Wir «spielen Psychologe» – und analysieren Aeschis Social-Media-Posts. (Bild: zvg / Montage: lob)
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Wir «spielen Psychologe» – und analysieren Aeschis Social-Media-Posts. (Bild: zvg / Montage: lob)

Herr Aeschi, legen Sie sich auf die Couch!

9min Lesezeit

Am 17. November wählt die Bundeshaus-Fraktion der SVP ihren neuen Chef – ein heisser Anwärter ist der Zuger Nationalrat Thomas Aeschi. Ein Anlass für zentralplus, wieder einmal in die selbsternannte Psychiater-Rolle zu schlüpfen und den Politiker einer Social-Media-Ferndiagnose zu unterziehen. Durchaus mit einem gewissen Augenzwinkern.

Die Chancen stehen gut, dass Thomas Aeschi der Nachfolger von Adrian Amstutz wird; zutrauen würde er es sich jedenfalls (zentralplus berichtete). Doch wie tickt er eigentlich so, der Zuger Nationalrat? Um mehr über den heissen Kandidaten herauszufinden, schlüpfen wir – wie vor der Wahl von Gerhard Pfister zum CVP-Präsi im Februar letzten Jahres – zum zweiten Mal in die Haut des Hobbypsychologen (zentralplus berichtete). Und wagen eine Fernanalyse. Untersuchungsgegenstand: Aeschis Social Media-Accounts.

Beginnen wir mit dem Facebook-Account: Den Besucher begrüsst ein nicht sehr spannendes Foto vor weissem Hintergrund, breites Lächeln und Businesslook inklusive. Im Titelbild ein stimmungsvoller Ausblick vom Wildspitz aus. Ein idyllisch wirkender Auftritt, der aber auch trügt.

Fülle an ähnlichen Posts

Ganz so harmonisch geht es auf dem Profil dann nicht zu und her, vor allem, wenn es um das Thema Flüchtlinge, Einwanderung und Ausländer geht. Zahlreiche Posts finden sich zum Thema auf der Timeline. Egal, ob es von Sozialschmarotzern, von fehlender Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative oder von der Abstimmung über die erleichterte Einbürgerung handelt. Ob eigene oder geteilte Beiträge: Sich regelmässig dazu zu äussern, scheint für Aeschi ein Muss. Liegt hier womöglich eine zwanghafte Neigung vor, um in psychologischen Fachtermini zu sprechen?

Der Handlungsbedarf bei Flüchtlingen wird verkannt, findet Aeschi:

Ärgert sich über die nicht umgesetzte Masseneinwanderungsinitiative...

... äussert sich zu der Zunahme der afrikanischen Sozialhilfebezüger.

Mit diesem geteilten Video warb Thomas Aeschi für ein Nein zur erleichterten Einbürgerung.

Was Aeschi zu dem Thema postet oder teilt, polarisiert nicht selten kräftig – gerade beim Thema erleichterte Einbürgerung war dies der Fall (zentralplus berichtete).

Häufigkeit und Inhalt der Beiträge lassen unseren Psychologen auch darauf schliessen, dass hier vielleicht eine etwas xenophobische Veranlagung vorhanden sein könnte. Diese manifestiert sich nicht nur im Bezug auf Ausländer, sondern allgemein das Fremde sorgt in diesem Fall für Unbehagen. Wie zum Beispiel die EU.

Zu viel der Arbeit?

Natürlich sind das bei weitem nicht die einzigen Posts. Aeschi äussert sich zu vielen weiteren politischen Themen. Private Beiträge oder Fotos finden sich – zumindest in den öffentlichen Inhalten des Profils – kaum. Ausser, es geht um Eringerkuh «Lulu.» Das kann ein Indiz auf Reserviertheit sein. «Oder aber es sind erste Workaholic-Anzeichen», erklärt der zentralplus'sche Hobbypsychologe.

Twitter-Wüste

Auf der Suche nach weiterem Analysematerial konsultieren wir nun Thomas Aeschis Twitter-Konto. Aber siehe da: Es herrscht gähnende Leere. Zwar existiert der Account schon seit Mai 2016, der Zuger Politiker hat aber noch kein einziges Mal gezwitschert.

Der Twitter-Account von Thomas Aeschi. Schon 95 Follower, aber noch kein einzier Tweet.
Der Twitter-Account von Thomas Aeschi. Schon 95 Follower, aber noch kein einzier Tweet. (Bild: Screenshot Twitter)

Immerhin hat Aeschi schon 95 Follower gesammelt, obwohl er noch keine einzige der – mittlerweile – 280-Zeichen-Nachrichten abgesetzt hat. Selber folgt er keiner Person, sondern lediglich dem «Twitter verified», welches die Accounts von Personen von öffentlichem Interesse verifiziert.

Es gibt nun zwei Optionen: Entweder überprüft Aeschi mit dem Konto so nur hin und wieder, was auf Twitter läuft. Oder aber, er sieht sich selbst als Leitwolf – und Folgen ist da keine Option. «Hier könnten sich durchaus narzisstische Züge feststellen lassen», meint unser Psychologe nach reiflichem Studium der Notizen.

Der Auftritt muss unbedingt stimmen

Was zu diesem Thema auf den Fotos weiter auffällt: Der Nationalrat ist modetechnisch stets um korrektes Auftreten bedacht. Anzug und Krawatte gibt's auf sehr vielen Bildern zu sehen, ansonsten ist ein Hemd fast immer das Minimum.

Eine der wenigen Ausnahmen ist dieser Post – hier hätten Hemd und Anzug aber auch wirklich kaum gepasst.

 

Für die Jubiläumsfeier der SVP Kanton Zug liess es sich der Nationalrat nicht nehmen, im Anzug zu posieren:

Austeilen ja – aber nicht immer selbst

Dass Aeschi viele Beiträge nicht selbst verfasst, sondern teilt, mutet etwas seltsam an – ist man sich von vielen SVP-Politikern doch eher laute Töne gewohnt. Ein Beispiel: Der Post von Toni Brunner, welcher Aeschi mit einer Niqab-Trägerin am Unspunnen-Schwinget zeigt und die Anhänger wenig erfreute (zentralplus berichtete.) Der sichtlich amüsierte Nationalrat postete das Foto nicht selbst, sondern teilte den Beitrag des Parteikollegen.

Die Worte sind nicht immer scharf gewählt, nicht selten haben es die Message oder die geteilten Medien aber in sich. Wie beispielsweise das Video von Namensvetter und Parteikollegen Thomas Matter über die Vorgänge in Bundesbern. Der Name: «In den Sümpfen von Bern.» Bei Aeschi selbst scheint der Ton etwas ruhiger zu sein als bei Parteikollegen – ist der Nationalrat nach dem K.O.-Tropfen-Gate (zentralplus berichtete) vielleicht vorsichtiger geworden?

Auch das «Ich hab's euch ja gesagt» nach der letzten Abstimmung zur AHV-Reform kommt zwar etwas selbstbewusst, dennoch verhalten daher:

Die Schlussdiagnose

Thomas Aeschi ist auf seinen Socials fast nur Politiker – vielleicht sogar ein wenig zu sehr auf die Arbeit fokussiert, meint der Hobby-Experte. Und gar zwanghaft verbissen, wenn es um das Thema Zuwanderung geht. Der Politiker weist ausserdem einen Hang zum Narzissmus auf – eine starke Persönlichkeit muss er für den Posten als Fraktionschef allerdings sein. Regierte der abtretende Amstutz doch bisher – um es mit den Worten eines NZZ-Artikels zu sagen – «mit eiserner Faust.»

Im Rennen um das Amt des Fraktionschefs setzt Thomas Aeschi selbst auf den Sozialfaktor: «Aeschi will mehr Bier trinken», titelte der Blick am Montag. Wir empfehlen für die Socials: Das Twitter-Profilbild auch für Facebook verwenden, da es doch einiges sympathischer wirken würde. Vielleicht auch ein bisschen weniger Anti-Ausländer-Posts, dafür mehr herzige Tierbilder. So wie das hier:

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