend Bericht erstatte und allfällige Richtplananpassungen noch im aktuellen Jahr zu Handen des Kantonsrats verabschiedet. «Wird die Richtplanfestsetzung der verlängerten General-Guisan-Strasse vom Kantonsrat aufgehoben, können die Baulinien in der Folge ebenfalls aufgehoben werden», so die Baudirektion. Will heissen: Dann dürfte das Holzhaus bei der Schochenmühle stehenbleiben. Wenn es nicht bereits abgebrannt wäre.

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