Der Gemeinderat Hünenberg musste sich Kritik anhören wegen der Postagentur-Subventionierung. (Bild: woz)
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Der Gemeinderat Hünenberg musste sich Kritik anhören wegen der Postagentur-Subventionierung. (Bild: woz)

«Es kann doch nicht sein, dass die Gemeinde plötzlich zum Pöschtler wird»

4min Lesezeit

Bekanntlich schiesst die Gemeinde Hünenberg der Postagentur in Hünenberg See Geld zu, damit diese weiterbesteht (zentralplus berichtete). Das stösst allen Parteien im Dorf sauer auf. Und trotzdem stimmt die grosse Mehrheit der Gemeindeversammlung am Montag dem Budget 2018 und damit dem Betrag von 12'000 Franken zu, mit der die Postagentur nächstes Jahr weiter unterstützt wird.

Wolfgang Holz

Sind die Gemeinden gegenüber der Schweizer Post eigentlich ohnmächtig? Diese Vorstellung konnte man bei der Gemeindeversammlung in Hünenberg am Montagabend durchaus gewinnen.

Denn bei der Diskussion ums Budget 2018 – das neu einen Steuersatz von 70 Prozent mit zwei Prozent Rabatt vorsieht – ging es vor allem auch darum, ob die Gemeinde monatlich 1000 Franken in die Postagentur in Hünenberg See buttern will.

«Dass die Gemeinde die Post subventionieren muss, ist uns sehr sauer aufgestossen.»

Thomas Villiger, SVP Hünenberg

Grund: Der Bäcker aus Sins, der die Postagentur in Hünenberg See betreibt, hatte letzten August angesichts des Mehraufwands durch den Betrieb der Postagentur das Handtuch geworfen und kann seitdem nur durch besagte Zahlungen von 1000 Franken pro Monat dazu bewogen werden, das Business mit den Briefen, Päckchen und Paketen weiterzumachen.

«Dass die Gemeinde die Post subventionieren muss, ist uns sehr sauer aufgestossen», kritisierte Thomas Villiger von der SVP Hünenberg. Dies würde der Post ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Andererseits würde man dem Zuschussbetrag von 12'000 Franken im Jahr 2018 zustimmen. «Denn die Postagentur ist eine gute Dienstleistung und wichtig für die Einwohner.»

Bis 2020 Betrag weiter vorgesehen

Gemäss Gemeindepräsidentin Regula Hürlimann plant der Gemeinderat, diese 12'000 Franken bis 2020 weiter vorzuschiessen, um den Weiterbestand der Postagentur zu garantieren. Ab 2021 käme es ja dann zu einer neuen «Postrunde», sprich: zu neuen strategischen Planungen des Päckchenversandkonzerns.

Auch Hubert Schuler von der SP outetet sich dahingehend, «dass ihn das Verhalten der Post gewaltig stört.» Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Post jedes Jahr Millionenbeträge einfahre und die Kader fürstlich entlohne. «Das Dilemma ist unübersehbar. Wir sind aber auch dafür, dass wir dem Betrag zustimmen, den die Gemeinde bezahlt.» Allerdings forderte der Hünenberger Sozialdemokrat, dass man auch den Druck auf die Post erhöhen müsse.

«Denn mit diesen jährlichen Zahlungen wird die Gemeinde den Druck auf die Post nicht gerade erhöhen.»

Anna Bieri, CVP

Doch wie ist das nur möglich? Anna Bieri von der CVP Hünenberg legte nahe, dass der Regierungsrat vielleicht aktiv werden solle zusammen mit den Gemeinden, um mehr Druck auf die Post auszuüben.

 

Ziemlich voll: 193 Stimmberechtigte erschienen zur Hünenberger Gemeindeversammlung.
Ziemlich voll: 193 Stimmberechtigte erschienen zur Hünenberger Gemeindeversammlung. (Bild: woz)
«Denn mit diesen jährlichen Zahlungen wird die Gemeinde den Druck auf die Post nicht gerade erhöhen. Und es kann ja nicht sein, dass die Gemeinde plötzlich zum Pöstler wird», so Bieri – nur weil der Dorfbeck im Alleingang entscheide, ob er die Postagentur weiterbetrieben wolle, und die Gemeinde dann anfangen müsse zu feilschen, um eine möglichst adäquate Lösung zu finden.«Wir von der CVP sind deshalb vorübergehend bereit, diese Quersubventionierung zu schlucken – aber eben nur vorübergehend.» Sprich: Die Gemeinde müsse sich überlegen, welche andere Strategie möglich wäre, um das Dilemma zu beseitigen.

193 Stimmberechtigte grossmehrheitlich für Budget

Die 193 anwesenden Stimmberechtigten votierten dann grossmehrheitlich für das Budget 2018 und die Weiterbezahlung des Beitrags an die Postagentur. Wobei Gemeindepräsidentin Regula Hürlimann aufzeigte, dass das Leben in Hünenberg eben auch irgendwie ein Geldproblem ist.

«Denn nach dem Wegzug eines grossen Steuerzahlers 2008 sowie infolge der Tatsache, dass Hünenberg mit 9000 Einwohnern und 1100 Schülern die höchsten Bildungsausgaben im Vergleich zu anderen Gemeinden aufweist» – in Cham seien es nur 1500 Schüler bei 16'000 Einwohnern – «ist eben kein tieferer Steuersatz möglich.» Hinzu komme noch, last, but not least, dass man 1,3 Millionen Franken für die bereits bewilligte Asylunterkunft bezahlen müsse. 

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