Gerhard Pfister, hier bei einer Debatte, kritisierte auf Twitter die SRG. (Bild: Manuel Lopez)
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Gerhard Pfister, hier bei einer Debatte, kritisierte auf Twitter die SRG. (Bild: Manuel Lopez)

Gerhard Pfister: «Der SRG ist halt nicht mehr zu helfen»

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CVP-Präsident Gerhard Pfister schiesst auf Twitter scharf gegen die SRG. Damit giesst der Zuger Öl ins Feuer der «No-Billag»-Initianten und verhält sich konträr zur Parteilinie – die CVP wird voraussichtlich die Kampagne gegen die Gebühren-Stopp-Initiative leiten. Parteikollegen kritisieren Pfister – obwohl dieser schon lange ein SRG-Kritiker ist.

Pascal Zeder

Die CVP gilt als eine der grössten Verfechterinnen des medialen Service Public. In der Debatte rund um die «No Billag»-Initiative seitens der SVP kämpfen die Christdemokraten bisher am stärksten für die Radio- und Fernsehgebühren, mit grosser Unterstützung durch Medienministerin Doris Leuthard. Die Verbandlungen zwischen der Partei und dem Schweizer Radio und Fernsehen gehen sogar manchen zu weit – wiederholt wurde die CVP für ihre Nähe zur SRG kritisiert.

Jetzt hat sich aber ausgerechnet der Zuger CVP-Präsident Gerhard Pfister mit der SRG angelegt. Wie «watson» berichtet, störte sich Pfister an einem Beitrag über den Todestag des Kubanischen Revolutionärs Che Guevara. Auf Twitter griff er SRF-Chefredaktor Tristan Brenn direkt an, als letzterer den TV-Beitrag postete.

«Der SRG ist halt nicht mehr zu helfen»

«Wenn man sich eigenes Bild macht, wird das ‹No-Billag›-Initianten nur Recht sein», schrieb Pfister auf dem Nachrichtenportal. Brenn hatte dazu aufgefordert, sich ein «eigenes Bild» über Che Guevara zu machen, Pfister drehte es aber auf die Radio- und Fernsehgebühren.

Der SRG sei «halt nicht mehr zu helfen», so Pfister weiter, und legte nach: «Verstehe ja, dass Che für die meisten der SRGler ein Säulenheiliger ist. Sie sollten dann einfach offener dazu stehen.» Brenn mochte nicht wirklich auf die Anschuldigungen eingehen, er schrieb schlicht: «Ich schaue jetzt Fussball.» Pfisters Antwort: «Verständlich, aber argumentativ schwach.»

Pfister: «Das sind keine Giftpfeile»

Laut «watson» gibt es mehrere CVP-Parteikollegen, die Pfisters Aktion verurteilen. Ein Fraktionsmitglied bezeichnete die Provokation in Richtung SRG als «höchst unpassend». Es sei falsch, die Stimmung noch zusätzlich aufzuheizen. Auch, weil die CVP voraussichtlich die Gegenkampagne zu «No Billag» leiten wird.

 

Pfister sagte, er erachte es als sein Recht, SRG-Beiträge kritisch zu kommentieren. «Das sind keine Giftpfeile. Aber seitens der SRG empfidet man das offenbar so.» Er wolle sich von jetzt an weder zur SRG noch zur «No Billag»-Initiative äussern.

Kunde und Politiker: Zwei unterschiedliche Interessen

In einem Beitrag der «Weltwoche» gab Pfister ausserdem an, Verfechter einer «liberaleren SRG» zu sein. Dies sei als CVP-Präsident nicht immer einfach. Zwar gebe es in der Partei keine Denkverbote. «Persönlich gibt man mir aber seitens der SRG indirekt durchaus zu verstehen, dass ich mit Konsequenzen rechnen muss für meine Kritik.» 

Aufschluss über Pfisters Meinung zur SRG gibt auch ein Gastbeitrag in der Autorenzeitschrift «Schweizer Monat», der vor rund einem Jahr publiziert wurde. Dort schreibt er, er sei weder Freund noch Feind des bundesnahen Betriebs. Die Qualität der Inhalte interessiere ihn als Kunde, als Politiker nehme ihn der Auftrag dieser Institution wunder. «Kritisch sollen aber beide, der Politiker wie der Kunde, sein», so Pfister.

Pfister: Markt und Technologie machen SRG überflüssig

Dabei geht Pfister nicht gerade zimperlich mit der SRG um. Er schreibt im Gastbeitrag weiter: «Die SRG hat in den letzten Jahren eine Untugend übernommen, wie sie in einigen Staatsbetrieben festzustellen ist: Man gibt sich unternehmerisch im Jargon, bei den Honoraren der Kader und beim Leistungsausbau auf Kosten privater Medien- und Verlagsunternehmen.» Dabei wagt er die Prognose, dass Markt und Technologie dereinst die SRG überflüssig machen werden. Und Pfister meinte damals: «Bis dahin bleibt den Menschen in der Schweiz der Zwang, Gebühren für etwas zu entrichten, das sie so nicht wollen und auch nicht bestellt haben.»

Trotz der harschen Worte: Pfister ist keineswegs pro «No-Billag». Im Nationalrat stimmte er sowohl gegen die Initiative wie auch gegen den Gegenvorschlag, der eine Halbierung der Empfangsgebühren verlangte. Die Abstimmung kommt voraussichtlich nächstes Jahr vor das Volk.

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