Klein, aber fein: Die Demo der Alternativ-Grünen vor der Firma Quantum Global in Zug. In der Bildmitte: Alt-Nationalrat Jo Lang. (Bild: woz)
Politik Armut Steuern

Klein, aber fein: Die Demo der Alternativ-Grünen vor der Firma Quantum Global in Zug. In der Bildmitte: Alt-Nationalrat Jo Lang. (Bild: woz)

Jo Lang: «Die Armut in Afrika ist die Kehrseite des Reichtums in Zug»

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Sie trotzten dem Regen. Sie trotzten der Kälte: Knapp 30 Personen schlossen sich am Montagabend der Mahnwache in der Stadt Zug an. Direkt unterhalb den Büros der Firma Quantum Global prangerten die Alternative-die Grünen Zug (ALG) die Praktiken der Zuger Rohstoffhändler an. Einer durfte dabei nicht fehlen.

Wolfgang Holz

Zuerst ist es nicht leicht für Christina Gut von den Zuger Jungalternativen, sich bei der Mahnwache im Lärm des dichten Feierabendverkehrs rund um den Zuger Postplatz Gehör zu verschaffen.

Sie kämpft sich in ihrer Rede durch, in der sie unlautere Steuer- und Abzockerpraktiken solcher «Multis» wie Quantum Global (siehe Box) geisselt. Praktiken, die durch die Steuergesetze in Zug begünstigt würden. Und die mitverantwortlich für den Hunger in Afrika seien. «Zug hat nichts gelernt aus der Vergangenheit.»

Die Angestellten besagter Firma, die einen Stock oberhalb der Demo in den Büros der früheren Xstrata residieren, sitzen während der Mahnwache im Warmen und bekommen sichtlich nichts mit von der Politaktion der Grünen – draussen vor der Tür.

«Ich kannte die Firma bis vor kurzem gar nicht», gesteht Jo Lang gegenüber zentralplus. Als der Rohstoffhandels-Kritiker und frühere Zuger Nationalrat dann das Wort ergreift, nimmt die Veranstaltung sichtlich Fahrt auf – obwohl er zuerst einmal einen Passanten abwimmeln muss, der mault: «Anstatt hier über Hunger zu reden, würdet ihr lieber Essen in Afrika verteilen.»

«Ich kannte die Firma bis vor kurzem gar nicht.»

Jo Lang, Ex-Zuger Nationalrat, zu Quantum Global

Jo Lang redet sich dann schnell in Fahrt. «Das Geld, das hier im Auftrag der angolanischen Elite verjubelt und verdubelt wird, gehört dem angolanischen Staatsfond und damit dem angolanischen Volk. Und dessen Mehrheit vegetiert in Armut.» Und vom Betrug am Volk dieses afrikanischen Staats profitiere eben auch der Zuger Fiskus: «Die Armut in Angola ist die Kehrseite des Reichtums in Zug.»

Sagt's und wechselt dann auf sein Leib- und Magenthema: Glencore.

Eskortiert mit Regenschirm: Jo Lang.
Eskortiert mit Regenschirm: Jo Lang. (Bild: woz)

«Die Glencore ist zwar auch dick im angolanischen Geschäft mit einem Umsatz von 153 Milliarden Dollar. Aber der unglaublich rohstoffreiche Kongo ist und bleibt wichtiger.» Dem Staat Kongo seien laut einem UNO-Bericht allein in den Jahren 2010 bis 2012 allein bei Schürfrechten für Kupfer und Kobalt 1,4 Milliarden Dollar verloren gegangen. Und zu den wirtschaftlichen Schwerpunkten von Glencore, so Jo Lang, gehörten eben Kupfer und Kobalt.

«Zug soll endlich damit aufhören, ständig die Steuern zu senken.»

Jo Lang

«In den Paradise Papers kann man nachlesen, wie es der Glencore 2008 gelang, den Preis von Lizenzen für die Katanga-Mine von geforderten 585 Millionen Dollar auf 140 Millionen Dollar zu drücken.» Der strategische Partner von Glencore, der Israeli Dan Gertler, habe dafür dann 45 Millionen einsacken können. 2006 habe Gertler wiederum dem hochkorrupten Tyrannen Kabila im Kongo den Wahlkampf bezahlt. Jo Lang: «Auf diese Weise gehört die Bevölkerung des rohstoffreichen Kongo zu den Ärmsten der Welt.»

Doch was kann eigentlich der Kanton Zug dagegen tun, damit solche Geschäftspraktiken wie die von Glencore ein Ende haben? «Zug soll endlich damit aufhören, ständig die Steuern zu senken», lautet das Credo Langs. Ausserdem setzt er auf die Konzernverantwortungsinitiative, über die im nächsten Jahr abgestimmt wird und die Transparenz, Sorgfalts- und Haftungspflicht von den Firmen einklage.

Auch gegen Glencore waren die Transparente der Demonstranten bei der Mahnwache gerichtet.
Auch gegen Glencore waren die Transparente der Demonstranten bei der Mahnwache gerichtet. (Bild: woz)

Nicht zuletzt müsste, so Lang, die Politik eben dafür sorgen, dass der Rohstoffhandel wieder unter das Geldwäschegesetz gestellt werde. «Das hatte der Bundesrat ursprünglich so beschlossen, dann aber unter dem massiven Druck der Zuger Rohstoff-Lobby wieder zurückgenommen.»

«Die fahren ja alle dicke Autos im Wert von einer halben Million Franken.»

Zuger, zu Global Quantum

PS.: Kurz bevor sich die Versammlung der ALG auflöst, kommt ein Mann aus dem Plaza-Café heraus und fragt: «Was ist hier eigentlich los?» Als er von der Mahnwache gegen Quantum Global erfährt, sagt er: «Finde ich gut, aber ob sich dadurch irgendetwas ändert? Die fahren ja alle dicke Autos im Wert von einer halben Million Franken. Ich habe inzwischen auch keinen Parkplatz mehr in der Tiefgarage.»

Alt-Bundesrätin Metzler hat sich bei Quantum Global verabschiedet

Die Quantum Group am Postplatz in Zug ist bekanntlich die Firma des schweizerisch-angolanischen Geschäftsmanns Jean-Claude Bastos, die den Staatsfonds von Angola verwaltet. Bei der Auswertung der Paradise Papers hatte sich gezeigt, dass Bastos von staatlichem Ölgeld des südwestafrikanischen Landes profitiert.

Bastos erhält angeblich sehr hohe Managementgebühren, die ihm erlauben, sich jährliche Dividenden in zweistelliger Millionenhöhe auszuzahlen. Zudem lässt er den Staatsfonds in seine eigenen Projekte investieren. Bastos selbst weist die aus seiner Sicht «falschen Anschuldigungen» zurück. Alle Geschäfte seien legal.

Vom Zuger Strafgericht verurteilt

Delikat ist dabei: Der 50-jährige schweizerisch-angolanische Geschäftsführer Jean-Claude Bastos von Quantum sowie ein Geschäftspartner sind bereits 2011 vom Zuger Strafgericht wegen mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilt worden (zentralplus berichtete).

Übrigens hat sich Alt-Bundesrätin Ruth Metzler derweil aus dem Verwaltungsrat der Firma verabschiedet, weil ihr die Sache mit Quantum Global zu heiss geworden ist. «Das erst jetzt abschätzbare Geschäftsfeld» sei mit ihren Kriterien für Mandate nicht länger vereinbar, wird sie von der «Süddeutschen Zeitung» zitiert.

Kein Wunder: Gemäss dem «Tages-Anzeiger» liegen offenbar drei Milliarden des Staatskapitals in sieben Investment-Fonds, die Quantum Global 2014 und 2015 in der Steueroase Mauritius gründete. Eine mauritische Quantum-Global-Firma verwalte die Fonds, was der Firma pro Jahr ab 2015 ein garantiertes jährliches Einkommen von 60 bis 70 Millionen Dollar in die Kasse spüle.
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