Der Luzerner Stadtrat will den Vaterschaftsurlaub von zehn auf fünfzehn Tage erhöhen. (Bild: flickr)
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Der Luzerner Stadtrat will den Vaterschaftsurlaub von zehn auf fünfzehn Tage erhöhen. (Bild: flickr)

Luzerner Stadtrat eckt mit längeren Ferien für frischgebackene Väter an

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Wer bei der Stadt Luzern angestellt ist und Vater wird, erhält zehn Tage Vaterschaftsurlaub. Zu wenig, finden SP und Grüne und fordern eine Verdopplung. Nun will der Stadtrat ihnen teilweise entgegenkommen. Damit hat er es niemandem recht gemacht.

Der Luzerner Stadtrat ist bereit, den Anspruch auf Vaterschaftsurlaub um zusätzliche fünf Tage auf 15 Tage zu erhöhen. Dies schreibt er in der Antwort auf einen Vorstoss von SP und Grünen. Diese forderten zwar eine Erhöhung auf 20 Tage. Dafür fanden sie beim Stadtrat jedoch kein Gehör. 

«Wir haben uns mit anderen Städten verglichen und kamen zum Schluss, dass 15 Tage in Ordnung sind», sagt Stadtpräsident Beat Züsli (SP) auf Anfrage von zentralplus. «Im Vergleich zu grösseren Unternehmen und zur öffentlichen Hand waren zehn Tage schon fortschrittlich», so Züsli. Die Erhöhung auf 15 Arbeitstage habe für die Stadt laut einer Hochrechnung Kostenfolgen von jährlich rund 20’000 Franken. Der Stadtrat anerkenne jedoch die Wichtigkeit des Vaterschaftsurlaubs. «Unser erklärtes Ziel ist, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, dazu gehören namentlich auch Teilzeitarbeit und das Jobsharing.» 

Postulanten halten an Forderung fest

Marco Müller von den Grünen, Erstunterzeichner des Postulats, ist mit dem Kompromiss des Stadtrates «nicht wirklich zufrieden». Er hält an seiner Forderung von vier Wochen fest. «Wir haben uns an fortschrittlichen Städten orientiert.» So würden etwa die Städte Genf, Biel, Lausanne oder Neuenburg für die Angestellten vier Wochen Vaterschaftsurlaub kennen. Als erste Deutschschweizer Stadt hat Bern auf das Jahr 2018 vier Wochen Vaterschaftsurlaub eingeführt. 

«Wenn wir schon eine Anpassung machen, dann richtig.»

Nico van der Heiden, SP-Fraktionschef

Initiative fordert vier Wochen Vaterschaftsurlaub

Am 4. Juli 2017 reichte ein nationales Komitee über 100’000 Unterschriften ein. Es fordert: 20 Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub – flexibel und tageweise innert einem Jahr nach der Geburt zu beziehen. Adrian Wüthrich, Vereinspräsident von «Vaterschaftsurlaub jetzt!», sagt: «Bezüglich Vaterschaftsurlaub ist die Schweiz ein Entwicklungsland.»

Der Bundesrat lehnt die Initiative ab, teilte er im Oktober mit. Grund sind die Kosten, welche die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft beeinträchtigen würden. Für die Landesregierung hat der Ausbau einer bedarfsgerechten familienergänzenden Kinderbetreuung Priorität.

«Interessanterweise ermöglicht auch die EWL – zu hundert Prozent in Besitz der Stadt Luzern – vier Wochen Vaterschaftsurlaub», so Müller. Ins selbe Horn stösst auch SP-Fraktionschef Nico van der Heiden, der auf eine nationale Initiative verweist, die vier Wochen Vaterschaftsurlaub fordert (siehe Box). «Wenn wir schon eine Anpassung machen, dann richtig.» Van der Heiden erklärt: «Persönlich halte ich auch vier Wochen für zu wenig. Andere Länder kennen viel fortschrittlichere Regelungen.»

Bürgerliche sind skeptisch

Die Verantwortlichen der bürgerlichen Parteien wollen sich noch nicht gross in die Karten blicken lassen und verweisen auf die Fraktionssitzungen diese Woche. Jules Gut, Fraktionschef der Grünliberalen, sagt: «Es stellt sich für uns die Frage, ob wir kurzfristig einer kommunalen ‹Übergangsregelung mit mehr Vaterschaftsurlaub› zustimmen wollen – oder uns auf die Einführung einer schweizweiten Elternzeit konzentrieren.» Dass es für junge Eltern eine Elternzeit brauche, ist für die Grünliberalen unbestritten. Sie verweisen auf nordische Länder, wo verschiedene Massnahmen zu einer besseren Integration der Frau in den Arbeitsmarkt beigetragen haben.

So viele Tage Vaterschaftsurlaub gewährten Schweizer Kantone und Städte 2017.
So viele Tage Vaterschaftsurlaub gewährten Schweizer Kantone und Städte 2017. (Bild: Komitee «Vaterschaftsurlaub jetzt!»)

CVP-Fraktionschefin Mirjam Fries hält fest, dass die Stadt Luzern bereits heute eine grosszügige Lösung beim Vaterschaftsurlaub anbiete. «Die Stadt soll eine gewisse Vorbildfunktion haben und ein attraktiver Arbeitgeber sein, aber eine Erhöhung auf 20 Tage geht zu weit.» Auch für 15 Tage will man keine Hand bieten. «Wir sind eigentlich der Meinung, dass die bisherige Lösung genügend ist.»

«Irgendwo ist es dann auch gut mit der Grosszügigkeit.»

Sonja Döbeli Stirnemann, FDP-Fraktionschefin

Grundsätzlich sei jedoch auch die CVP überzeugt, dass einer oder zwei Tage Vaterschaftsurlaub, so wie heute noch immer üblich, nicht mehr zeitgemäss ist. Fries: «Grosse Firmen bieten allerdings auch heute schon mehr und positionieren sich so als attraktive Arbeitgeber.»

Bei der FDP tönt es ähnlich. Fraktionschefin Sonja Döbeli Stirnemann will zwar nicht den Entscheid der Fraktionssitzung vornewegnehmen, sie geht jedoch davon aus, dass die FDP einen längeren Vaterschaftsurlaub ablehnt. «Die Stadt Luzern ist ein hervorragender Arbeitgeber mit guten Löhnen, überdurchschnittlichen Sozialleistungen und dies wird alles mit Steuergeldern finanziert.» Sie verweist darauf, dass es beim Kanton auch nur eine Woche Vaterschaftsurlaub gebe. «Irgendwo ist es dann auch gut mit der Grosszügigkeit.»

Die Postulanten forderten weiter, den Neuvätern sei innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt die Möglichkeit einzuräumen, 14 Wochen unbezahlte Ferien nehmen zu können. Der Stadtrat sieht dahingehend jedoch keinen Bedarf. Bereits heute könne man drei Monate «unbezahlt» nehmen. Diese Gesuche würden «wohlwollend» geprüft.

Am 1. Februar wird im Stadtparlament über das Geschäft debattiert.

Mit dem Teddybär haben die Initianten für ihre nationale Initiative geworben.
Mit dem Teddybär haben die Initianten für ihre nationale Initiative geworben. (Bild: zvg)

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