Die plakative Kampagne des «bürgerlichen Komitees Zug bleibt Zug!» um Willi Vollenweider hat bei den Stadtzugern nicht verfangen. (Bild: PD)
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Die plakative Kampagne des «bürgerlichen Komitees Zug bleibt Zug!» um Willi Vollenweider hat bei den Stadtzugern nicht verfangen. (Bild: PD)

Bürgerliche jubeln – rechte Wachstumskritiker und Linke befürchten Bauboom

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Das Hochhausreglement war ein kontroverses Thema, das schon fast an die Stadttunnel-Abstimmung erinnerte. Das Ja der Zuger Stimmberechtigten ist ein Erfolg für die bürgerlichen Parteien im Grossen Gemeinderat und eine Niederlage für die Gegner aus verschiedenen politischen Lagern. Erste Stimmen und Einschätzungen dazu.

Die Stadtzuger Stimmberechtigten haben das umstrittene Hochhausreglement mit 56,4 Prozent Ja-Stimmen klar angenommen (zentralplus berichtete).

André Wicki, Vorsteher des Baudepartements, nimmt das Ergebnis mit grosser Freude zur Kenntnis, sagte er an der Medienorientierung am Sonntag. «Mit der deutlichen Annahme des Reglements hat sich die Stadt Zug für die Zukunft entschieden.» Das Bevölkerungswachstum sei eine Tatsache. Mit dem Hochhausreglement habe man die Basis zu «einer umsichtigen und intelligenten» Entwicklung gelegt, so der SVP-Stadtrat.

«Ich glaube, dass wir ein massvolles Reglement beschlossen haben.»
Gregor Bruhin, Co-Präsident Ja-Komitee

Reglement verhindere Wildwuchs

Gregor Bruhin war Co-Präsident des Komitees «Ja zum Hochhausreglement». «Das ist in erster Linie ein Erfolg für die Stadt Zug und dann für die Bürgerlichen», sagt Bruhin gegenüber zentralplus. Der SVP-Fraktionschef im Stadtparlament teilt die Ängste der Gegner nicht. Das Reglement sei ein Zeichen gegen Wildwuchs. Denn bis zum heutigen Tag habe man überall Hochhäuser bauen können. «Ich glaube, dass wir ein massvolles Reglement beschlossen haben, das Hochhäuser in klar definierten Zonen zulässt. Das ist für die Identität und ein massvolles Wachstums der Stadt Zug wichtig.»

CVP kritisiert Angstmacherei der Gegner

«Die CVP der Stadt Zug ist froh, dass die Stimmbürger die Angstmacherei der Gegner der Vorlage durchschaut haben», äussert sich Benny Elsener, Fraktionschef im GGR, in einer Medienmitteilung. Die vom Stimmvolk der Stadt Zug angenommene Vorlage sei eine vernünftige und zukunftsweisende Lösung. Und ein Mehrwert für Zug, der endlich Ordnung bringe. Der heutige Wildwuchs falle somit weg. Planungs- und Rechtssicherheit für die weitere Entwicklung der Stadt Zug seien existenziell «und mit dieser Abstimmung geboren», so Elsener.

«Das Reglement wird für eine starke Bautätigkeit in der Stadt sorgen.»
Willi Vollenweider vom Gegner-Komitee

Gegner befürchten starken Bauboom

Enttäuscht ist Willi Vollenweider (parteilos), der an der Medienkonferenz der Stadt für das «bürgerliche Komitee Zug bleibt Zug!» sprach – und als Einziger die Gegnerschaft vertrat. Vollenweider erklärt: «Das Reglement wird für eine starke Bautätigkeit in der Stadt sorgen. Aber niemand hat bis heute die Folgen für den Ausbau der Infrastruktur wie Strassen oder Bildung untersucht, berappen müssen dies dann die Steuerzahler.» Er forderte den Stadtrat auf, entsprechende Konzepte auszuarbeiten.

Gegen das Reglement war auch die gesamte Zuger Linke, die jedoch kein Komitee aufstellte. Enttäuscht? «Nicht wirklich», sagt SP-Gemeinderat Urs Bertschi. «Wir haben das dem Volk unterbreitet und haben nun Klarheit. Die Befürworter haben ihren Standpunkt eben gut vermarktet.»

Politik müsse bei jedem Projekt genau hinschauen

Die Stadtzuger Politik werde jetzt bei jedem Projekt für ein Hochhaus genauer hinschauen. «Wir haben jetzt eine relative Planungssicherheit aus Sicht des Investors», sagt der Präsident der Planungs- und Baukommission im GGR. In der 60-Meter-Zone habe ein Investor jetzt die Option auf 20 Meter mehr, also 80 Meter, falls das Bauprojekt auch städtebaulich überzeuge, sagt Bertschi. Der nötige Bebauungsplan sei eine zusätzliche Hürde, die es zu überspringen gelte.

Dieselben Politiker, die jetzt für ein Ja eingestanden seien, müssten dann allenfalls den Bauherren den Schwarzen Peter überbringen, wenn es nicht nach deren Vorstellungen laufe. «Das werden sie aber kaum.» Riesenhochhäuser wie der Parktower oder das Uptown werden laut Bertschi auch in Zukunft nicht so einfach gebaut werden können.

Neue Hochhäuser städteverträglich

Die ALG Zug akzeptiert laut einer Medienmitteilung das Resultat der Abstimmung. «Die 44 Prozent Nein-Stimmen bei einer Stimmbeteiligung von 43 Prozent zeigen aber, dass die Stadt Zug auf ein massvolles Wachstum achten muss», schreibt die Partei. Es dürfe nicht sein, «dass ein paar Wenige die Gewinne einstreichen, Infrastrukturlasten und die negativen Folgen von Verkehrsüber- und Umweltbelastung aber von allen getragen werden müssen.»

Neue Hochhäuser müssten stadtverträglich und ihre Qualität hoch sein, wie es der Stadtrat und die Befürworter versprochen hätten. Bei schlechten Bebauungsplänen werde die ALG wieder das Referendum ergreifen.

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